Sein gesamtes Leben (von 1724 bis 1804) verbrachte der Philosoph Immanuel Kant in Königsberg.
Ein eleganter Magister
"Die Lebensgeschichte des Immanuel Kant ist schwer zu beschreiben. Denn er hatte weder Leben noch Geschichte. Er lebte ein mechanisch geordnetes, fast abstraktes Hagestolzleben, in einem stillen, abgelegenen Gässchen zu Königsberg, einer alten Stadt an der nordöstlichen Grenze Deutschlands." So stellen wir es uns vor - das Leben des Philosophen Kant, der am 22. April 1724 in Königsberg auf die Welt kam und die Stadt so gut wie niemals verlassen sollte.Kein Hagestolz und Pedant
Jene paar Sätze aus Heinrich Heines Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland aber vermitteln ein schiefes Bild, wie nun neuere Forschungen belegen. Heines Karikatur erst machte aus Kant - lange nach dessen Tod - den "Hagestolz" und Pedanten, nach dem die Königsberger Bürger angeblich ihre Uhren stellen konnten. Zu Unrecht! Denn so war er nicht, der große Denker. Schon die mit ihm in Königsberg lebten, wussten es besser. Seinen Freunden und späteren Tischgenossen im 1783 erworbenen Haus am Königsberger Prinzessinplatz verdanken wir die Berichte vom "eleganten Magister" Kant, der gern Billard spielte, Caféhäuser besuchte, sogar den Karten nicht abgeneigt war. Modisch gekleidet - wir befinden uns in der Zopf-Zeit, dem Rokoko -, galt der junge Akademiker als geistreicher Unterhalter und als begehrter Gesellschafter.
Keine Frauen?
Dass Kant, der ewige Königsberger, nie heiratete, und keinerlei Liaisons überliefert sind, ist ein unbestrittener Fakt. Wirtschaftliche Gründe, nicht zuletzt Verantwortungsgefühl aus pietistischer Erziehung, mögen hier ausschlaggebend gewesen sein. Im Alter gibt der daraufhin Befragte die plausible Erklärung: "Da ich eine Frau brauchen konnte, konnt' ich keine ernähren; und da ich eine ernähren konnte, konnt' ich keine mehr brauchen." Gewiss, das Dasein als Jungakademiker war schon damals nicht mit Reichtümern gesegnet. Und Ererbtes besaß der Sattlerssohn, als viertes von elf Kindern, kaum. Sogar als 1770 endlich die Berufung zum preußischen Professor kam, an die Königsberger Universität Albertina, blieb das Salär zunächst knapp.
Elegant, aber erfolglos
Mit Amüsement gelebt hat der Philosoph dennoch, auch ohne zu reisen und ohne Reichtum. Mehr noch, ein "mechanisch" funktionierender Karriere-Wissenschaftler war der junge Kant keineswegs, eher etwas nachlässig in der Planung von beruflicher Zukunft. Schon seine erste Publikation, die Gedanken von der wahren Schätzung lebendiger Kräfte, richtet sich weniger an die hohen Herren der Königsberger Universitäts-Hierarchie, was praktisch nützlicher gewesen wäre, sondern an kreative Köpfe weit außerhalb: wie etwa Albrecht von Haller im fernen Göttingen oder Leonhard Euler in Frankfurt. Selbstbewusst, elegant, aber erfolglos, wie Kant in dieser Zeit nun einmal ist, bleibt der Verdruss nicht aus...
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Kein Philosoph der Neuzeit ist so tief vorgedrungen in die Geheimnisse des Denkens wie der größte Sohn Königsbergs: Immanuel Kant. Dem Verfasser der Kritik der reinen Vernunft verdankt die Menschheit ein Niveau von Selbstreflexion, das frühere Zeitalter nur ahnen konnten. Die Menschheit verdankt Kant auch eine substantielle Antwort auf die Frage, was Menschsein ausmacht. Kant, der zeitlebens kaum aus Königsberg herauskam, scheint diese Antwort in die Wiege gelegt worden zu sein: weltumspannendes, Welten erschaffendes Denken, gleichsam künstlerische Kreativität, doch auf die exakteste Weise, bar jeder Dogmatik. Das produktive Fortschreiben kantscher Gedankenzüge gab - und gibt noch heute - Mathematik und Naturwissenschaften wichtige Impulse. Am anderen Ende des klassischen Spektrums geistiger Tätigkeit vollzieht jeder Künstler, der mit einem Werk eine Welt schafft, kantsche Gedankenbewegung nach.
Kants wichtigster Beitrag aber, untrennbar verknüpft mit seiner Erkenntnistheorie, ist der aufklärerische Impuls: Wer immer sich frei machen will von Vorurteilen, Dogmen, Ideologien, der findet bei dem großen Königsberger Philosophen das Werkzeug dazu. Denkkultur und Denkdisziplin, geschult an Kant, verschaffen die notwendige Freiheit angesichts immer neuer, sich als verbindliche Wahrheiten gebender Weltdeutungen und -konstrukte. Kritisches Bewusstsein, Mittel und Zweck des Menschseins zugleich, bezieht Form und Struktur aus dem Geist Immanuel Kants.
Kants wichtigster Beitrag aber, untrennbar verknüpft mit seiner Erkenntnistheorie, ist der aufklärerische Impuls: Wer immer sich frei machen will von Vorurteilen, Dogmen, Ideologien, der findet bei dem großen Königsberger Philosophen das Werkzeug dazu. Denkkultur und Denkdisziplin, geschult an Kant, verschaffen die notwendige Freiheit angesichts immer neuer, sich als verbindliche Wahrheiten gebender Weltdeutungen und -konstrukte. Kritisches Bewusstsein, Mittel und Zweck des Menschseins zugleich, bezieht Form und Struktur aus dem Geist Immanuel Kants.



