Heiß geliebt
Warum Budapest wiederholt das Ziel von Eroberern war? Vielleicht, aber nur vielleicht, wegen der Thermalquellen, die die Bewohner der Stadt seit rund zweitausend Jahren erfreuen.Reich an Wasser ist Budapest nicht nur dank der Donau: Über dreißigtausend Kubikmeter Wasser sprudeln täglich aus mehr als hundert heißen Quellen im Stadtgebiet. Von den 21 Bädern der Stadt haben 10 sogar den Status eines Heilbades - seit Anfang der 1930er Jahre darf sich Budapest mit der Auszeichnung "Badeort" schmücken.
Für müde Krieger
Die Geschichte der Budapester Bäder reicht rund zweitausend Jahre zurück. Schon Roms Legionäre wussten heiße Bäder zu schätzen. In ihrer Garnison Aquincum, die sie 89 n. Chr. im Norden der Stadt errichteten und bis etwa 430 unterhielten, gab es vierzehn Thermen.
Eine hohe Zeit erlebte die Budapester Badekultur ohne Zweifel unter der Herrschaft der Osmanen (1541 bis 1686). Acht Bäder zählte damals ein englischer Reisender in der Stadt. Bereits 1565 begann der Pascha Arslan mit dem Bau eines Badehauses innerhalb der Festungsmauern, damit die Stadtbewohner auch während eventueller Belagerungen baden konnten. Dieses Bad, das heutige Király-Bad, ist eines der letzten architektonischen Zeugnisse der Türkenherrschaft.
Architektonisch wertvoll
Kaiserin Maria Theresia veranlasste 1792 in Budapest eine Analyse und Erfassung aller Mineralquellen, wenige Jahrzehnte später folgte die Analyse der Heilkräfte durch den Arzt und Chemiker Pál Kitaibel. Im 19. und 20. Jahrhundert schließlich wurde Budapest zu einer der bedeutendsten Kurstädte Europas. Aus dieser Zeit stammen auch die repräsentativen Badehäuser wie das im neoklassizistischen Stil erbaute Lukács-Bad und das Széchenyi-Bad mit seinen palastartigen Anlagen. Das berühmteste Bad der Stadt, das Gellért-Bad, wurde im Sezessionsstil erbaut und 1918 eröffnet.
Keine Wünsche offen
Doch ein Besuch der Badeanstalten ist nicht nur aus architektonischer Sicht spannend. Auch das Programm lässt keine Wünsche offen: Besucher können im heißen, mineralstoffreichen Wasser entspannen, sich durch Heilbehandlungen verwöhnen lassen oder sich im Schwimmbecken austoben. Vor allem aber der Geselligkeit wegen lohnt der Gang ins Badehaus. Für Budapester sind die Thermen ein ebenso beliebter Treffpunkt wie die Kaffeehäuser; hier kommen sie zusammen, um zu plaudern und im warmen Wasser auf schwimmenden Brettern Schach zu spielen.
Urte Paul (02.10.2007)
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