Erst christliche Kirche, dann Moschee und heute Museum: Die Hagia Sophia ist einer der historischen Schätze Istanbuls.
Die Hemmungslose
2010 gehört Istanbul zu den Kulturhauptstädten Europas. Nötig hat die Millionen-Metropole am Bosporus die Auszeichnung durch die Europäische Union freilich nicht: Hagia Sophia, Blaue Moschee und Topkapi-Palast sind prachtvolle Zeugen einer mehr als zweieinhalbtausendjährigen Geschichte, in der Griechen, Römer, Byzantiner, Osmanen und Türken ihre Spuren hinterließen - und stehen exemplarisch für den kulturellen Reichtum Istanbuls, das einmal "Hauptstadt der Welt" war.Etikettenschwindel?
Geehrt fühlen sich Istanbuls Stadtobere dennoch. Daher scheuen sie auch keine Kosten, um die Stadt herauszuputzen. Rund siebzig Prozent des Kulturstadt-Etats von stolzen 250 Millionen Euro fließen in Restaurierungs- und Instandsetzungsarbeiten an den bekanntesten Bauwerken Istanbuls - meist Vorhaben, die die Stadt seit Jahren schon vor sich herschiebt. Kritiker sprechen denn auch von einer Mogelpackung, die sich hinter dem Etikett "Kulturhauptstadt" verberge.
Umstrittenes Gesetz
Unter dem Deckmantel der Sanierung historisch wertvoller Bausubstanz verfolgt Istanbuls Stadtverwaltung indes weiter reichende Ziele. Ganze Viertel fallen derzeit dem Abriss zum Opfer. Hintergrund ist ein 2006 beschlossener Stadterneuerungsplan, der auf dem umstrittenen urbanen Transformationsgesetz beruht und der Stadtverwaltung besondere Befugnisse zugesteht: So darf sie im Namen der Eigentümer entscheiden, was mit deren Häusern und Grundstücken geschieht. Und wenn es höheren städtebaulichen Interessen dient, kann das eben auch Abriss bedeuten.
Um die 3.500 Menschen lebten einst hier: Sulukule, das tausend Jahre alte Viertel der Roma, wurde komplett abgerissen.
Auf diese Art enteignet wurden zuletzt die rund 3.500 Bewohner des traditionsreichen Roma-Viertels Sulukule. Obwohl nicht alle Häuser des tausend Jahre alten Vergnügungsviertels renovierungs- oder gar abrissbedürftig waren, ist Sulukule heute nur noch ein einziges Brachland. Anstelle der kleinen ein- bis zweigeschossigen Gebäude sollen moderne fünfgeschossige Apartmenthäuser entstehen. Zwar erhielten die ehemaligen Bewohner finanzielle Entschädigungen, die neuen Wohnungen werden sie sich dennoch kaum leisten können.
Staatlich geförderter Kahlschlag
Also sind Tausende Menschen gezwungen, ihr angestammtes Viertel zu verlassen und an die zweieinhalb Stunden vom Istanbuler Zentrum entfernte Peripherie zu ziehen. Dort lässt die Regierungsstelle für Massenwohnungsbau Wohnhochhäuser für niedrige Einkommensgruppen errichten - unaufhaltsam schreitet die soziale und räumliche Segregation in Istanbul voran. Und nicht nur Minderheiten, wie die Roma, kurdische Migranten oder Flüchtlinge aus afrikanischen Ländern, sind vom staatlich geförderten Kahlschlag betroffen. Auch viele der für Istanbul typischen gecekondus drohen unter dem Druck der "urbanen Transformation" zu verschwinden.
Planlos und ohne Baugenehmigung
Gecekondus ("über Nacht gelandet") heißen die informellen Siedlungen, die im Zuge des Bevölkerungswachstums Mitte des Zwanzigsten Jahrhunderts entstanden. Massenhaft strömten damals mittellose Zuwanderer aus Anatolien nach Istanbul, um in den Fabriken der aufstrebenden Industriemetropole zu arbeiten. Weil es nicht genügend Wohnraum für die Neuankömmlinge gab, wurde ihnen städtischer Boden zur Verfügung gestellt, auf dem sie ihre Häuser - planlos und ohne Baugenehmigung - errichten konnten...
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Byzanz - Konstantinopel - Istanbul
Am Bosporus, der Nahtstelle zwischen Europa und Asien, gelegen, war die Stadt einst Machtzentrum des Römischen, des Byzantinischen und des Osmanischen Weltreichs. Heute ist Istanbul, mit rund 13 Millionen Einwohnern die größte Stadt der Türkei, das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum des Landes. Schon früh entwickelte sich die Stadt zu einer Handelsmetropole ersten Ranges, lag sie doch genau am Schnittpunkt des Seewegs vom Mittelmeer ins Schwarze Meer sowie des Landwegs von Südosteuropa nach Vorderasien.
