Antisemitismus
Welches sind die Schichten des antijüdischen Vorurteils? Und woraus schöpfen noch heute die Ewiggestrigen ihre Argumente? Das Wissen um historische Hintergründe hilft, Denkblockaden zu brechen.Gelber David-Stern: Schon im Mittelalter waren Absonderung und Diskriminierung Ziel der Kennzeichnungspflicht für Juden.
Feindliche Brüder
Wörtlich genommen wäre ein Anti-Semit also ein ebenso anti-jüdisch wie anti-arabisch gesinnter Mensch. Wir stehen vor einer Überlieferung, die nahe legt, Juden und Araber als feindliche Brüder, oder wenigstens als feindliche Halbbrüder, zu sehen - und "Antisemitismus" als wenig präzise aus unserem Vokabular zu streichen. Tatsächlich ist der Begriff nun einmal eingebürgert, ist Synonym für die anti-jüdische Haltung, den Antijudaismus schlechthin. Als vielschichtiger Komplex von Vorurteilen spielt er seine Rolle in der politischen Terminologie. Und in der Tat sind viele Schichten zu betrachten, wollen wir dem Affekt des Antijudaismus auf die Spur kommen.
Feinde der Christen
Erste, älteste Schicht ist die christliche Aversion gegen das Judentum. Sie gipfelt, deutlich formuliert im Neuen Testament, im Vorwurf des Christusmordes: Da sind die Juden jene Leute, "welche auch den Herrn Jesum getötet haben und ihre eigenen Propheten" (1. Thessalonicher 2, 15). Juden sind also Feinde der Christen.
Teuflischer Generalverdacht
Verfestigt hat sich dieses anti-jüdische Vorurteil im Mittelalter, in jener Zeit, in der regelrechte Feldzüge gegen Ketzer und Feinde des christlichen Glaubens auf der Tagesordnung standen. Weit über den Kreis von Theologen und Kirchenoberen hinaus nahm das Volk die neutestamentarischen Ressentiments auf: Sie hielten her als Begründung für Pogrom, Mord und Ausgrenzung in der mittelalterlichen Gesellschaft. Dass man den Juden so genannte Ritualmorde in die Schuhe schob, sie der Hostienschändung, als Pestverursacher und Brunnenvergifter verdächtigte, war nur noch Beiwerk zum teuflischen Generalverdacht.
Die zweite Schicht
Zweite Schicht des anti-jüdischen Vorurteils ist das Verhältnis von Judentum und Geld. Auch hier haben wir es ursprünglich mit einem Relikt des Mittelalters zu tun. Denn weil die Bibel den Wucher verbietet, konnten Christen sich gegenseitig - befolgte man streng die Regeln - kein Geld auf Zinsen leihen. Da kam eine nichtchristliche Minderheit sehr gelegen, deren Domäne künftig Geldverleih und Handel wurde. Ein Übriges tat die Ausgrenzung von Juden aus den sich als christliche Bruderschaften verstehenden Handwerkszünften.
Der Herrscher profitiert
Auch wenn das christliche Wucherverbot später außer Kraft geriet, das Bild vom "reichen Wucherjuden" blieb in den Köpfen haften. Und nicht zuletzt: Mancher kleine oder große Herrscher profitierte vom verbreiteten Judenhass. Lenkte er soziale Unzufriedenheit von sich auf den semitischen Geldverleiher, dann war er mit dem Juden im besten Fall auch gleich die Schulden los...
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Holocaust...
ist die Bezeichnung für die groß angelegte Vernichtung jüdischer Minderheiten - überwiegend armer Juden aus Osteuropa - während des europäischen Faschismus. Begangen wurde der Holocaust in erster Linie von verbrecherischen Exponenten des deutschen Nationalsozialismus, unterstützt von reaktionären, faschistischen Tendenzen und anti-jüdischen Strömungen in vielen Nationen des Kontinents.
Sein Symbol ist Auschwitz. Die Zahl der Holocaustopfer wird mit rund 6 Millionen angegeben. Obwohl in den zurückliegenden Jahrzehnten Tausende Publikationen zum Thema erschienen sind, gibt es weiterhin Leugner der Umstände und Opferzahlen. In der Bundesrepublik ist das Leugnen des Holocaust strafbar.
Umstritten im Zusammenhang mit dem Holocaust ist der Begriff einer deutschen Kollektivschuld. Und eng damit verbunden ist die Diskussion um eine möglicherweise im deutschen Nationalcharakter verankerte anti-jüdische Grundhaltung.
ist die Bezeichnung für die groß angelegte Vernichtung jüdischer Minderheiten - überwiegend armer Juden aus Osteuropa - während des europäischen Faschismus. Begangen wurde der Holocaust in erster Linie von verbrecherischen Exponenten des deutschen Nationalsozialismus, unterstützt von reaktionären, faschistischen Tendenzen und anti-jüdischen Strömungen in vielen Nationen des Kontinents.
Sein Symbol ist Auschwitz. Die Zahl der Holocaustopfer wird mit rund 6 Millionen angegeben. Obwohl in den zurückliegenden Jahrzehnten Tausende Publikationen zum Thema erschienen sind, gibt es weiterhin Leugner der Umstände und Opferzahlen. In der Bundesrepublik ist das Leugnen des Holocaust strafbar.
Umstritten im Zusammenhang mit dem Holocaust ist der Begriff einer deutschen Kollektivschuld. Und eng damit verbunden ist die Diskussion um eine möglicherweise im deutschen Nationalcharakter verankerte anti-jüdische Grundhaltung.



