Blick zurück nach vorn
Vorbei am Dom, an Häusern und Gemäuern fließt die Elbe, fließt die Zeit. Vieles hat die Stadt schon überstanden. Sie ist alt, und manchmal müde. Aber das hohe Alter eröffnet ihr auch Zukunftschancen.Der Dom ist das Wahrzeichen der Stadt, die es ohne den königlichen Willen Ottos I. wohl gar nicht gäbe.
Schwindendes Selbstbewusstsein
Die eineinhalb Jahrzehnte seit der Wende meinten es nicht gut mit der ehemaligen Hansestadt. In der DDR zum Standort der Schwerindustrie ausgebaut, wurden die meisten Betriebe nach 1990 dicht gemacht - die Folgen für Selbstbewusstsein und Bürgerstolz der Magdeburger waren fatal: "Mit der Arbeit ging die letzte Identität flöten", stellte der Journalist Christian Schmidt-Häuer 2003 in der ZEIT fest.
Otto sei Dank
Da kann ein Blick in die Vergangenheit Trost spenden. Vor allem die goldene Epoche unter Kaiser Otto I. (912 bis 973), der Magdeburg zu seiner Lieblingspfalz erkor, es sogar zum "Konstantinopel des Nordens" machen wollte, rückt vermehrt in den Blickpunkt. 2001 lockte eine ambitionierte Ausstellung über den Herrscher Menschenmengen nach Magdeburg; das Kulturhistorische Museum zählte über 300.000 Besucher.
Die Ausstellung war am rechten Platz. Anders als so oft, fand hier keine Vereinnahmung historischer Personen durch phantasiebegabte Tourismusmanager statt: Magdeburg hat Otto I., auch "der Große" genannt, tatsächlich viel, wenn nicht alles zu verdanken. Ohne das Wirken des Kaisers hätte die Stadt vielleicht nie den Status eines einfachen befestigten Handelsortes hinter sich gelassen, den sie vor Ottos Regierungsantritt innehatte.
Morgengabe für die Braut
Erstmals urkundlich erwähnt wird Magdeburg im Jahr 805. Dann folgt Schweigen, über ein Jahrhundert lang. 929 heiratete Otto, Sohn König Heinrichs I., in Quedlinburg eine angelsächsische Prinzessin namens Edgitha; ihr schenkte der Gatte Magdeburg zur Trauung, als "Morgengabe". Damit begann das innige Verhältnis, das Otto und die Stadt an der Elbe in der Folge miteinander verband.
Das Kulturhistorische Museum Magdeburg bietet spannende Ausstellungen zur Stadt und ihrer Geschichte.
Privilegien für die Mönche
Das neue Kloster sollte vorrangig der Ostmission dienen; die Mönche waren dazu ausersehen, das Christentum unter den Slawen zu verbreiten. Weiter hatten sie die Aufgabe, den Gottesdienst abzuhalten, wenn der König in Magdeburg weilte. Das kam vergleichsweise häufig vor: Zwischen 936 und 961 besuchte Otto I. die dortige Königspfalz 21 nachgewiesene Male, was viel ist in einer Zeit, als die Herrscher mit Sack und Pack durchs Land reisten und gleichsam im Vorbeiziehen regierten.
Fleißig stattete Otto das Moritzkloster mit Privilegien aus. So überließ er ihm sämtliche Zolleinnahmen sowie den Profit aus der örtlichen Münzstätte. Der Konvent fuhr gut damit: Immer mehr Kaufleute und Handwerker siedelten sich an, der Ort wuchs, die Wirtschaft prosperierte. Bis 965 war die Entwicklung zur "Stadt" im engeren Sinne abgeschlossen: Nun gab es eine civitas, also eine Burg, und eine Marktsiedlung...
Seite
1
| 2
Infobox
Der Magdeburger Dom
Der Dom ist das Wahrzeichen der Stadt. Wo er heute steht, stand einst die Klosterkirche, in der die Mönche des Moritzklosters seit 937 ihre Messen feierten. Otto I. ließ die Kirche ab 955 zum Dom ausbauen - womit er ein Zeichen seines unbedingten Willens setzte, ein neues Erzbistum Magdeburg einzurichten.
968 war es dann soweit: Der Dom wurde das, was er sein sollte, Bischofskirche nämlich. Diese erste Kathedrale fiel 1207 einem Brand zum Opfer. Auf ihren Grundmauern errichtete man den neuen Dom als ersten Sakralbau Deutschlands im gotischen Stil. Über drei Jahrhunderte zogen sich die Arbeiten hin; die 104 Meter hohen Türme wurden erst 1520 fertiggestellt.
Alle Kriegswirren und Feuersbrünste überstand die Magdeburger Kathedrale mehr oder minder unbeschadet. Heute ist der größte Sakralbau in den neuen Bundesländern die touristische Hauptattraktion Magdeburgs. Ein Besuch lohnt allein schon wegen des Grabmals Ottos des Großen, der im Dom beigesetzt ist.
Der Dom ist das Wahrzeichen der Stadt. Wo er heute steht, stand einst die Klosterkirche, in der die Mönche des Moritzklosters seit 937 ihre Messen feierten. Otto I. ließ die Kirche ab 955 zum Dom ausbauen - womit er ein Zeichen seines unbedingten Willens setzte, ein neues Erzbistum Magdeburg einzurichten.
968 war es dann soweit: Der Dom wurde das, was er sein sollte, Bischofskirche nämlich. Diese erste Kathedrale fiel 1207 einem Brand zum Opfer. Auf ihren Grundmauern errichtete man den neuen Dom als ersten Sakralbau Deutschlands im gotischen Stil. Über drei Jahrhunderte zogen sich die Arbeiten hin; die 104 Meter hohen Türme wurden erst 1520 fertiggestellt.
Alle Kriegswirren und Feuersbrünste überstand die Magdeburger Kathedrale mehr oder minder unbeschadet. Heute ist der größte Sakralbau in den neuen Bundesländern die touristische Hauptattraktion Magdeburgs. Ein Besuch lohnt allein schon wegen des Grabmals Ottos des Großen, der im Dom beigesetzt ist.


