Symbolträchtiger Körper
Im Februar 1945 vernichtete eine britische Sprengbombe den viel gerühmten Sandsteinkörper der Dresdner Frauenkirche. Fortan lebte die Kirche im Gedächtnis der Stadt als symbolischer Körper fort, als Chiffre für die Zerstörungsgewalt des Krieges und für die Demut der Besiegten. Doch schon damals verwiesen Anhänger des "alten Dresden" auf einen anderen, symbolträchtigen Körper: nämlich den des zerstörten Kunstwerks selbst. Dessen Wert, so die Wiederaufbauwilligen, übersteige den Mahnwert einer Ruine. Erst der "Ruf aus Dresden" sollte ihnen 1990 wieder eine Stimme geben: die Bürgerinitiative für den Aufbau der Frauenkirche warb darin um Unterstützung für den Wiederaufbau des zerstörten Gotteshauses.Geschichtsvergessen?
Bis dahin hatte die DDR-Führungsspitze den ideologischen Kampf um die Kirchenreste maßgeblich bestimmt: anlässlich der Arbeiterfestspiele im Mai 1966 erklärte die SED die Frauenkirche zum "Mahnmal gegen Faschismus und Krieg". Noch kurz nach der politischen Wende monierten Einheitskritiker, man müsse die Ruine als Mahnmal stehen lassen, dürfe sich nicht auf die Geschichtsvergessenheit des Westens einlassen. Doch diesmal siegten die Rekonstruktionsanhänger: ein 1991 gegründeter privater Verein vermochte mit der Idee einer "Versöhnungs- und Friedenskirche" sogar vormalige Neubaugegner zu versöhnen.
Zu zwei Dritteln privat finanziert
In der Folgezeit spendeten weltweit rund sechshunderttausend Menschen mehr als einhundert Millionen Euro für die Frauenkirche. Zwei Drittel der auf 179,7 Millionen Euro bezifferten Gesamtkosten wurden damit privat finanziert. Anfang der 1990er Jahre waren die Verantwortlichen noch davon ausgegangen, dass zwei Drittel der Gelder aus öffentlichen Kassen kommen müssten. Ende 2005 wurde die Dresdner Frauenkirche im Rahmen eines Festaktes geweiht.
Werk des Spießbürgers?
Kritische Geister sehen in Projekten wie diesem, überhaupt im anschwellenden Vergangenheitskult der Deutschen, das Werk des Spießbürgers: "monumentaler Nippes", Zierrat spatbürgerlicher Zufriedenheit sei das neu errichtete Dresdner Gotteshaus. Nicht ganz ohne Grund weisen sie auf die Epoche, in der das Monumentalbauwerk entstand: hätte August der Starke ähnlich vergangenheitsbesessen geplant und gebaut wie die Dresdner heute, wäre die elbflorentinische Barockpracht nie ausgeführt worden.
Vertraute Lebenswelt
Es ist mehr als nur rückwärtsgewandtes Sehnen, das die Frauenkirche wiedererstehen ließ: all jenen Menschen, die im Februar 1945 dieses Herzstück der Dresdner Architektur in sich zusammensinken sahen, wurde ein Teil ihrer vertrauten Lebenswelt zurück gegeben.
Kathleen Niebl (17.03.2006/aktualisiert 20.01.2010)
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Nach italienischem Vorbild
Als die Stadtväter Dresdens 1722 Baumeister Georg Bähr mit dem Bau der Dresdner Frauenkirche beauftragten, hatten sie Großes vor: an die Stelle des bescheidenen romanischen Frühbaus aus dem 11. Jahrhundert sollte ein monumentales Gotteshaus treten. Noch der barockbegeisterte Landesherr Friedrich August I. sah in Bährs Plänen die Krönung seines architektonischen Lebenswerks: die Verwandlung Dresdens in eine Stadt nach dem Vorbild italienischer Metropolen. Vor Augen stand Baumeister und Kurfürst monumentale Kirchenarchitektur in der Art der Venezianer Santa Maria della Salute.
Übrigens ermöglichten damals hauptsächlich zweckentfremdete Spendengelder die Errichtung der protestantischen Andachtsstätte: die Dresdner hatten eigentlich für bedürftige Salzburger Lutheraner gesammelt, doch findige Beamte nutzten das Geld kurzerhand für den Bau der Kirche. Am 27. Mai 1743, knapp fünf Jahre nach Bährs Tod und zehn Jahre nach dem Dahinscheiden Friedrich Augusts, vollendete der Aufsatz eines Kuppelkreuzes schließlich den Sakralbau.
Übrigens ermöglichten damals hauptsächlich zweckentfremdete Spendengelder die Errichtung der protestantischen Andachtsstätte: die Dresdner hatten eigentlich für bedürftige Salzburger Lutheraner gesammelt, doch findige Beamte nutzten das Geld kurzerhand für den Bau der Kirche. Am 27. Mai 1743, knapp fünf Jahre nach Bährs Tod und zehn Jahre nach dem Dahinscheiden Friedrich Augusts, vollendete der Aufsatz eines Kuppelkreuzes schließlich den Sakralbau.
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Wie viel Original darf´s sein?
Die Restaurationsarbeiten überschattete ein Streit, der regelmäßig beim Wiederaufbau historischer Pracht entbrennt: auf der einen Seite stehen jene, die das Bauwerk möglichst originalgetreu wieder errichtet sehen möchten. Auf der anderen sammeln sich moderate Realisten, die zumindest bei der technischen Innenausstattung des Neubaus (etwa bei Heizung und Stromversorgung) von spätindustriellen Errungenschaften Gebrauch machen wollen.
Bei der Wiedererrichtung der Dresdner Frauenkirche verstimmte der so genannte "Orgelstreit" zeitweilig die Gemüter. Es galt zu entscheiden, ob die 1736 in der Frauenkirche angebrachte Silbermann-Orgel originalgetreu rekonstruiert oder ob stattdessen eine moderne Orgel gebaut und in einem Silbermann-Gehäuse versteckt werden sollte. Das Problem: mit der "mitteltönig" gestimmten Altorgel hätte sich nur Repertoire bis zur Frühklassik spielen lassen. Genau deshalb entschieden sich die Baumeister für eine zeitgemäße Allzweck-Orgel.
Bei der Wiedererrichtung der Dresdner Frauenkirche verstimmte der so genannte "Orgelstreit" zeitweilig die Gemüter. Es galt zu entscheiden, ob die 1736 in der Frauenkirche angebrachte Silbermann-Orgel originalgetreu rekonstruiert oder ob stattdessen eine moderne Orgel gebaut und in einem Silbermann-Gehäuse versteckt werden sollte. Das Problem: mit der "mitteltönig" gestimmten Altorgel hätte sich nur Repertoire bis zur Frühklassik spielen lassen. Genau deshalb entschieden sich die Baumeister für eine zeitgemäße Allzweck-Orgel.




