Die Schicksalsstadt
Europas größte Stadt sei auch eine Stadt des Wandels, meinen viele. Einst sowjetische Gleichheit, heute neue Reiche und neue Arme. Stimmt die These von der einstigen Gleichheit und von der neuen Ungleichheit?Es gibt Punkte auf der Oberfläche unseres Erdballs, an denen alle Linien zusammenlaufen: Das antike Rom gehörte dazu, Paris, London, Berlin, New York - und natürlich Moskau. Gemeinsam ist solchen Metropolen nicht bloß, dass Millionen Menschen dort arbeiten und wohnen. Jedes einzelne dieser urbanen Zentren prägte vor allem Lebensstile, spielte - im politischen, ökonomischen und kulturellen Sinn - Schicksal für Milliarden. Moskau war und ist eine solche Schicksalsstadt.
Säle und Arbeitsräume
Wer heute den Moskauer Kreml besucht, den überfällt ehrfürchtiger Schauder: Die Bilder in den prunkvollen Sälen erinnern an das Zarengeschlecht der Romanows, an berühmte Feldherren und Fürsten. Gern zeigt man dem Besucher auch das ehemalige Arbeitszimmer Lenins - im 1787 erbauten Senatsgebäude -, originalgetreu erhalten, als ob der einstige Benutzer nur auf einem Spaziergang weilte. Unweit davon fällt der neugierige Blick auf das "Kleine Eck", vormals Stalins Wohn- und Arbeitsräume. In Stalins altem Büro residierte später der Stabschef des Präsidenten Putin. Intrigen, Hoffnung, Ideologien, Größenwahn, Mord, hehre Ideen und Pragmatismus - der Kreml, klassisches Zentrum russischer Macht, vereint all dies.
Moscow City
Andererseits, wer heute die Stadt Moskau besucht, kann ebenso in einer aus Stahl, Glas und Beton gestylten Geschäftswelt landen. Nur vier Kilometer nordöstlich des Kreml ist das gigantischste Bauvorhaben Europas im Werden: die Moscow City, zwölf Milliarden US-Dollar schwer, Zeichen neu erstandener Wirtschaftskraft, mit glitzernden Wolkenkratzern und Türmen, die entfernt den New Yorker Twin Towers ähneln. Das "russische Manhattan" soll 2012, nach einer Bauzeit von gut elf Jahren, perfekt errichtet sein.
Moscow City, das russische Manhattan: moderne Lofts und klimatisierte Büros - Herrschaftsort des Geldes.
Moscow City ist professioneller Lebensausdruck der Neuen Reichen. Hier, in luxuriösen Lofts und vollklimatisierten Büros, herrscht das Kapital, mit seinem gesellschaftlichen Einfluss und seinen weltweiten Kontakten. Statistiker schätzen, dass zwischen fünf und zehn Prozent der Moskauer Bevölkerung zu den tatsächlich Wohlhabenden gehören. Weitere vierzig Prozent zählen zur Mittelschicht. Diese eher konsumstarke Hälfte der Einwohnerschaft ist es auch, die in den schicken Läden an der Twerskaja-Straße für Umsatz sorgt. Die andere Hälfte ist - nach westeuropäischen und Moskauer Maßstäben - arm. Ihr typischer Wohnort sind die Plattenbausiedlungen an der städtischen Peripherie, jenseits der ausgedehnten Gärten und Parks.
Jahre des Wandels
Politische Macht, Wirtschaftskraft, Armut: drei Begriffe, die das "Koordinatensystem" des heutigen Moskau beschreiben. An der architektonischen Oberfläche - und bis in die Tiefen des Lebensgefühls - hat Moskau seit Beginn der 1990er Jahre einen ungeheuren Wandel durchlaufen...
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Steckbrief Moskau
Die Hauptstadt der Russischen Föderation hat laut staatlicher Statistik 10.563.038 Einwohner (Stand vom 1. Januar 2010). Neun der zehn Moskauer Bezirke liegen fast kreisförmig um den Zentralbezirk, in dem sich auch der Kreml und der Rote Platz befinden.
Mitten durch die Stadt schlängelt sich von Nordost nach Südwest die Moskwa, ein im Stadtinneren 120 bis 200 Meter breiter Fluss. Gärten und Parks bedecken fast ein Drittel des 1097,2 Quadratkilometer umfassenden Stadtgebiets. Stadtgrenze ist im Wesentlichen der 1962 angelegte, 109 Kilometer lange Autobahnring.