Als griechische Siedlung Byzantion (Byzanz) im 7. Jahrhundert v. Chr. gegründet, machte Kaiser Konstantin die Stadt im Jahr 324 n. Chr. unter dem Namen Roma Nova zur neuen Hauptstadt des Römischen Reichs. Ihm zu Ehren erhielt sie schon bald den Namen Konstantinopel. Etwa 200.000 Menschen lebten in der damals größten Stadt der Erde. Nach der Eroberung durch die Osmanen im Jahr 1453 erhielt sie den Namen Istanbul. Die Stadt wurde Residenz der Sultane und Hauptstadt des Osmanischen Reiches.
Von der Anziehungskraft der Metropole ging auch nichts verloren, als die Regierung des neuen türkischen Staates die Hauptstadt 1923 nach Ankara verlegte. Vor allem aus ländlichen Gebieten strömten die Menschen in die Stadt; seit 1950 hat sich die Bevölkerungszahl fast verzwanzigfacht. Mit rund 7.000 Einwohnern pro Quadratkilometer ist Istanbul die dichtbesiedelste Stadt Europas.
Zwei Fünftel der gewerblichen Arbeitsplätze der Türkei konzentrieren sich in Istanbul. Hier werden 23 Prozent des türkischen Bruttoinlandsproduktes erwirtschaftet; 60 Prozent des türkischen Handels werden über Istanbul abgewickelt. Börse, Großhandel, Bank-, Presse- und Verlagswesen dominieren den Dienstleistungssektor. Das produzierende Gewerbe - kleine Handwerks- wie industrielle Betriebe - stellen neben Textilien und Nahrungsmitteln auch Leder- und Kunstlederwaren sowie keramische Erzeugnisse her. Von Bedeutung ist ebenso der Fahrzeug- und Motorenbau.
Einer der wichtigsten Wirtschaftszweige ist der Tourismus. Allein in den ersten vier Monaten des Jahres 2010 besuchten rund 1,75 Millionen Menschen die Stadt. 12,4 Prozent aller Besucher kamen aus Deutschland, gefolgt von russischen Touristen mit einem Anteil von knapp 7 und britischen Gästen mit rund 5 Prozent.
Als griechische Siedlung Byzantion (Byzanz) im 7. Jahrhundert v. Chr. gegründet, machte Kaiser Konstantin die Stadt im Jahr 324 n. Chr. unter dem Namen Roma Nova zur neuen Hauptstadt des Römischen Reichs. Ihm zu Ehren erhielt sie schon bald den Namen Konstantinopel. Etwa 200.000 Menschen lebten in der damals größten Stadt der Erde. Nach der Eroberung durch die Osmanen im Jahr 1453 erhielt sie den Namen Istanbul. Die Stadt wurde Residenz der Sultane und Hauptstadt des Osmanischen Reiches.
Von der Anziehungskraft der Metropole ging auch nichts verloren, als die Regierung des neuen türkischen Staates die Hauptstadt 1923 nach Ankara verlegte. Vor allem aus ländlichen Gebieten strömten die Menschen in die Stadt; seit 1950 hat sich die Bevölkerungszahl fast verzwanzigfacht. Mit rund 7.000 Einwohnern pro Quadratkilometer ist Istanbul die dichtbesiedelste Stadt Europas.
Zwei Fünftel der gewerblichen Arbeitsplätze der Türkei konzentrieren sich in Istanbul. Hier werden 23 Prozent des türkischen Bruttoinlandsproduktes erwirtschaftet; 60 Prozent des türkischen Handels werden über Istanbul abgewickelt. Börse, Großhandel, Bank-, Presse- und Verlagswesen dominieren den Dienstleistungssektor. Das produzierende Gewerbe - kleine Handwerks- wie industrielle Betriebe - stellen neben Textilien und Nahrungsmitteln auch Leder- und Kunstlederwaren sowie keramische Erzeugnisse her. Von Bedeutung ist ebenso der Fahrzeug- und Motorenbau.
Einer der wichtigsten Wirtschaftszweige ist der Tourismus. Allein in den ersten vier Monaten des Jahres 2010 besuchten rund 1,75 Millionen Menschen die Stadt. 12,4 Prozent aller Besucher kamen aus Deutschland, gefolgt von russischen Touristen mit einem Anteil von knapp 7 und britischen Gästen mit rund 5 Prozent.



