Die Ruhmreiche
Zur Zeit ihrer Entstehung konnte sich wohl niemand vorstellen, dass die Erfurter Gloriosa die kommenden 500 Jahre fast unbeschadet überstehen würde. Doch ihren Namen verdient die Glocke im Mariendom zu Recht.Nach mehrwöchiger Reparatur läutet sie endlich wieder: die Erfurter Gloriosa, eine der größten und klangvollsten Glocken der Welt.
Fulgus arcens et demones malignos
Sacra templis a populo sonando
Carmine pulso
Gerhardus wou de Campis me fecit.
Anno Domini M.CCCC.XCV II
Viel verrät uns diese Inschrift über eine der berühmtesten Glocken Europas: Seit mehr als fünfhundert Jahren schon besinge sie "mit glorreichem Lob die Schutzherren, abwehrend die Blitze und bösen Geister" und läute zum Gottesdienst, "der im Dom vom Volk mit Gesang gekündigt werden soll." Gegossen habe sie Gerhardus Wou van Kampen, "im Jahre des Herrn 1497".
Zweimal acht Männer zum Läuten
Zu finden ist dieser Text auf der Gloriosa, der größten Glocke des Erfurter Mariendomes. Mit der Höhe und einem Durchmesser von jeweils rund zweieinhalb Metern und einem Gesamtgewicht von fast elfeinhalb Tonnen ist die "Ruhmreiche" eine der größten, frei schwingenden Glocken der Welt. Bis zum Einsatz elektrischer Läutemaschinen Anfang des Zwanzigsten Jahrhunderts waren 16 Männer nötig, um die Gloriosa zu läuten: acht, um sie in Schwung zu bringen, und acht, die sie in Bewegung hielten. Jeder, der die Glocke hören durfte, ist fasziniert von ihrem einzigartig schönen Klang.
Zum Schweigen gezwungen
Doch ein kleiner, nur acht Zentimeter langer Haarriss zwang die Gloriosa für mehr als drei Jahre zum Schweigen. Bis zum 8. Dezember 2004: An diesem Tag erklang das berühmte tiefe, warme E endlich wieder. Da hatte die Glocke eine abenteuerliche Reparatur hinter sich. Denn anders als bei Ausbesserungen zuvor - die letzte erfolgte im Oktober 1985 - wurde nicht vor Ort gearbeitet: Um sie gründlich untersuchen zu können, entschied das Erfurter Dombauamt den kompletten Ausbau der Glocke.
Tonnenschwere Patientin
Zum ersten Mal in fünfhundert Jahren musste die Gloriosa am 8. Juli 2004 ihren Platz im Mittelturm des Erfurter Domes verlassen. Im strömenden Regen und unter den Augen tausender Zaungäste glitt die tonnenschwere Glocke auf einem "Schlitten" aus dem Turm, aus dem zuvor die Silhouette der Gloriosa herausgesägt worden war. Ein Kran beförderte die Patientin schließlich wohlbehalten auf einen Schwerlasttransporter. Im bayrischen Nördlingen dann nahm sich die Glockenschweißerei Lachenmeyer in mehrwöchiger Arbeit der Rettung der berühmten Glocke an.
Gloriosa Nummer 6
Dass die Glocke die letzten fünf Jahrhunderte fast unbeschadet überstanden hat, gleicht einem Wunder, lag doch schon zur Zeit ihrer Entstehung ein böses Omen über der Gloriosa. Denn bei der alten Dame handelt es sich um den insgesamt sechsten Versuch: Ihre fünf Vorgängerinnen gleichen Namens zersprangen entweder nach wenigen Jahren, stürzten durch "menschliches Versagen" der Läutemannschaft in die Tiefe oder schmolzen, als ganz Erfurt 1472 in Flammen stand...
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Infobox
Verkündigung und Alarm
Glocken gehören zu den ältesten Musikinstrumenten. Ihr Ursprung reicht bis ins vierte Jahrtausend v. Chr. zurück; vermutlich stammen sie aus China, wo man ihren Hohlraum zugleich als Maßeinheit für Getreide nutzte. Erst im 5. Jahrhundert n. Chr. gelangten Glocken nach Europa. Hier hielten sie zunächst in Klöster Einzug, dienten als akustisches Symbol der Verkündigung der christlichen Botschaft.