Bezogen auf die Einwohnerzahl ist Moskau die größte Stadt Europas - und, mit über 600, auch die Stadt mit den meisten Kirchen. Der Patriarch der russisch-orthodoxen Kirche übt sein Amt im Moskauer Danilow-Kloster aus. Das größte Kirchengebäude ist die Christ-Erlöser-Kathedrale, deren Abriss zur Stalinzeit und Wiederaufbau nach dem Ende der Sowjetunion jeweils Zeichen setzten.
Neun riesige Kopfbahnhöfe, drei internationale Flughäfen und drei Binnenhäfen machen die Stadt zum wichtigsten Verkehrsknotenpunkt Russlands. Weltberühmt sind das Bolschoi-Theater, das Warenhaus GUM und die Tretjakow-Galerie.
Die Hauptstadt der Russischen Föderation hat laut staatlicher Statistik 10.563.038 Einwohner (Stand vom 1. Januar 2010). Neun der zehn Moskauer Bezirke liegen fast kreisförmig um den Zentralbezirk, in dem sich auch der Kreml und der Rote Platz befinden.
Mitten durch die Stadt schlängelt sich von Nordost nach Südwest die Moskwa, ein im Stadtinneren 120 bis 200 Meter breiter Fluss. Gärten und Parks bedecken fast ein Drittel des 1097,2 Quadratkilometer umfassenden Stadtgebiets. Stadtgrenze ist im Wesentlichen der 1962 angelegte, 109 Kilometer lange Autobahnring.
Bezogen auf die Einwohnerzahl ist Moskau die größte Stadt Europas - und, mit über 600, auch die Stadt mit den meisten Kirchen. Der Patriarch der russisch-orthodoxen Kirche übt sein Amt im Moskauer Danilow-Kloster aus. Das größte Kirchengebäude ist die Christ-Erlöser-Kathedrale, deren Abriss zur Stalinzeit und Wiederaufbau nach dem Ende der Sowjetunion jeweils Zeichen setzten.
Neun riesige Kopfbahnhöfe, drei internationale Flughäfen und drei Binnenhäfen machen die Stadt zum wichtigsten Verkehrsknotenpunkt Russlands. Weltberühmt sind das Bolschoi-Theater, das Warenhaus GUM und die Tretjakow-Galerie.
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Moskaus Metro
302 Kilometer lang, 180 oft prachtvoll ausgestattete Stationen, 2,4 Milliarden Fahrgäste pro Jahr - das ist die Moskauer Metro. Drei Jahre intensiver Bautätigkeit gingen ihrer Eröffnung 1935 voraus: Unter Führung des sowjetischen Superfunktionärs Lasar Kaganowitsch wirkten durch Propaganda und Einsatz großer finanzieller Mittel motivierte Menschenmassen am Bau mit.
Die Metro war damals das sozialistische Vorzeigeprojekt. Auch deutsche kommunistisch eingestellte Konstrukteure und Ingenieure - die nach Hitlers Machtergreifung aus Deutschland geflohen waren - leisteten wichtige Beiträge. Während des Zweiten Weltkriegs dienten zahlreiche U-Bahnstationen als Bunker.
Nach 1950 erweiterte man das Netz fortlaufend. Oberirdisch gelegene, so genannte Light-Metrostrecken verbinden heute sogar entfernte Siedlungsgebiete mit der Moskauer Innenstadt. Nicht verstummen wollen Gerüchte über ein zweites, geheimes Metronetz unterhalb des hauptstädtischen Zentrums, das angeblich der Staatsführung als Transportmittel im Krisenfall zur Verfügung stehen soll.
302 Kilometer lang, 180 oft prachtvoll ausgestattete Stationen, 2,4 Milliarden Fahrgäste pro Jahr - das ist die Moskauer Metro. Drei Jahre intensiver Bautätigkeit gingen ihrer Eröffnung 1935 voraus: Unter Führung des sowjetischen Superfunktionärs Lasar Kaganowitsch wirkten durch Propaganda und Einsatz großer finanzieller Mittel motivierte Menschenmassen am Bau mit.
Die Metro war damals das sozialistische Vorzeigeprojekt. Auch deutsche kommunistisch eingestellte Konstrukteure und Ingenieure - die nach Hitlers Machtergreifung aus Deutschland geflohen waren - leisteten wichtige Beiträge. Während des Zweiten Weltkriegs dienten zahlreiche U-Bahnstationen als Bunker.
Nach 1950 erweiterte man das Netz fortlaufend. Oberirdisch gelegene, so genannte Light-Metrostrecken verbinden heute sogar entfernte Siedlungsgebiete mit der Moskauer Innenstadt. Nicht verstummen wollen Gerüchte über ein zweites, geheimes Metronetz unterhalb des hauptstädtischen Zentrums, das angeblich der Staatsführung als Transportmittel im Krisenfall zur Verfügung stehen soll.



