Auf den Stufen des Erfurter Doms 1975: ein Kirchenmann ohne Berührungsängste.
Der Pfeil Gottes
Am 28. November 1942 spielt das polnische Rhapsodie Theater in einer mit Jalousien verdunkelten Wohnung in Krakau - heimlicher Akt kulturellen Widerstands. Bald wird die Vorstellung gestört: Nazi-Propaganda dröhnt durch Straßenlautsprecher und verkündet die Nachricht von weiteren Siegen. Ein 22 Jahre alter Schauspieler namens Karol Wojtyla, Student des untergetauchten Priesterseminars, trägt mit innerer Ruhe und Gelassenheit seinen Text vor, als existierten die störenden Brüller nicht."Wir wollen Gott!"
37 Jahre später spricht er nicht mehr in verdunkelten Wohnungen, sondern vor einem riesigen Publikum - in seiner Heimat Polen, diesmal gegen kommunistische Machthaber. In Warschau sind Millionen Menschen versammelt, um den neuen Papst zu hören. Wie 1942 wendet Wojtyla sich gegen Unterdrückung und Gewalt, wieder wird er unterbrochen. Nun allerdings von den spontanen, rhythmischen Sprechchören seiner Anhänger: "Wir wollen Gott! Wir wollen Gott!" Die Macht und Verehrung des Papstes unter seinen Landsleuten kennt keine Grenzen. "Wehrt euch gegen alles, was gegen die Würde des Menschen verstößt", rät er ihnen.
Zentrale Figur im Widerstand
Der Kampf gegen Unterdrückung, Ungerechtigkeit und Krieg hat Karol Wojtyla geprägt und war wichtigstes Kennzeichen seines Pontifikats. Johannes Paul II., so der Name, den er nach seiner Wahl zum Papst am 16. Oktober 1978 annimmt, gilt als zentrale Figur im Widerstand gegen den Kommunismus, als tatkräftiger Unterstützer der Solidarnosc-Bewegung und Initiator einer katholischen Arbeiterbewegung in Polen: Beginn des Widerstands gegen das sowjetische Imperium.
"Nie wieder Krieg!"
Allen Formen von Gewalt wird er künftig entgegentreten. George W. Bush schmettert er noch wenige Tage vor Beginn des Irakkriegs vom Petersplatz aus zornig ein "Nie wieder Krieg!" entgegen. Wochenlang hatte er zuvor versucht, durch Gebete und Bußfasten, aber auch mittels Botschaften, Gesprächen und Empfängen sowie reger Reisediplomatie seiner Kardinäle die Mächtigen der Welt zu einer friedlichen Lösung zu bringen.
Karol Wojtyla im Jahr 1975 bei der Messe im Erfurter Dom - noch war er Kardinal.
Kaum ein Papst seit dem Mittelalter hat sich derart politisch gezeigt und so klar Stellung bezogen. Dies hatten dem mit 58 Jahren außergewöhnlich jungen Papst bei seinem Amtsantritt nur wenige zugetraut. Zu überraschend kam seine Wahl zum Oberhaupt der katholischen Kirche. Er selbst hatte wohl am wenigsten damit gerechnet, hatte bereits seinen Rückflug nach Polen gebucht - noch vor der Einführungszeremonie des neuen Pontifex wollte er Rom verlassen. Kurz vor dem Konklave bat ihn das Time Magazine um ein Foto. "Sparen sie sich die Mühe. Ich werde nicht Papst", winkte Wojtyla lächelnd ab. Er täuschte sich.
"E il Polacco"
"Habemus papam Carolum Wojtyla. E il Polacco", geht es 1978 von Rom aus um die Welt: Karol Wojtyla, bis dahin Kardinal von Krakau, nimmt als erster Slawe auf dem einstigen Bischofsstuhl Petri Platz - seit 455 Jahren erstmals wieder ein Nichtitaliener. "Ich hatte Angst, die Wahl anzunehmen", sagt Johannes Paul II. später der vor dem Lateranpalast wartenden Menge, mit Tränen in den Augen. Doch "angesichts des Ernstes dieser Zeit und im Bewusstsein der Verantwortung dieser Wahl und aus Respekt vor der apostolischen Verfassung" stelle er sich dieser schweren Aufgabe...
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Infobox
Die wichtigsten Lebensdaten:
18. Mai 1920 in Wadowice (Polen) geboren als Sohn des Stabsoffiziers Karol Wojtyla.
1. November 1946: Priesterweihe.
28. September 1958: Bischofsweihe.
13. Januar 1964: Erzbischof von Krakau.
28. Juni 1967: Erhebung zum zu dieser Zeit jüngsten Kardinal der Kirche.
16. Oktober 1978: Wahl zum Papst, ab jetzt nennt er sich Johannes Paul II.
13. Mai 1981: Der türkische Terrorist Ali Agca verübt auf dem Petersplatz in Rom ein Attentat und verletzt den Papst schwer.
22. bis 26. März 2000: Reise ins Heilige Land: Gebet an der Klagemauer.
5. bis 9. Juni 2003: 100. Auslandsreise (nach Kroatien).
2003: 25-jähriges Papstjubiläum.
2. April 2005: Papst Johannes Paul II. stirbt in Rom.
18. Mai 1920 in Wadowice (Polen) geboren als Sohn des Stabsoffiziers Karol Wojtyla.
1. November 1946: Priesterweihe.
28. September 1958: Bischofsweihe.
13. Januar 1964: Erzbischof von Krakau.
28. Juni 1967: Erhebung zum zu dieser Zeit jüngsten Kardinal der Kirche.
16. Oktober 1978: Wahl zum Papst, ab jetzt nennt er sich Johannes Paul II.
13. Mai 1981: Der türkische Terrorist Ali Agca verübt auf dem Petersplatz in Rom ein Attentat und verletzt den Papst schwer.
22. bis 26. März 2000: Reise ins Heilige Land: Gebet an der Klagemauer.
5. bis 9. Juni 2003: 100. Auslandsreise (nach Kroatien).
2003: 25-jähriges Papstjubiläum.
2. April 2005: Papst Johannes Paul II. stirbt in Rom.


