Stolz und Vorurteil
Einst reiche Handelsstadt und Zentrum der Aufklärung, eilt Halle heute ein schlechter Ruf voraus: die alte Stadt an der Saale wird das Image einer grauen Diva einfach nicht los. Diva ja, grau nein."Das Schönste an Halle - nach Überzeugung weitgereister Leute - sei Halles Hauptbahnhof, der eine ideale Gelegenheit biete, diese Stadt nach allen Himmelsrichtungen zu verlassen", schreibt der in Halle aufgewachsene Schauspieler Curt Goetz in seinen Memoiren - um gleich darauf zu protestieren: "Glaubt ihnen nicht! Sie war, ist und bleibt eine reizende Stadt!"
Qui vocatur Halla
Die "Reizende" feiert 2006 Geburtstag. Wie eine Chronik aus dem Jahr 806 berichtet, ließ Frankenkaiser Karl "am Ufer der Saale, bei dem Ort, der Halle genannt wird" (in orientalem partem Salae ad locum qui vocatur Halla) ein Kastell anlegen - die erste namentliche Erwähnung der Stadt. Halla selbst bedeutet "Stätte der Salzgewinnung" - und das "weiße Gold", welches die Halloren noch bis Mitte des Zwanzigsten Jahrhunderts in den Salinen lösten, machte Halle reich und selbstbewusst.
Negativimage bleibt
Vom Selbstbewusstsein ist wenig geblieben - und auch im öffentlichen Bewusstsein spielt die ruhmvolle Vergangenheit der Saalemetropole heute kaum eine Rolle. Zwar schwelgen Halles Stadtoberen gerne in Superlativen: von Kulturhauptstadt und Wissenschaftsstandort ist die Rede, von Händelfestspielen, Altstadtsanierung und Innovationspotenzialen. Aber noch immer haftet Halle der Ruf einer dreckigen, heruntergekommen, luftverpesteten Chemiestadt an - ein Negativimage, das auch in den Köpfen vieler Hallenser verankert ist.
Wohlfühlfaktor fehlt
Luft und Fluss werden Jahr für Jahr sauberer, und die meisten Häuser der zu DDR-Zeiten vernachlässigten Altstadt sind längst renoviert - dennoch gehört Halle, dem Städte-Ranking der Zeitschrift Wirtschafts-Woche nach, zu den Orten in Deutschland, wo sich die Menschen am wenigsten wohlfühlen.
In den Bereichen Lebensqualität und Wirtschaftskraft ist Halle eines der Schlusslichter der Vergleichsstudie. Der Soziologe Heinz Sahner, Professor an der hier ansässigen Martin-Luther-Universität, bescheinigt den Hallensern ein gespaltenes Verhältnis zu ihrer Stadt; verglichen mit anderen ostdeutschen Städten sei die Identifikation der Bewohner Halles mit ihrer Heimat unterdurchschnittlich.
Nähe zu Leipzig
Die Gründe dafür sind vielfältig. Zum Beispiel die Nähe zu Leipzig: Nur 37 Kilometer liegen zwischen Halle und der Boomtown in Sachsen. Leipzig, als Messestadt seit jeher international ausgerichtet, präsentiert sich als weltoffene Metropole, die finanzstarke Investoren, wie die Autobauer Porsche und BMW, anzuziehen vermag.
Hohe Arbeitslosenquote
Der einst erfolgreichen Industriestadt Halle dagegen war nach 1989 mit der Abwicklung der chemischen Großbetriebe die wirtschaftliche Basis weggebrochen. Zwar gibt es noch moderne Raffinerien und Chemiewerke - doch die kommen mit wenig Personal aus. Laut offizieller Statistik liegt die Arbeitslosenquote in Halle bei über 16 Prozent. Das hat Folgen...
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Der Hallmarkt
Halles einstiges Zentrum der Salzgewinnung, der Hallmarkt, zeugt noch heute von der Verbundenheit der Stadt mit dem weißen Gold. Schon weit vor der ersten schriftlichen Erwähnung Halles vor 1.200 Jahren begann hier die Gewinnung des Salzes.
Seit Ende des 15. Jahrhunderts heißen die mit dieser Arbeit befassten Männer Halloren. Obwohl die Salzproduktion im Jahr 1964 eingestellt wurde, gibt es noch immer Mitglieder der Bruderschaft der Salzwirker.
Sie bewahren das Andenken an Ursprung und Geschichte Halles. In ihrer traditionellen Tracht, einem meist blauen Rock mit Silberknöpfen, sind sie nach wie vor im Stadtbild zu sehen.
Halles einstiges Zentrum der Salzgewinnung, der Hallmarkt, zeugt noch heute von der Verbundenheit der Stadt mit dem weißen Gold. Schon weit vor der ersten schriftlichen Erwähnung Halles vor 1.200 Jahren begann hier die Gewinnung des Salzes.
Seit Ende des 15. Jahrhunderts heißen die mit dieser Arbeit befassten Männer Halloren. Obwohl die Salzproduktion im Jahr 1964 eingestellt wurde, gibt es noch immer Mitglieder der Bruderschaft der Salzwirker.
Sie bewahren das Andenken an Ursprung und Geschichte Halles. In ihrer traditionellen Tracht, einem meist blauen Rock mit Silberknöpfen, sind sie nach wie vor im Stadtbild zu sehen.



