Über Wasser gehalten
Mitten im Sumpf erbauten Siedler im 12. Jahrhundert Amsterdam. Bis heute ist das Wasser das Kapital der Stadt. Doch bei allem Nutzen birgt das kühle Nass immer noch Gefahren.Die Gründer von Amsterdam müssen richtige Sturköpfe gewesen sein: sich mitten im Sumpfland anzusiedeln, das einige Meter unter dem Meeresspiegel liegt, von unzähligen Flüssen durchzogen ist, aber keine Hügel hat, die Überflutungen Einhalt gebieten könnten.
Doch was die Natur nicht hergab, schuf der Mensch: Als erstes musste ein Damm her, zum Schutz vor den Fluten des Amstel-Flusses und um Wohnfläche zu gewinnen. Diesem Damm aus dem 12. Jahrhundert verdankt die Stadt ihren Namen.
Kein fester Grund
Der neu gewonnene Boden war immer noch zu feucht, um das Gewicht von Häusern tragen zu können - auf festen Grund stößt man in dieser Gegend erst in elf Metern Tiefe. Davon aber ließen sich die Siedler nicht entmutigen: Sie bauten ihre Häuser eben auf elf bis zwanzig Meter langen Fichtenstämmen. Um die fünf Millionen sollen es heute noch sein, die größte Pfahlsiedlung der Welt.
Seither leben die Amsterdamer "wie die Raben auf den Wipfeln von Bäumen" - Erasmus von Rotterdam fand im 16. Jahrhundert diese nette Beschreibung - und beobachten das Wasser. Das darf nämlich nicht zu hoch steigen, sonst droht Überschwemmung. Auch fallen darf es nicht, dann kommt Luft an die Holzstützen und sie verfaulen. Kein Wunder, dass die Amsterdamer die Ersten waren, die Wasserstände systematisch überwachten.
Bereits im 17. Jahrhundert legte der Magistrat der Stadt einen standardisierten Pegel fest. Der Normaal Peil ist inzwischen in vielen europäischen Ländern Kriterium bei Wasserstandsmessungen. Ab und zu haben die Amsterdamer aber doch nicht genug aufgepasst. Dann sanken mit dem Wasserspiegel auch die verfaulenden Fichtenstämme, die Häuser darüber gerieten in Schieflage. Überall in der Innenstadt sieht man deshalb geneigte Hauswände.
Nur keine Hochhäuser!
Inzwischen wird natürlich auf Betonpfeilern gebaut - Wolkenkratzer können aber auch die nicht tragen. Doch darüber sind die wenigsten Amsterdamer traurig. So bewahrten weite Teile der niederländischen Hauptstadt ihren frühneuzeitlichen Charakter bis heute, etwa der halbmondförmige Gürtel aus Heren-, Keizers- und Prinsengracht: Hier reihen sich prachtvolle Patriziervillen aus dem 17. Jahrhundert aneinander.
Diese historischen Segelschiffe im Hafen von Amsterdam erinnern an die Glanzzeit des Seehandels im 17. Jahrhundert.
Die ursprünglich als Verteidigungsgräben angelegten Kanäle nutzte man für den Warentransport. Im späten 16. Jahrhundert brach Amsterdams Goldenes Zeitalter an: Die Stadt hatte nun den größten Hafen der Welt, war Europas bedeutendste Handelsmetropole.
Hinaus in die weite Welt
Niederländische Handelsgesellschaften, wie die Vereinigte Ostindische Kompanie, betrieben den internationalen Warenaustausch per Schiff im großen Stil. An diese glorreiche Zeit erinnert noch heute vieles in Amsterdam: die alten Lagerhäuser der Ostindischen Kompanie in der Prins Hendrikkade zum Beispiel, und der Nachbau des historischen Dreimasters Amsterdam am Oosterdok. Zahlreiche Expeditionen in neue und alte Welt gingen damals von Amsterdam aus, Kauf- und Seemänner gründeten Kolonien in Brasilien, Südafrika, in der Karibik und Nordamerika. New York hieß zunächst Nieuw Amsterdam.
Im alten Amsterdam amüsierten sich die Matrosen derweil in Hafenspelunken und Bordellen. Wen nach sündig verbrachter Nacht das schlechte Gewissen plagte, für den war es kein weiter Weg bis zur Kirche: Amsterdams ältestes Gotteshaus, die Oude Kerk, liegt heute wie damals mitten im Rotlichtviertel...
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Steckbrief Niederlande
Mit ihren rund 16,7 Millionen Einwohnern und einem BIP pro Kopf von umgerechnet 40.764 Dollar gehören die Niederlande zu den stabileren Volkswirtschaften innerhalb der Eurozone. Zudem hat es die parlamentarische Monarchie über Jahrzehnte hinweg verstanden, mit Einwanderungsströmen aus der ganzen Welt zurechtzukommen.
Neben Zuzüglern aus den europäischen Nachbarstaaten, vor allem aus Deutschland, Belgien und Großbritannien, leben heute viele Menschen zum Beispiel aus den ehemaligen Kronkolonien sowie aus Marokko und aus der Türkei in den Niederlanden. Überwiegend sind die Länder, aus denen die nichteuropäischen Zuwanderer stammen, islamisch geprägt.
In kaum einem anderen Land ist die Geografie so sehr von Menschen gemacht: Jahrhundertelang wurden dem Meer neue Gebiete abgetrotzt, wobei die calvinistische Arbeitsethik eine wesentliche Rolle spielte. Rund ein Viertel des niederländischen Territoriums von 41.528 Quadratkilometern liegt heute unterhalb der Höhe des Meeresspiegels. Aufwändige Deichanlagen geben Sicherheit vor Überschwemmungen und Sturmfluten.
