Zionismus
Diaspora? Kibbuzim? Warum gingen Hunderttausende von Juden ins "gelobte Land"? Wir wollen in unserem Exkurs beleuchten, was im Wien des Jahres 1896 begann und zur Bildung des Staates Israel führte.Theodor Herzl lebte 1860 bis 1904 und war der erste Präsident der Zionistischen Weltorganisation. Ihr Ziel: eine Heimat für alle Juden in Palästina.
Schutz und Sicherheit
Wenn das Judentum ein Volk, eine Nation ist, dann gehört zu ihm ein nationales Territorium, das Schutz und Sicherheit bietet. Der Zionismus ist somit die andere Seite der Diaspora: ein Reflex auf die Verfolgungen und Diskriminierungen, denen sich Juden in vielen Ländern ausgesetzt sahen. Nahe liegend erschien es, die alte jüdische Heimat Palästina - mit dem Zentrum Jerusalem - als künftiges Land des jüdischen Volkes ins Auge zu fassen. Wenig plausibel war der Gedanke allerdings für eine Mehrzahl westeuropäischer Juden, die sich als gleichberechtigte Staatsbürger in ihre jeweiligen Heimatländer integriert - assimiliert - hatten.
Den Acker umgraben?
Vor allem bei den meisten deutschen Juden fielen die Ideen des Zionismus kaum auf fruchtbaren Boden: Wie etwa sollte man einen gut situierten jüdischen Geschäftsmann aus Berlin oder Frankfurt überreden, in Palästina den Acker umzugraben? Leichter fiel die Entscheidung dem jüdischen Handwerker in Galizien, der, von Landvolk und Behörden drangsaliert, in Palästina das gelobte Land zu sehen glaubte.
Der Judenstaat. Versuch einer modernen Lösung der Judenfrage. So lautet der Titel des Buches, das wegweisend für den Zionismus wurde.
Seit den 1880er Jahren kam es zu ersten großen Auswanderungen osteuropäischer Juden. Theodor Herzl, ein jüdischer Anwalt aus Wien, schrieb 1896 das Manifest des Zionismus: Der Judenstaat. Der Ort war kaum ein Zufall, traf in Wien doch die geistige Elite Westeuropas mit dem osteuropäischen Judentum zusammen.
Der Kongress
Ein Jahr nach Veröffentlichung seines Buches organisierte Herzl den ersten Zionistischen Weltkongress, bei dem die Zionistische Weltorganisation gegründet wurde. Proklamiertes Ziel beider: die Schaffung einer "öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina". Parallel zu schwierigen diplomatischen Vorstößen, die meist scheiterten, schritt von da an die Ansiedlung jüdischer Menschen in der ersehnten, noch unter osmanischer Hoheit stehenden Heimat voran.
Tel Aviv
Als erste jüdische Stadt gründeten die Siedler 1909 Tel Aviv. Von großem Gewicht war dabei die finanzielle Unterstützung durch die Pariser Bankiersfamilie Rothschild. Anfangs, auch wegen der niedrigen Bevölkerungsdichte Palästinas, tolerierten die arabischen Bewohner des Gebietes die Einwanderer aus dem fernen Europa...
Seite
1
| 2
Dieser Artikel gehört zum Thema
| Jüdisches Leben | ![]() |
Infobox
Die Geschichte des Judentums...
ist eine Geschichte von Vertreibungen. Genau dafür - mit der Nebenbedeutung "Zerstreuung" - steht das griechische Wort Diaspora. Schon im 8. Jahrhundert v. Chr. machten die Assyrer das Land Samaria, in dem zehn der zwölf Stämme Israels lebten, dem Erdboden gleich. 586 v. Chr. töteten die Babylonier viele Juden aus den übrigen zwei Stämmen. Überlebende wurden ins Exil nach Babylon verschleppt, andere flohen nach Ägypten. Auch im Mittelmeergebiet und in Nordafrika ließen sich Juden nieder. Der aufstrebende Islam brachte den Juden meist Toleranz entgegen, so auch in den moslemisch dominierten Territorien Spaniens.
Nach der Rückeroberung der iberischen Halbinsel durch die Christen sahen sich die Juden dort verfolgt und zum Übertritt zum Christentum gezwungen. Ergebnis war wieder eine Fluchtbewegung, diesmal Richtung Amerika, England, Holland oder Deutschland. Die meisten Juden, rund 5,6 Millionen, leben heute in den USA, gefolgt von Israel (5,3 Millionen). In Europa gibt es mehr als zwei Millionen Juden. Bevölkerungsanteile von mindestens hunderttausend Juden haben außerhalb Europas noch Kanada, Argentinien, Brasilien, Südafrika und Australien. So brachte die Geschichte tatsächlich ein über den Globus verstreutes Volk hervor, mehr oder weniger an die Verhältnisse in den unterschiedlichen Weltregionen angepasst - doch mit dem Bewusstsein einer eigenen, besonderen Identität.
ist eine Geschichte von Vertreibungen. Genau dafür - mit der Nebenbedeutung "Zerstreuung" - steht das griechische Wort Diaspora. Schon im 8. Jahrhundert v. Chr. machten die Assyrer das Land Samaria, in dem zehn der zwölf Stämme Israels lebten, dem Erdboden gleich. 586 v. Chr. töteten die Babylonier viele Juden aus den übrigen zwei Stämmen. Überlebende wurden ins Exil nach Babylon verschleppt, andere flohen nach Ägypten. Auch im Mittelmeergebiet und in Nordafrika ließen sich Juden nieder. Der aufstrebende Islam brachte den Juden meist Toleranz entgegen, so auch in den moslemisch dominierten Territorien Spaniens.
Nach der Rückeroberung der iberischen Halbinsel durch die Christen sahen sich die Juden dort verfolgt und zum Übertritt zum Christentum gezwungen. Ergebnis war wieder eine Fluchtbewegung, diesmal Richtung Amerika, England, Holland oder Deutschland. Die meisten Juden, rund 5,6 Millionen, leben heute in den USA, gefolgt von Israel (5,3 Millionen). In Europa gibt es mehr als zwei Millionen Juden. Bevölkerungsanteile von mindestens hunderttausend Juden haben außerhalb Europas noch Kanada, Argentinien, Brasilien, Südafrika und Australien. So brachte die Geschichte tatsächlich ein über den Globus verstreutes Volk hervor, mehr oder weniger an die Verhältnisse in den unterschiedlichen Weltregionen angepasst - doch mit dem Bewusstsein einer eigenen, besonderen Identität.



