Chance aufs Paradies
Jerusalem ist seit vielen Jahrhunderten das Ziel von Menschen, die ihr Heil suchen. Ende des 11. Jahrhunderts machten sich Zehntausende auf den Weg ins Heilige Land.Auf dem Konzil von Clermont rief Papst Urban II. im Jahr 1095 zur bewaffneten Pilgerfahrt nach Jerusalem auf. (Gemälde um 1490, Französische Nationalbibliothek)
Spirituelle Anziehungskraft
Bereits seit Jahrhunderten pilgerten Christen nach Jerusalem zum Heiligen Grab. Es gehörte zu den peregrinationes maiores, den drei großen Fernpilgerzentren des christlichen Abendlandes. Wie die Gräber der Apostel Peter und Paulus in Rom und das Grab des Apostels Jakobus im spanischen Santiago de Compostela übte es auf die Gläubigen eine besonders starke spirituelle Anziehungskraft aus. Egal welchen Standes, welcher Herkunft und welcher Bildung, immer wieder machten sich Menschen auf die lange und beschwerliche Reise, um Gott nahe zu sein.
Im 11. Jahrhundert avancierte das Pilgerwesen dann zu einer wahren Massenbewegung. Doch was genau bewog so viele Menschen, sich auf den Weg zu machen, unbewaffnet und schutzlos in die Fremde zu ziehen? Und weshalb wurde aus der einst friedlichen Pilgerfahrt zum Heiligen Grab in Jerusalem ein bewaffneter Kreuzzug im Zeichen des Herrn?
Wunderglauben und Frömmigkeit
Die christliche Wallfahrt hat ihren Ursprung im 4. Jahrhundert, als Menschen begannen, jene Orte, die mit Wirken und Tod Christi in Verbindung stehen, gezielt aufzusuchen. Bald wurde das Pilgern fester Bestandteil des christlichen Lebens. Einen ersten Höhepunkt erreichte das Pilgerwesen im Hochmittelalter. Diese Zeit war gekennzeichnet durch wachsende Mobilität, starken Wunderglauben und eine ausgeprägte Reliquienfrömmigkeit der Menschen.
Die Reliquienverehrung spielte auch bei der Wallfahrt eine besondere Rolle, wurden den Überresten der Heiligen doch magische Kräfte beigemessen. Von ihnen versprachen sich die Menschen Schutz, Hilfe, Gnade und Heil. Als Zeichen göttlichen Wirkens galten sie als echt, wenn sie göttliche Wunder bewirkten. Besonders beliebt waren Berührungsreliquien, das heißt indirekte Reliquien, die aus Mangel an Originalen durch die Berührung des Heiligtums mit einem anderen Gegenstand entstanden. So gab es bald Wallfahrtsziele in großer Zahl.
Das Heil in der Fremde suchen
Wallfahrten gehören zu den bedeutendsten Phänomenen mittelalterlicher Religiosität. Als Akt der Ergebenheit und als Glaubenszeugnis war das Pilgern nicht nur wichtiger Bestandteil des christlichen Lebens, vielmehr wurde das Leben des Christen selbst als eine Pilgerfahrt betrachtet. Der lateinische Ursprung des Begriffs "pilgern" - peregrinus - heißt übersetzt "jener, der in der Fremde sein Heil sucht". Der Pilger macht sich also auf den Weg, um in der Ferne seine eigentliche, die ewige Heimat zu suchen: den Eingang zum Paradies...
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Infobox
In Gottes Namen in die Fremde
In den Jahren zwischen 1095 und 1279 gab es mehrere Kreuzzüge zur Befreiung des Heiligen Landes (Jerusalem und andere christliche Pilgerstätten in Palästina) von den "ungläubigen" muslimischen Eroberern. Viele Kreuzfahrer waren davon überzeugt, dass mit der Vertreibung der Heiden Gottes Wille erfüllt werde und ihnen damit alle Sünden erlassen seien.
Sie erachteten die Kriegszüge als Pilgerfahrt in Waffen; der Begriff Kreuzzug entstand erst im 13. Jahrhundert. Die vorgeblich religiös motivierten Feldzüge dienten einerseits als Stütze für das abendländische Papsttum, das sich von der Kontrolle über das Heilige Land eine Ausweitung seiner Macht versprach. Andererseits erhofften sich Ritter und Adlige die Eroberung neuer Besitztümer.
Besonders jüngere Söhne des Adels, die nicht erbberechtigt waren, sahen hier eine Möglichkeit, sich eigenes Gebiet anzueignen. Im Laufe der Zeit dominierten immer mehr wirtschaftliche Interessen, der ursprüngliche religiöse Kreuzzugsgedanke ging verloren. Der Begriff Kreuzzug wurde denn auch auf Kriege gegen Nichtchristen anderer Länder und gegen von der Kirche als Ketzer betrachtete Menschen ausgeweitet.
In den Jahren zwischen 1095 und 1279 gab es mehrere Kreuzzüge zur Befreiung des Heiligen Landes (Jerusalem und andere christliche Pilgerstätten in Palästina) von den "ungläubigen" muslimischen Eroberern. Viele Kreuzfahrer waren davon überzeugt, dass mit der Vertreibung der Heiden Gottes Wille erfüllt werde und ihnen damit alle Sünden erlassen seien.
Sie erachteten die Kriegszüge als Pilgerfahrt in Waffen; der Begriff Kreuzzug entstand erst im 13. Jahrhundert. Die vorgeblich religiös motivierten Feldzüge dienten einerseits als Stütze für das abendländische Papsttum, das sich von der Kontrolle über das Heilige Land eine Ausweitung seiner Macht versprach. Andererseits erhofften sich Ritter und Adlige die Eroberung neuer Besitztümer.
Besonders jüngere Söhne des Adels, die nicht erbberechtigt waren, sahen hier eine Möglichkeit, sich eigenes Gebiet anzueignen. Im Laufe der Zeit dominierten immer mehr wirtschaftliche Interessen, der ursprüngliche religiöse Kreuzzugsgedanke ging verloren. Der Begriff Kreuzzug wurde denn auch auf Kriege gegen Nichtchristen anderer Länder und gegen von der Kirche als Ketzer betrachtete Menschen ausgeweitet.