Liberalität gehört zum niederländischen Selbstverständnis. Das gilt schon traditionell für die Wirtschaft mit großen Finanzdienstleistern, den Welthäfen Amsterdam und Rotterdam, sowie Schiphol, einer Drehscheibe des internationalen Luftverkehrs. Lebensmittel-, chemische und Elektroindustrie werden flankiert von einer hochtechnisierten Landwirtschaft, die ungewöhnlich exportintensiv ist.
Liberal ist das niederländische Selbstverständnis auch hinsichtlich des Zusammenlebens mit anderen Kulturen. Doch diese Liberalität wird spätestens seit dem Mord eines islamischen Fundamentalisten an dem Filmregisseur Theo van Gogh am 2. November 2004 auf eine harte Probe gestellt.
Charakteristisch ist der zunehmende Einfluss rechtspopulistischer Strömungen. Repräsentativ steht für solche Strömungen der Politiker und Islamkritiker Geert Wilders (geb. 1963). Dessen Partij voor de Vrijheid (PVV) ist seit den Parlamentswahlen 2010 drittstärkste politische Kraft.
Neben Zuzüglern aus den europäischen Nachbarstaaten, vor allem aus Deutschland, Belgien und Großbritannien, leben heute viele Menschen zum Beispiel aus den ehemaligen Kronkolonien sowie aus Marokko und aus der Türkei in den Niederlanden. Überwiegend sind die Länder, aus denen die nichteuropäischen Zuwanderer stammen, islamisch geprägt.
In kaum einem anderen Land ist die Geografie so sehr von Menschen gemacht: Jahrhundertelang wurden dem Meer neue Gebiete abgetrotzt, wobei die calvinistische Arbeitsethik eine wesentliche Rolle spielte. Rund ein Viertel des niederländischen Territoriums von 41.528 Quadratkilometern liegt heute unterhalb der Höhe des Meeresspiegels. Aufwändige Deichanlagen geben Sicherheit vor Überschwemmungen und Sturmfluten.
Liberalität gehört zum niederländischen Selbstverständnis. Das gilt schon traditionell für die Wirtschaft mit großen Finanzdienstleistern, den Welthäfen Amsterdam und Rotterdam, sowie Schiphol, einer Drehscheibe des internationalen Luftverkehrs. Lebensmittel-, chemische und Elektroindustrie werden flankiert von einer hochtechnisierten Landwirtschaft, die ungewöhnlich exportintensiv ist.
Liberal ist das niederländische Selbstverständnis auch hinsichtlich des Zusammenlebens mit anderen Kulturen. Doch diese Liberalität wird spätestens seit dem Mord eines islamischen Fundamentalisten an dem Filmregisseur Theo van Gogh am 2. November 2004 auf eine harte Probe gestellt.
Charakteristisch ist der zunehmende Einfluss rechtspopulistischer Strömungen. Repräsentativ steht für solche Strömungen der Politiker und Islamkritiker Geert Wilders (geb. 1963). Dessen Partij voor de Vrijheid (PVV) ist seit den Parlamentswahlen 2010 drittstärkste politische Kraft.
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Amsterdam auf einem Blick
Im Vergleich zu anderen europäischen Metropolen hat Amsterdam relativ wenige Einwohner: 780.152 waren es im März 2011, nur jeder fünfte davon lebt in der Innenstadt.
Von den ungefähr 130 Quadratkilometern, auf denen sich Amsterdam erstreckt, sind rund dreißig von Wasser bedeckt. 165 Grachten von insgesamt 75 Kilometern Länge durchziehen die Stadt.
Zwar residiert die Regierung der Niederlande in Den Haag, Amsterdam ist jedoch Hauptstadt und kulturelles Zentrum. Jedes Jahr strömen Millionen von Touristen aus aller Welt hierher.
Zu sehen gibt es einiges: Reichverzierte Patrizierhäuser aus dem 17. Jahrhundert, malerische Grachten, unzählige Museen, die Theater am Rembrandtplein, einem Platz, der den Namen des wohl berühmtesten Bürgers der Stadt trägt. Von 1632 bis zu seinem Tod 1669 lebte und arbeitete der Maler Rembrandt van Rijn in Amsterdam.
Viele der Besucher steuern auch die zahlreichen Coffeeshops, Diskotheken, das Holland Casino oder den Rotlichtbezirk Walletjes an. Am besten erkundet man die Stadt per Boot oder per Fiets, dem Fahrrad.
Im Vergleich zu anderen europäischen Metropolen hat Amsterdam relativ wenige Einwohner: 780.152 waren es im März 2011, nur jeder fünfte davon lebt in der Innenstadt.
Von den ungefähr 130 Quadratkilometern, auf denen sich Amsterdam erstreckt, sind rund dreißig von Wasser bedeckt. 165 Grachten von insgesamt 75 Kilometern Länge durchziehen die Stadt.
Zwar residiert die Regierung der Niederlande in Den Haag, Amsterdam ist jedoch Hauptstadt und kulturelles Zentrum. Jedes Jahr strömen Millionen von Touristen aus aller Welt hierher.
Zu sehen gibt es einiges: Reichverzierte Patrizierhäuser aus dem 17. Jahrhundert, malerische Grachten, unzählige Museen, die Theater am Rembrandtplein, einem Platz, der den Namen des wohl berühmtesten Bürgers der Stadt trägt. Von 1632 bis zu seinem Tod 1669 lebte und arbeitete der Maler Rembrandt van Rijn in Amsterdam.
Viele der Besucher steuern auch die zahlreichen Coffeeshops, Diskotheken, das Holland Casino oder den Rotlichtbezirk Walletjes an. Am besten erkundet man die Stadt per Boot oder per Fiets, dem Fahrrad.