Auch außerhalb von Klöstern bereicherten sie bald das Leben der Gemeinden: Ihr Klang zeigte den Beginn des Gottesdienstes an und rief die Gläubigen zusammen. Zur sakralen Funktion gesellte sich die profane: Mit dem Läuten der Glocken zu den sieben üblichen Gebetszeiten wurden sie zum wichtigen Zeittakt-Instrument.
Nicht zu unterschätzen war der vielfältige Einsatz der Glocken als "Informationsmedien": Lange Zeit dienten sie als Feuermelder, warnten vor Sturmfluten und ordneten das städtische Leben. Verstummten die Glocken, hatte das nichts Gutes zu bedeuten: Seit dem Dreißigjährigen Krieg wurden in wohl allen großen Kriegen Glocken zu Kanonen umgegossen, so rund 65.000 im Ersten und fast 90.000 im Zweiten Weltkrieg. So kommt ihrem Klang als Friedenszeichen eine besondere Bedeutung zu. Wohl auch aus diesem Grund ist das Geläut der Glocken tief in unserer Kultur verwurzelt.
Glocken gehören zu den ältesten Musikinstrumenten. Ihr Ursprung reicht bis ins vierte Jahrtausend v. Chr. zurück; vermutlich stammen sie aus China, wo man ihren Hohlraum zugleich als Maßeinheit für Getreide nutzte. Erst im 5. Jahrhundert n. Chr. gelangten Glocken nach Europa. Hier hielten sie zunächst in Klöster Einzug, dienten als akustisches Symbol der Verkündigung der christlichen Botschaft.
Auch außerhalb von Klöstern bereicherten sie bald das Leben der Gemeinden: Ihr Klang zeigte den Beginn des Gottesdienstes an und rief die Gläubigen zusammen. Zur sakralen Funktion gesellte sich die profane: Mit dem Läuten der Glocken zu den sieben üblichen Gebetszeiten wurden sie zum wichtigen Zeittakt-Instrument.
Nicht zu unterschätzen war der vielfältige Einsatz der Glocken als "Informationsmedien": Lange Zeit dienten sie als Feuermelder, warnten vor Sturmfluten und ordneten das städtische Leben. Verstummten die Glocken, hatte das nichts Gutes zu bedeuten: Seit dem Dreißigjährigen Krieg wurden in wohl allen großen Kriegen Glocken zu Kanonen umgegossen, so rund 65.000 im Ersten und fast 90.000 im Zweiten Weltkrieg. So kommt ihrem Klang als Friedenszeichen eine besondere Bedeutung zu. Wohl auch aus diesem Grund ist das Geläut der Glocken tief in unserer Kultur verwurzelt.
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Big Ben
Der "große Benjamin" zählt zu den berühmtesten Sehenswürdigkeiten Londons. Fälschlicherweise wird heute allerdings der ganze, rund 97 Meter hohe Uhrturm des britischen Parlamentsgebäudes so bezeichnet. Der offizielle Name des Turms ist schlicht The Clock Tower - Uhrturm. Big Ben heißt die 1858 gegossene, fast 14 Tonnen schwere Glocke im Innern der Uhr. Benannt wurde die imposante Glocke nach dem Erbauer des Turms, dem damaligen Staatsbaumeister Sir Benjamin Hall (1802 bis 1867). Der Glockenschlag der Uhr ist weltberühmt: So diente der Westminster-Uhrenschlag dem BBC World Service als Pausenzeichen und wurde zum unverkennbaren Symbol für absolute Pünktlichkeit.
Der "große Benjamin" zählt zu den berühmtesten Sehenswürdigkeiten Londons. Fälschlicherweise wird heute allerdings der ganze, rund 97 Meter hohe Uhrturm des britischen Parlamentsgebäudes so bezeichnet. Der offizielle Name des Turms ist schlicht The Clock Tower - Uhrturm. Big Ben heißt die 1858 gegossene, fast 14 Tonnen schwere Glocke im Innern der Uhr. Benannt wurde die imposante Glocke nach dem Erbauer des Turms, dem damaligen Staatsbaumeister Sir Benjamin Hall (1802 bis 1867). Der Glockenschlag der Uhr ist weltberühmt: So diente der Westminster-Uhrenschlag dem BBC World Service als Pausenzeichen und wurde zum unverkennbaren Symbol für absolute Pünktlichkeit.



