Das Auge der Magyaren
Römer, Mongolen, Osmanen und Habsburger haben in Ungarns Metropole geherrscht - bis die Budapester im 19. Jahrhundert ihre Stadt wieder für sich reklamieren und nach ihren Vorstellungen gestalten konnten.Der Burgpalast (2009). Schon 1242 ließ König Béla IV. hier, aus allen Richtungen gut sichtbar, die erste Burg errichten.
Rechtes und linkes Ufer
Dreht man die Uhr um weitere hundert Jahre zurück, glaubt man kaum, dass man es mit dem gleichen Ort zu tun hat. Zwei Städte schmiegten sich hier um 1800 an die Donau. Buda (deutsch: Ofen), am westlichen, rechten Ufer, war zwar schon seit 1361 Hauptstadt - doch Amtssprache blieb Deutsch und der Herrscher, der Kaiser Österreichs, regierte von Wien aus. Der ungarische Landtag, sofern er denn tagen durfte, saß in Pressburg, dem heutigen Bratislava in der Slowakei.
Kühe und Hühner
Am anderen Donauufer, in Pest, wehte mehr als ein Hauch von Provinz durch die verwinkelten Gassen, auf denen sich Kühe und Hühner tummelten. Das Volk auf der Straße war bunt gemischt: Magyaren, Deutsche, Slowaken, Juden, Serben, Griechen, Rumänen, Tschechen, Polen, Italiener, Franzosen hatten hier ihr Zuhause gefunden.
Das Erbe pflegen: Die spitzen Türme der Fischerbastei (erbaut um 1900) sollen an die Zelte der Magyaren erinnern.
Trotz eher bescheidenen städtischen Daseins - das Nationalgefühl manifestierte sich für die Ungarn schon damals in Buda, der Stadt Attilas, des Heiligen Stephan und des Königs Matthias. Buda war das "Auge der Magyaren", das ungarische Mekka, mit der Burg als unübersehbarem Zeichen ihrer zentralen Rolle. Buda konnte allerdings bereits zu jener Zeit nicht ohne Pest existieren: Hier saß die Verwaltung des Reichs, hier kamen Handel, Kommunikation und Transport zusammen. Im Bewusstsein des Volkes waren die zwei Städte ohnehin eins: Man sprach nicht von Pest oder von Buda, sondern von Ofen-Pest oder Pest-Buda.
Zeit des Wachstums
In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wachsen die Zwillingsstädte dann rasant: Die Einwohnerzahl Pests verdreifacht sich bis 1850 auf hunderttausend, und mit vierzigtausend Menschen zählt auch Buda zu den größten Städten des Landes. Verantwortlich für das Wachstum sind vor allem Bauern und Handwerker, die vom Land in die Stadt ziehen. Zudem entsteht eine neue Schicht gebildeter Universitätsabsolventen, die im von Wien dominierten Verwaltungsapparat keine Anstellung finden. Vor allem aus ihren Reihen tönt der Ruf nach einer eigenen, einer ungarischen Identität der Schmelztiegelstädte.
Graf István Széchenyi im Jahr 1836 - seit 1849 verbindet seine Kettenbrücke Pest mit Buda.
Im Jahr 1838 beginnt unter Graf István Széchenyi der Bau der ersten befestigten Brücke zwischen Buda und Pest. Sie soll nicht nur das Zusammenwachsen der Zwillingsstädte symbolisieren, sondern auch die nationale Idee. Doch ein Problem beginnt sich abzuzeichnen, ausgedrückt in der Frage, worin die Einmaligkeit, das typisch Ungarische künftiger Architektur zu suchen sei. Der Bau der Kettenbrücke jedenfalls - auf Ungarisch Széchenyi Lánchíd - ist ein internationales Projekt: Ungarische Arbeiter, Wiener Investoren, italienische Maurer und britische Experten legen bis 1849 gemeinsam ein technisches Glanzstück hin.
Das "intellektuelle Proletariat"
Auch über die Architektur hinaus tritt immer stärker die nationale Idee in den Vordergrund, getragen von der politischen und kulturellen Elite in Pest und Buda - besonders aber von der Pester Jugend, den zumeist arbeitslosen Universitätsabsolventen, einem "intellektuellem Proletariat", bestehend aus Ärzten, Juristen, Schauspielern, Schriftstellern. Sie sind es, die im Pressburger Landtag den ungarischen Abgeordneten zujubeln, und die selbst zweitklassigen Aufführungen im Ungarischen Nationaltheater applaudieren. Ihre Treffpunkte sind die Kaffeehäuser der Stadt, die ein Journalist "Fabriken der öffentlichen Meinung" nennt. Hier lesen sie still oder laut, diskutieren, gründen Gesellschaften und Vereine, Zeitungen und Magazine - und werden zum Eckpfeiler der Zivilgesellschaft...
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Infobox
Heute hat Budapest etwas mehr als 1,7 Millionen Einwohner - und ist somit die zehntgrößte Stadt in der Europäischen Union. Pest nimmt zwei Drittel der Fläche von 525 Quadratkilometern ein, siebzig Prozent der Einwohner leben hier.
Das Stadtbild ist geprägt von der Donau und ihren neun Brücken. Zu den Sehenswürdigkeiten zählen die erstmals im 13. Jahrhundert erwähnte Budaer Burg, das Parlament, die Fischerbastei mit der Matthiaskirche und der Anfang des Zwanzigsten Jahrhunderts errichtete Heldenplatz mit dem Millenniumsdenkmal.
Mitte August strömen jedes Jahr etwa vierhunderttausend Musikfans aus ganz Europa zum Sziget-Festival in die Stadt: Auf einer der Donauinseln erleben sie Musik jeder Art, aber auch Tanz, Kino sowie nationales und internationales Theater.
Das Stadtbild ist geprägt von der Donau und ihren neun Brücken. Zu den Sehenswürdigkeiten zählen die erstmals im 13. Jahrhundert erwähnte Budaer Burg, das Parlament, die Fischerbastei mit der Matthiaskirche und der Anfang des Zwanzigsten Jahrhunderts errichtete Heldenplatz mit dem Millenniumsdenkmal.
Mitte August strömen jedes Jahr etwa vierhunderttausend Musikfans aus ganz Europa zum Sziget-Festival in die Stadt: Auf einer der Donauinseln erleben sie Musik jeder Art, aber auch Tanz, Kino sowie nationales und internationales Theater.




