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Brüssel

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Mehr als eine Bürostadt
Dass die belgische Hauptstadt nicht nur aus kahlen Bürobauten der EU und der NATO besteht, ist für viele Menschen, die die Stadt zum ersten Mal besuchen, eine Überraschung.

Touristische Highlights sind neben der Grand-Place, dem gotischen Rathaus, der Kathedrale Saint Michel und dem Atomium auch die etwa 15.000 gut erhaltenen Jugendstilbauten. Nicht verpassen sollten Besucher außerdem das Comic Museum sowie ein kühles belgisches Bier in einer der historischen Bars der Stadt.

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Europa in Brüssel
Brüssel beherbergt den Großteil der europäischen Institutionen und gilt daher als "Hauptstadt Europas". Der Weg dahin führte über einige Umwege.

1951 unterzeichneten die Staatschefs der Benelux-Staaten, Frankreichs, Deutschlands und Italiens den Vertrag von Paris und gründeten damit die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS). Als Sitz der Institution waren mehrere Städte im Gespräch. Brüssel galt als Favorit, doch die belgische Regierung selbst lehnte ihre Hauptstadt ab und schlug stattdessen Lüttich vor.

Zu einer Einigung kam es nicht, doch wurde Luxemburg zum provisorischen Sitz für die Hohe Behörde (später Kommission), den Ministerrat, den Gerichtshof (später Europäischer Gerichtshof) erklärt. Aufgrund seines großen Plenargebäudes erhielt Straßburg ebenso vorübergehend den Zuschlag für die Gemeinsame Versammlung (den Vorläufer des EU-Parlaments).

Die Römischen Verträge im Jahr 1957 sollten die Debatte wieder anheizen: Die neugegründete EWG und Euratom suchten einen Sitz. Um die Verhandlungen nicht zu behindern, stellte man diese Frage hinten an.

Dieses Mal wurde Brüssel mit ins Rennen geschickt; bei den Verhandlungen über einen gemeinsamen Sitz der Institutionen kam es jedoch wieder zu keiner Einigung. Deutschland und die Niederlande favorisierten Brüssel, Frankreich warb für Straßburg und Italien für Mailand.

Die europäische Tagespolitik ging indessen eigene Wege: Der Ministerrat tagte abwechselnd in Luxemburg und im Brüsseler Schloss Val Duchesse. Straßburg blieb Sitz des Parlaments.

Das zu dieser Zeit von der Europäischen Gemeinschaft beauftragte Expertenkomitee sprach sich positiv zur Kandidatur Brüssels aus: Die zentrale Lage auf neutralem Raum zwischen den europäischen Schwergewichten Deutschland und Frankreich sah man als strategisch günstig an.

Darüber hinaus war das großflächige Brüssel ein ökonomisches und kulturelles Zentrum mit guter Verkehrsanbindung, inmitten des neugegründeten europäischen Wirtschaftsraums.

Trotz des eindeutigen Gutachtens wurde 1959 ein dreijähriges Moratorium ausberufen. Danach sollte eine endgültige Entscheidung fallen. In dieser Zeit baute Brüssel seinen Favoritenstatus aus. Die belgische Regierung mietete im Osten der Stadt Büroräume an und investierte in neue Bürobauten. Während dieser Warte- und Vorbereitungsphase siedelten sich schon alle neuen Institutionen in Brüssel an.

Diesen Status quo bewahrten die Mitgliedsstaaten mit kleinen Änderungen - Luxemburg verlor den Sitz des Sekretariats des EGKS, der in Brüssel mit dem des EGKS in Brüssel fusionierte - auch 1965 im Vertrag von Brüssel. Luxemburg behielt den Europäischen Gerichtshof, einige Abteilungen der Kommission und das parlamentarische Sekretariat. Straßburg war weiterhin Hauptsitz des Parlaments.

Erst der Europäische Rat schaffte 1992 auf dem Gipfel von Edinburgh Klarheit: Brüssel wird der Zweitsitz des Parlaments zugesprochen - eine Festlegung, die die belgische Hauptstadt als Sitz der dort schon ansässigen europäischen Institutionen bestätigt.