Stadt in Bewegung
Ab 22 Uhr füllen sich die Bars und Straßen; wer schon bei Sonnenaufgang ins Bett fällt, hat sich nicht richtig amüsiert! Ein Stau um vier Uhr morgens ist keine Seltenheit, denn Madrid lebt vor allem nachts.Felipe II. ließ die Plaza Mayor gegen Ende des 16. Jahrhunderts bebauen. Der Platz diente unter anderem für Stierkämpfe und Hinrichtungen.
Morgens um vier kommt es an der Puerta de Sol zum Verkehrsstau. Denn wenn die Kneipen schließen, ist die Nacht noch lange nicht zu Ende. Diskotheken aller Musikrichtungen laden bis um sieben Uhr früh zum Tanzen ein. Zu einer typischen Madrider Nacht gehört dann noch das typische Frühstück: churros con chocolate - frittierte längliche Krapfen mit heißer Schokolade.
Hauptstadt des Nachtlebens
Madrid schläft nie: Europas "Hauptstadt des Nachtlebens" präsentiert sich als lebendige Metropole. Das war nicht immer so, lange Zeit war Madrid eher klein und unscheinbar. Maurische Krieger gründeten im 9. Jahrhundert auf einem Felsen auf der kastilischen Hochebene eine Garnison - da, wo heute der Königspalast steht. Im 11. Jahrhundert eroberte Alfonso VI. das Städtchen und verteidigte es immer wieder gegen Versuche der Araber, es zurückzuerobern. Felipe II. schließlich kürte die mittelalterliche Stadt von gerade mal fünfzehntausend Einwohnern 1561 zur spanischen Hauptstadt.
Das Königs-Dorf
Allein die Lage Madrids scheint den König dazu bewogen zu haben, seinen Hof hierher zu verlegen. Die Stadt liegt genau im Zentrum des Landes, wie Strahlen führen Straßen vom Nullpunkt der Nation - der Puerta de Sol - in alle Richtungen. Sonst hatte die Stadt nichts zu bieten: keinen Hafen, keine nennenswerte Wirtschaft oder Kultur. Die Einwohner aber waren stolz darauf, dass ihre Stadt als Hauptstadt erwählt wurde: Auf den Spruch "Sólo Madrid es Corte" - nur Madrid hat den Königshof - gründeten sie ihre Identität. Spötter hingegen wandelten das Motto ab, zu "Madrid es sólo Corte": Madrid ist nur Königshof, ein Palast mit einem Dorf vor den Toren, dessen Schutzpatron San Isidro bezeichnenderweise ein einfacher Bauer war.
Francisco de Goya hielt um 1800 Karl IV. und seine Familie auf der Leinwand fest. Das Bild hängt - natürlich - im Prado.
Tatsächlich sollte Madrid lange im Schatten seiner Herrscher stehen. Bis 1700 regierten die Habsburger in Madrid und ließen das Zentrum rund um die Plaza Mayor entstehen. Noch heute heißt diese Gegend El Madrid de los Austrias - das Madrid der Österreicher.
Auch die Bourbonen, die die Nachfolge der Habsburger antraten, drückten der Stadt ihren Stempel auf: Sie bauten unter anderem die Puerta de Alcalá und den Prado. Lange Zeit spielte sich das wirtschaftliche und kulturelle Leben der Stadt am Königshof ab: Spaniens große Maler Diego Velázquez (1599 bis 1660) und Francisco de Goya (1746 bis 1828) gelangten als Hofmaler zu Ruhm; ein Großteil der Madrilenen verdiente seinen Lebensunterhalt als Bedienstete von Adligen und Beamten.
Vom Caudillo protegiert
Erst im Zwanzigsten Jahrhundert, unter Franco, begann der Aufstieg Madrids zur Großstadt: Der Diktator trieb die Wirtschaft voran. 1941 gründete der Caudillo das Instituto Nacional de Industria. Die staatliche Holding baute Unternehmen auf, unterstützte Investitionen und die Ansiedlung von Industriebetrieben. Das heutige Spanien verdankt ihr Unternehmen wie Seat und Endesa. Mit der Industrie kamen auch die Menschen aus den ländlichen Regionen Spaniens: Zwischen 1930 und 1970 verdreifachte sich die Einwohnerzahl Madrids auf drei Millionen, ein Ring von Satellitenstädten wuchs um die Stadt herum...
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Infobox
Die spanische Hauptstadt Madrid liegt im Zentrum des Landes am Ufer des Flusses Manzanares. 3,2 Millionen Menschen leben in der Stadt, in der Region sind es rund sechs Millionen. Madrids Wirtschaft wird vom Dienstleistungssektor bestimmt: Er macht 85 Prozent der Wirtschaftskraft aus. Fast sieben Millionen Touristen kommen jedes Jahr in die Stadt.
Zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten zählen die Kunstmuseen am Paseo del Prado, der Parque del Buen Retiro, der Königspalast und die auf vier Seiten zugebaute Plaza Mayor. Madrids Küche ist bunt und vielfältig, besonders berühmt ist die Stadt jedoch für ihren Schinken. Sportfreunden dürfte Real Madrid ein Begriff sein: Die "königlichen" Fußballer gelten als erfolgreichste Mannschaft der Welt.
Zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten zählen die Kunstmuseen am Paseo del Prado, der Parque del Buen Retiro, der Königspalast und die auf vier Seiten zugebaute Plaza Mayor. Madrids Küche ist bunt und vielfältig, besonders berühmt ist die Stadt jedoch für ihren Schinken. Sportfreunden dürfte Real Madrid ein Begriff sein: Die "königlichen" Fußballer gelten als erfolgreichste Mannschaft der Welt.



