Kaliningrad im Sommer 2001: Auch heute noch bestimmen Plattenbauten das Bild der Stadt. (Bild: Volkov Vitaly)
Wo ist Königsberg?
Königsberg gibt es nicht mehr. Noch immer aber steht auf dem traditionsreichen Siedlungsgebiet am Kurischen Haff eine Stadt. Wer dorthin kommt, sieht Häuser aus Beton. Gesprochen wird russisch; bezahlt wird in Rubel. Das Territorium gehört zur Russischen Föderation. Touristen aus aller Welt, darunter so mancher aus Deutschland, interessieren sich weniger für eventuelle Sehenswürdigkeiten als für eine an Wendungen reiche Geschichte. Zu Hunderten ziehen vor allem ältere Besucher mit historischen Karten gerüstet los und fragen nach den Stätten ihrer Kindheit. Viele sind enttäuscht. Denn geblieben ist wenig von der alten Heimat - nicht einmal der Name.In Schutt und Asche
Seit über sechzig Jahren sucht man Königsberg auf aktuellen Landkarten vergebens. Am 4. Juni 1946 benannte Stalin, Sieger im Zweiten Weltkrieg, die frühere Hauptstadt des eroberten Ostpreußen in Kaliningrad um. Namenspatron war der kurz zuvor verstorbene Präsident des Obersten Sowjets der UdSSR, Michail Kalinin. Die Stadt verlor ihren deutschen Namen. Ihren Körper verlor sie bereits 1944: Am 26./27. und 29./30. August legten englische Bomber die Innenstadt in Schutt und Asche. Tagelang wüteten Brände. Gebäude, die dem Bombardement standgehalten hatten, wurden zum großen Teil von den Sowjets bei der Belagerung und Einnahme Königsbergs von Februar bis April 1945 zerstört.
Stalins Befehl
Als die russische Verwaltung 1946 den deutschen Namen der Stadt tilgte, schlug auch die Stunde der letzten deutschen Königsberger: Etwa Hunderttausend Menschen waren nach der Kapitulation vor den sowjetischen Truppen noch in der Stadt. Die Mehrzahl fiel Seuchen, Hunger und Misshandlungen zum Opfer. Am 11. Oktober 1947 befahl Stalin den Exodus von zwanzigtausend Überlebenden in die sowjetische Besatzungszone. Russische Siedler übernahmen, was vom Wohnungsbestand übrig war. Kaum noch etwas erinnerte an die deutsche Vergangenheit: Königsberg hatte einen neuen Namen; die deutsche Bevölkerung war getötet oder vertrieben. Nun sollte Kaliningrad, auf den Trümmern Königsbergs, als mustergültige sowjetische Stadt entstehen.
Nur noch Ruine: Britische Bombenangriffe zerstörten 1944 den Königsberger Dom. (Aufnahme von 1947)
Da passte der Regierung in Moskau nicht ins Stadtbild, dass die beiden Wahrzeichen Königsbergs, Dom und Schloss, die Verwüstung, wenn auch nur als Ruinen, überstanden hatten. Leonid Breschnew, seit 1964 sowjetischer Parteichef, war vor allem das Schloss ein Dorn im Auge. Immerhin hatte man dort preußische Könige gekrönt. Das Schloss musste weg. Trotz vereinzelter Proteste wurde der "faule Zahn des preußischen Militarismus", wie die sowjetischen Machthaber das ihnen verhasste Symbol nannten, 1968 gesprengt...
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Zahlen und Fakten
Kaliningrad ist die Hauptstadt des gleichnamigen Oblast (Verwaltungsbezirk), einer russischen Exklave auf dem Gebiet des ehemaligen Nordteils von Ostpreußen. In der Stadt, die sich über ein Gebiet von 223 Quadratkilometern erstreckt, leben 421.678 Menschen (Stand 2008), vorwiegend russischer Herkunft. Kaliningrad ist ein großes Wirtschafts- und Industriezentrum, das von dem ganzjährig eisfreien Seehafen Baltijsk profitiert. Bedeutende Wirtschaftszweige sind die chemische Industrie, der Maschinenbau, die Möbelindustrie und die Herstellung von Musikinstrumenten. Kaliningrad beheimatet außerdem die größte Fischereiflotte Russlands.
Als Litauen 1991 von Russland unabhängig wurde, verlor Kaliningrad seine Landesverbindung mit dem russischen Mutterland. Um die Wirtschaft anzukurbeln, richtete der damalige russische Präsident Boris Jelzin eine Sonderwirtschaftszone ein. Aufgrund von Bürokratie, Kriminalität und Korruption hatte die Sonderwirtschaftszone nur mäßigen Erfolg. Ein Gesetz aus dem Jahr 2006 soll Investoren nun Planungssicherheit und Steuervergünstigungen verschaffen.
Bis 1946 hieß Kaliningrad Königsberg. Die Stadt und der heutige Oblast gehörten zu Ostpreußen. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurden die Stadt und das Königsberger Gebiet laut Potsdamer Abkommen unter sowjetische Verwaltung gestellt. Die deutsche Bevölkerung wurde vertrieben und das Gebiet mit Russen besiedelt.
Kaliningrad ist die Hauptstadt des gleichnamigen Oblast (Verwaltungsbezirk), einer russischen Exklave auf dem Gebiet des ehemaligen Nordteils von Ostpreußen. In der Stadt, die sich über ein Gebiet von 223 Quadratkilometern erstreckt, leben 421.678 Menschen (Stand 2008), vorwiegend russischer Herkunft. Kaliningrad ist ein großes Wirtschafts- und Industriezentrum, das von dem ganzjährig eisfreien Seehafen Baltijsk profitiert. Bedeutende Wirtschaftszweige sind die chemische Industrie, der Maschinenbau, die Möbelindustrie und die Herstellung von Musikinstrumenten. Kaliningrad beheimatet außerdem die größte Fischereiflotte Russlands.
Als Litauen 1991 von Russland unabhängig wurde, verlor Kaliningrad seine Landesverbindung mit dem russischen Mutterland. Um die Wirtschaft anzukurbeln, richtete der damalige russische Präsident Boris Jelzin eine Sonderwirtschaftszone ein. Aufgrund von Bürokratie, Kriminalität und Korruption hatte die Sonderwirtschaftszone nur mäßigen Erfolg. Ein Gesetz aus dem Jahr 2006 soll Investoren nun Planungssicherheit und Steuervergünstigungen verschaffen.
Bis 1946 hieß Kaliningrad Königsberg. Die Stadt und der heutige Oblast gehörten zu Ostpreußen. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurden die Stadt und das Königsberger Gebiet laut Potsdamer Abkommen unter sowjetische Verwaltung gestellt. Die deutsche Bevölkerung wurde vertrieben und das Gebiet mit Russen besiedelt.



