Überreste der Dresdner Brandnacht: in dem bis zu 2.000 Grad heißen Feuersturm schmolz sogar Metall, wie dieser Aufzug.
Doch das ist nicht der Grund für den Geruch, der in der Luft liegt: "Es roch verbrannt - durch und durch. Und der Himmel - der war blutrot." Zu diesem Zeitpunkt weiß Ilse Schmidt noch nicht, dass mehr als zweihundert britische Bomber knapp dreiviertel der Dresdner Altstadt fast komplett zerstört haben.
Glück im Unglück
Noch ist der Spuk aber nicht vorbei: Mitten in der Nacht gibt es einen zweiten Angriff - mit mehr als doppelt so vielen Bombern. Beide Bombardements setzen ein Stadtgebiet von etwa fünfzehn Quadratkilometern in Brand. Ilse Schmidt und ihre Gastfamilie haben einmal mehr Glück im Unglück, denn auch diese Angriffswelle übersteht Klotzsche unbeschadet. Jedoch stellt sich jeder eine bange Frage: Wie sieht es wohl in der Innenstadt aus?
Am nächsten Morgen erfährt Ilse Schmidt von einem Freund der Familie, der die
Angriffe miterlebt und sich nach Klotzsche durchgekämpft hat, das Ausmaß der Verwüstung: "Er berichtete Schreckliches: dass die Stadt ein brennendes Inferno sei und dass einfach alles brannte - die Häuser, der Asphalt, die Menschen." Andere wiederum sollen in Kellern ertrunken sein, wenn Bomben Wasserleitungen trafen - oder sie erstickten. "Leichen überall - das waren seine Worte", erinnert sich Ilse Schmidt.
Hektik und Chaos
Überlebende kommen mit zum Teil schwersten Verletzungen in die überfüllten Krankenhäuser. Da jede Hilfe dringend benötigt wird, erklärt sich Ilse Schmidt bereit, Rot-Kreuz-Schwestern zur Hand zu gehen. "In dem Krankenhaus herrschte große Hektik. Operationen fanden an Ort und Stelle statt, teilweise ohne Narkose", erzählt sie. "Überall lagen halbverbrannte Menschen; die wimmerten und heulten. Dazwischen Tote und dieser grässliche Gestank von Blut und Eiter!"
Dresdner Altmarkt (um 1900): Aus Angst vor Seuchen wurden hier am 25. Februar 1945 fast 7.000 Opfer der Bombennacht verbrannt.
"Zwinger, Schloss oder Postplatz - Orte, die ich in meiner Freizeit so gern besucht hatte: alles war weg." Einige Plätze meidet Ilse Schmidt; die, von denen sie weiß, dass dorthin die Leichen zur Identifizierung gebracht und zu Tausenden gestapelt werden. An diesem Tag bleibt Ilse Schmidt nicht lange dort.
Streit um Zahlen
Wie viele Menschen in der Nacht vom 13. zum 14. Februar tatsächlich den Tod gefunden haben, darüber streiten Historiker bis in die Gegenwart. Erst vor wenigen Jahren setzte der Bericht einer Historikerkommission einen gewissen Schlusspunkt. Ilse Schmidt stellt sich diese Frage nur selten, schließlich sei jeder Tote ein Toter zu viel gewesen.
Außerdem: Was könnten schon Zahlen angesichts von lebendigen Erinnerungen sein? Am schlimmsten sei die Zeit im Bunker gewesen: das Dröhnen der Flugzeugmotoren, das Warten auf den Einschlag, die Todesangst. Sicher, andere hätten viel Schlimmeres erlebt. "Doch auch wenn ich nicht selbst im Inferno gewesen bin", sagt Ilse Schmidt nachdenklich, "diese Nacht - die war die längste meines Lebens."
Yvonne Schmidt (28.01.2008)
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Nach der Katastrophe
Es heißt, das alte Dresden sei zweimal zerstört worden - zuerst durch die Bomben und dann durch den Wiederaufbau. Zahlreiche Kunst- und Kulturgüter gingen für immer verloren, Teile der alten Stadtstruktur verschwanden, weil Reste historischer Gebäude trotz wiederaufbaufähiger Bausubstanz abgerissen oder gesprengt wurden.
