Für Albert Einstein ist Zeit wieder relativ: das ist die Rückkehr zum philosophischen Denken.
Noch heute allerdings ist Newtons Zeitbegriff identisch mit unserer Alltagsvorstellung von Zeit: Die Zeit des Chronometers, der Atomuhr, fließt gleichförmig, unbeeindruckt und beziehungslos dahin. Sie hat scheinbar außerhalb des subjektiven Wahrnehmens ihren Ort und herrscht unerbittlich, statt ein Diener der Welterkenntnis in den Köpfen zu sein.
Wir haben es, wie in Newtons Physik, mit der verselbständigten Zeit zu tun, mit der Zeit, die reglementiert und dominiert - das Leben des Schichtarbeiters wie das des Angestellten, mit der Zeit, die den Takt vorgibt, in der Fabrik wie im Büro.
"Stocken" und Zerstörung
Zeit zwingt den modernen Menschen zu immer rascheren Entschlüssen, Zeit unterwirft, und die Gier nach Freizeit ist eigentlich Gier nach der Zeit frei von Zeit. Paradoxer-, doch konsequenterweise führt gerade die "extreme Linearisierung" von Zeit in der Arbeitszeit zum "Stocken", zur Zerstörung von Zeit überhaupt. Sisyphos lässt grüßen.
Wirklich befinden sich Newtons Zeitbegriff und das Aufkommen des Diktats der Zeit in einem gemeinsamen historischen Zusammenhang: Am Ausgang des Mittelalters stand die "Zurichtung" des Menschen für die Bedingungen der Moderne auf dem Programm. Zeit geriet zum Herrschaftsinstrument, zum Mittel des Disziplinierens: Nutze den Tag! Nutze die Stunde, die Minute, die Sekunde! Für den, der nicht gehorchte, wurde der Begriff des "Tagediebs" erfunden.
Die Schachuhr - ein Beispiel, wie einem Zeit im Nacken sitzen kann.
Sein und Zeit
Solche erdrückende und gewaltsam strukturierende Präsenz der Zeit für die menschliche Existenz brachte selbstverständlich auch die Philosophen auf neue Wege des Denkens: Martin Heideggers (1889 bis 1976) Hauptwerk Sein und Zeit hat dabei bahnbrechend gewirkt.
Für Heidegger erzeugt erst die Zeitlichkeit des konkreten Daseins die rechnerische Zeit. Zeit ist ein Raum für Entscheidungsmöglichkeiten, dieser wiederum ist durch den Tod begrenzt. Dasein rechnet mit der Zeit, weil es wegen seiner Endlichkeit für sich Sorge trägt, ja in die Stimmung der Angst gerät. Existenz ist also jene "Sache", jener materielle Prozess, ohne den der Zeitbegriff sinnlos würde. Was, so könnten respektlose Leser fragen, ist daran neu?
Die Lösung des Zeiträtsels steckt tatsächlich schon in der alten Geschichte von Sisyphos, zumindest in deren meist unerzähltem Teil: Sisyphos verrät Zeus bei einem von dessen zahllosen amourösen Abenteuern. Zeus schickt daraufhin Thanatos, den Tod. Dem Verurteilten aber gelingt es, dem Thanatos Fesseln anzulegen. Hochmütig spottet Sisyphos über die Macht der Götter - bis Thanatos, im unerwartetsten Augenblick, wieder vor ihm steht.
Sinnlose Ewigkeit
Das Totenreich hält für Sisyphos eine passende Strafe bereit: Stillstand der Zeit, die stockt und zerstört ist, da gebunden an den irrsinnigsten, fremdesten Gegenstand. Sisyphos ist tot, weil sein sinnloses Tun seine Zeit okkupiert, weil er die Ewigkeit, auf die er so scharf war, bekommen hat. Im Reich der Lebenden geht es darum, den Dingen die Zeit zu geben, die ihnen natürlich ist.
Michael Schmittbetz (21.02.2008)
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Durch die Zeit
Dank der Relativitätstheorie sind Zeitreisen, zumindest in die Zukunft, prinzipiell erklärbar: Man setze sich einfach in ein Raumschiff und fliege eine Weile mit hoher Geschwindigkeit umher. Je näher die Reisegeschwindigkeit an der Lichtgeschwindigkeit liegt, desto langsamer vergeht die Zeit an Bord.
Steigt man nach einer Woche oder einem Jahr wieder aus dem Raumschiff aus, ist auf der Erde eine längere Zeitspanne abgelaufen: man ist gewissermaßen in die Zukunft gereist. Einen Weg zurück hingegen gibt es leider nicht - Ausflüge in die Vergangenheit sind nach heutigem Wissen nicht möglich.
Denkbar sind zwar Gelegenheiten in der Umgebung von schnell rotierenden schwarzen Löchern, Wurmlöchern oder kosmischen Strings. Doch selbst wenn man weiß, ob und wo es sie gibt, stellt sich noch das Problem, wie man dorthin gelangt.
Dank der Relativitätstheorie sind Zeitreisen, zumindest in die Zukunft, prinzipiell erklärbar: Man setze sich einfach in ein Raumschiff und fliege eine Weile mit hoher Geschwindigkeit umher. Je näher die Reisegeschwindigkeit an der Lichtgeschwindigkeit liegt, desto langsamer vergeht die Zeit an Bord.
Steigt man nach einer Woche oder einem Jahr wieder aus dem Raumschiff aus, ist auf der Erde eine längere Zeitspanne abgelaufen: man ist gewissermaßen in die Zukunft gereist. Einen Weg zurück hingegen gibt es leider nicht - Ausflüge in die Vergangenheit sind nach heutigem Wissen nicht möglich.
Denkbar sind zwar Gelegenheiten in der Umgebung von schnell rotierenden schwarzen Löchern, Wurmlöchern oder kosmischen Strings. Doch selbst wenn man weiß, ob und wo es sie gibt, stellt sich noch das Problem, wie man dorthin gelangt.



