Thanatos' Bruder
Lange Zeit betrachtete man den Schlaf als todesähnlichen Zustand, bei dem die physiologischen Funktionen inaktiv sind. Die neuen Messmethoden der modernen Schlafforschung beweisen das Gegenteil.Hypnos ist ein treuer Begleiter. Nacht für Nacht kommt er aus seiner dunklen Höhle am Ufer der Lethe, dem Fluss des Vergessens, und befreit Mensch und Tier von Sorgen und Nöten. Dafür zollen alle Kreaturen dem sanftmütigen Gott einen beachtlichen Teil ihrer Zeit. Ganz wohl ist ihnen dabei freilich nicht: Nahezu schutzlos sind sie im Schlaf den Gefahren der Umwelt ausgeliefert. Werden sie aus diesem geheimnisvollen Zustand, der sich ihrer da bemächtigt, auch wieder erwachen?
Dem Tode ähnlich
Der römische Dichter Ovid deutete den Schlaf als "Abbild des Todes". Die Nähe kommt nicht von ungefähr: Hypnos, der Schlafgott, ist in der antiken Mythologie Zwillingsbruder des Thanatos, des mitleidlosen Gottes des Todes. Nicht bloß deshalb wurde der Schlaf - bei dem jegliches Bewusstsein und jegliche Aktivität aufgehoben scheinen - lange Zeit als ein dem Tode ähnlicher Zustand betrachtet: als geheimnisvolles, unsicheres Phänomen, das sich unserer Kontrolle entzieht.
Was ist Schlaf?
Seit jeher versucht der Mensch, die Frage zu beantworten, welche Macht da immer wieder von ihm Besitz ergreift: Was ist eigentlich der Schlaf? Warum schlafen wir? Über die Jahrhunderte gab es diverse mythologische, philosophische und wissenschaftliche Erklärungsversuche, um dem Geheimnis auf die Spur zu kommen. Alle prägte ursprünglich die Auffassung, Schlaf sei ein passiver, inaktiver Zustand.
Sonderlinge mit Interesse
Im Zwanzigsten Jahrhundert erst richtete sich die wissenschaftliche Erforschung des Phänomens Schlaf auf physiologische Untersuchungen. Die ersten Schlafforscher galten noch als ziemliche Sonderlinge, war der Gegenstand ihrer Arbeit für viele doch eher trivial - ein Vorgang, bei dem eben eigentlich nichts passiert. Den Forschern blieb anfangs auch kaum mehr, als die charakteristischen Merkmale des Schlafverhaltens - quasi von außen - zu beobachten. Einer Antwort auf die Frage, was Schlaf wirklich ist, kamen sie so kaum näher.
So nachtaktiv wie der Schlafwandler von Honoré Daumier (1853) sind nur wenige. Untätig ist beim Schlafen jedoch niemand.
Wichtige Fortschritte brachte die Entwicklung des Elektroenzephalogramms (EEG) durch den Neurologen und Psychiater Hans Berger im Jahr 1929. Mit dem EEG wurde das Messen und Beschreiben elektrischer Aktivitäten des Gehirns beim Schlafen möglich. Es zeigte sich, dass das Gehirn während des Schlafs alles andere als "ausgeschaltet" ist. Die Schlafanalyse - also das Auffangen und Weiterleiten von Biosignalen des Körpers im Schlaf - fesselt seitdem die Aufmerksamkeit der Schlafforscher.
Was widerfährt dem Schläfer?
Die Wissenschaft rühmt sich, in den letzten paar Jahrzehnten mehr über den Schlaf erfahren zu haben als in vielen Jahrtausenden zuvor. Doch das Erforschen und Beschreiben neurologischer Prozesse gibt keine Antwort auf eine Frage, die weit über den physiologischen Horizont hinausgeht: Wenn sich der Schlafende weder in einem bewussten noch in einem unbewussten Zustand befindet - was widerfährt ihm dann tatsächlich?
Ungeklärte Frage
Schlaf ist Lebensgrundlage für alle höher entwickelten Lebewesen. Doch wirklich befriedigende Erklärungen zur Funktion des Schlafs gibt es bis heute nicht. Dass er zur Regeneration und Erholung des erschöpften Körpers beiträgt, steht außer Frage. Welche speziellen Mechanismen diese Erholung bewirken, ist allerdings nach wie vor ungeklärt...
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Die Schlafphasen
Mittels EEG lassen sich fünf verschiedene Aktivitätsformen des Gehirns während des Schlafens feststellen. Sie unterscheiden sich durch Wellenmuster, die durch das Pulsieren der Nervenzellen entstehen. Fünf so genannte Schlafstadien bilden einen Zyklus, der sich vier- bis fünfmal pro Nacht wiederholt.
Der Schlaf ist eine aktive, organisierte Abfolge physiologischer Zustände, wobei er sich aus zwei deutlich zu unterscheidenden Phasen zusammensetzt - dem Non-REM- und dem REM-Schlaf. REM (Abkürzung für rapid eye-movements) bezeichnet das fünfte Schlafstadium, gekennzeichnet durch schnelle Augenbewegungen, erhöhte Herzfrequenz, schnellere Atmung, sowie durch lebhaftes Träumen.
Das von vielen auch "Traumschlaf" genannte Stadium wurde 1953 entdeckt, als Schlafforscher versuchten, mittels Beobachtung der Augenbewegungen Rückschlüsse auf die Schlaftiefe zu ziehen. Die Stadien I bis IV - die Phase des Einschlafens, der leichte Schlaf sowie zwei Tiefschlafphasen - bilden zusammen den Non-REM-Schlaf.
Mittels EEG lassen sich fünf verschiedene Aktivitätsformen des Gehirns während des Schlafens feststellen. Sie unterscheiden sich durch Wellenmuster, die durch das Pulsieren der Nervenzellen entstehen. Fünf so genannte Schlafstadien bilden einen Zyklus, der sich vier- bis fünfmal pro Nacht wiederholt.
Der Schlaf ist eine aktive, organisierte Abfolge physiologischer Zustände, wobei er sich aus zwei deutlich zu unterscheidenden Phasen zusammensetzt - dem Non-REM- und dem REM-Schlaf. REM (Abkürzung für rapid eye-movements) bezeichnet das fünfte Schlafstadium, gekennzeichnet durch schnelle Augenbewegungen, erhöhte Herzfrequenz, schnellere Atmung, sowie durch lebhaftes Träumen.
Das von vielen auch "Traumschlaf" genannte Stadium wurde 1953 entdeckt, als Schlafforscher versuchten, mittels Beobachtung der Augenbewegungen Rückschlüsse auf die Schlaftiefe zu ziehen. Die Stadien I bis IV - die Phase des Einschlafens, der leichte Schlaf sowie zwei Tiefschlafphasen - bilden zusammen den Non-REM-Schlaf.