Die Zwänge der Nachkriegszeit ließen Dresdens Stadtoberen allerdings häufig keine andere Wahl, suchten sie doch nach schnellen Antworten auf Wohnungsnot und zerstörte Infrastruktur. Die Restaurierung alter Stadtstrukturen hatte da kaum oberste Priorität. Und doch war der Abriss manches Baudenkmals - vor allem Kirchen und Bürgerhäuser - ideologisch begründet.
Nichtsdestotrotz wurde bereits 1945 mit der Sicherung historisch wertvoller Bausubstanz begonnen. Noch während der Enttrümmerung - sie dauerte bis 1962 und "befreite" die Innenstadt von rund 18 Millionen Kubikmetern Schutt - bargen Denkmalpfleger, Architekten, Bildhauer und freiwillige Helfer unzählige historische Bauteile, wie etwa Gebäudeschmuck und Plastiken.
Ende 1945 begann die Restaurierung des Zwingers und des Schauspielhauses, das bereits 1948 wiedereröffnen konnte. Der Zwinger war dagegen erst 1964 äußerlich fertig gestellt. Der geplante Abriss der Ruine der Semperoper konnte dank des Widerstandes engagierter Architekten, Künstler und Denkmalpfleger verhindert werden. Der unermüdliche Wiederaufbau ließ zahlreiche historische Bauwerke Dresdens in alter Schönheit erstrahlen - und manches präsentiert sich heute sogar prachtvoller als vor der Zerstörung.
Kontrastiert wurden diese Bemühungen durch den Ende der 1950er Jahre beginnenden Aufbau Dresdens zur "sozialistischen Stadt". In industrieller Bauweise entstanden auf den zahlreichen Brachflächen große innerstädtische Wohngebiete ohne Bezug zur früheren Stadtstruktur. So wurde etwa aus der einst lebendigen Prager Straße mit ihren prächtigen Geschäftshäusern ein von schmucklosen Plattenbauten geprägter Wohn- und Einkaufskomplex im sozialistischen Stil.
Die Zwänge der Nachkriegszeit ließen Dresdens Stadtoberen allerdings häufig keine andere Wahl, suchten sie doch nach schnellen Antworten auf Wohnungsnot und zerstörte Infrastruktur. Die Restaurierung alter Stadtstrukturen hatte da kaum oberste Priorität. Und doch war der Abriss manches Baudenkmals - vor allem Kirchen und Bürgerhäuser - ideologisch begründet.
Nichtsdestotrotz wurde bereits 1945 mit der Sicherung historisch wertvoller Bausubstanz begonnen. Noch während der Enttrümmerung - sie dauerte bis 1962 und "befreite" die Innenstadt von rund 18 Millionen Kubikmetern Schutt - bargen Denkmalpfleger, Architekten, Bildhauer und freiwillige Helfer unzählige historische Bauteile, wie etwa Gebäudeschmuck und Plastiken.
Ende 1945 begann die Restaurierung des Zwingers und des Schauspielhauses, das bereits 1948 wiedereröffnen konnte. Der Zwinger war dagegen erst 1964 äußerlich fertig gestellt. Der geplante Abriss der Ruine der Semperoper konnte dank des Widerstandes engagierter Architekten, Künstler und Denkmalpfleger verhindert werden. Der unermüdliche Wiederaufbau ließ zahlreiche historische Bauwerke Dresdens in alter Schönheit erstrahlen - und manches präsentiert sich heute sogar prachtvoller als vor der Zerstörung.
Kontrastiert wurden diese Bemühungen durch den Ende der 1950er Jahre beginnenden Aufbau Dresdens zur "sozialistischen Stadt". In industrieller Bauweise entstanden auf den zahlreichen Brachflächen große innerstädtische Wohngebiete ohne Bezug zur früheren Stadtstruktur. So wurde etwa aus der einst lebendigen Prager Straße mit ihren prächtigen Geschäftshäusern ein von schmucklosen Plattenbauten geprägter Wohn- und Einkaufskomplex im sozialistischen Stil.




