Petersplatz und Petersdom: Hier spricht der Papst den Segen Urbi et Orbi.
Weißer Rauch
Wir schreiben das Jahr 236 nach der Geburt Christi: Papst Anterus ist tot, ein neuer Papst wird gesucht. Als sich die Bischöfe zur Wahl versammeln, hat niemand von ihnen einen gewissen Fabian, aus dem altrömischen Patriziergeschlecht der Fabier, auf der Karte. Plötzlich fliegt eine Taube vom Himmel herab und landet auf dem Haupt des eher unbekannten Kirchenmannes. Die Papstwähler deuten es als göttliches Zeichen und küren einstimmig den erstaunten Mann aus ihrer Mitte zum neuen Kirchenoberhaupt.Habemus papam!
Weißer Rauch steigt auf, habemus papam! - der neue Papst ist gewählt! Dann gibt sich dieser einen eigenen Papstnamen und spricht den Urbi et Orbi-Segen. Das ist Ritual. Doch selten kommt die Entscheidung auf derart kuriose Weise zustande wie im Falle der Inspirationswahl Fabianus und nicht immer sind sich alle beteiligten Personen so einig.
Nach striktem Reglement
Wie wird man Kirchenoberhaupt? Schließlich ist Stellvertreter Gottes kein Studiengang oder Ausbildungsberuf! "Erst werde ich Pfarrer, dann Bischof, dann Papst", würde wohl der Unbedarfte die "Karriere" des obersten Hirten beschreibe. Doch ist dies eine naive Vorstellung, die in der Realität keine Entsprechung hat: Es gibt nicht die Ideallaufbahn. Papst werden kann grundsätzlich jeder männliche Katholik, im Normalfall handelt es sich jedoch um einen hohen kirchlichen Würdenträger, manchmal aber auch um einen einfachen Mönch - häufig einen Italiener. In der Praxis wird der Papst nach striktem Reglement gewählt.
Hundertzwanzig unter achtzig
Seit dem 22. Februar 1996, als der damals amtierende Papst Johannes Paul II. mit der Apostolischen Konstitution ein neues Regelwerk vorlegte, dürfen nur noch Kardinäle unter achtzig Jahren an der Wahl des Oberhauptes teilnehmen; ihre Zahl ist zudem auf hundertzwanzig Personen begrenzt. Diese treffen sich nach dem Tod des Papstes im Konklave. Das Wort bezeichnet sowohl die Versammlung als auch den Raum, in dem sie abgehalten wird.
Die Apostel Petrus und Paulus in einem Bild des spanischen Malers El Greco (um 1590).
Mühsam und zäh
Klare Favoriten gibt es bei diesen Zusammenkünften selten und wenn, dann müssen die sich nicht unbedingt durchsetzen. Ein altes Sprichwort besagt sogar: "Wer als (vermeintlicher) Papst ins Konklave geht, kommt als Kardinal wieder heraus." Ist sich jemand seiner Wahl also bereits sicher, wird er selten gewählt und bleibt weiterhin "nur" Kardinal. Absprachen sind ebenso wenig gestattet, wie die Bestimmung eines Nachfolgers durch den amtierenden Papst.
Gewollte Unbequemlichkeit
Die Verhandlungen gehen oft mühsam und zäh vonstatten. Um äußere Einflussnahme zu verhindern, aber auch um den Druck auf die Wahlmänner zu erhöhen, wird seit dem 12. Jahrhundert der Brauch der Abschottung im Konklave praktiziert. Nahrungsentzug und gewollte Unbequemlichkeit, wie etwa 1268 in Viterbo, als man sogar das Dach des Hauses, in dem das Konklave abgehalten wurde, abdeckte, bieten weiteren "Anreiz", zu einer schnellen Entscheidung zu gelangen. Dies zeigt, wie sehr die Zeit oft drängte...
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Infobox
Der Apostel Petrus gilt als erster Papst. Doch der "Fels", auf den Jesus seine Kirche bauen wollte - war noch nicht primus inter pares sondern "nur" Bischof von Rom - mit hohem Ansehen zwar, aber ohne besondere Hausmacht. Ab dem 5. Jahrhundert wird der Name papa allein vom römischen Bischof geführt, womit er sich immer stärker von seinen Amtskollegen andernorts abhob. Seitdem hat sich die Sonderrolle des Bischofs von Rom als Oberhaupt der Kirche mehr und mehr verfestigt. Innozenz I. (402 bis 417) bestand erstmals auf die Nachfolge Petri, leitete von dessen Verdiensten und dessen Bezeichnung als "Hirte der Christenheit" seine eigenen Ansprüche ab. Die offenbar starke Herrscherpersönlichkeit entsprach im juristischen Sinn als erste unserem heutigen Verständnis eines Papstes.


