Sinnbild der Moderne
Für sechzig Gulden kaufte Peter Minuit im Jahr 1626 Einheimischen die Insel Manna-Hatta ab. Die Siedlung wurde zu einem Grundpfeiler des amerikanischen Selbstbilds - und begründete einen globalen Mythos.Rund 47 Millionen Menschen besuchten 2009 die Stadt New York. Sie gaben 28 Milliarden US-Dollar aus, verschafften der Stadt noch mal ein Viertel davon an Steuereinnahmen und sicherten mit ihrem Aufenthalt 203.649 Jobs. Wie lässt sich der Wandel des einstigen Umschlagplatzes für Biberpelze zu einem der wirkungsmächtigsten Mythen des Zwanzigsten Jahrhunderts erklären? Wie kommt es, dass Ziel- und Wunschvorstellungen der westlichen Welt in dieser Stadt zusammenzufließen scheinen?
Spirit of New York
"Amerika ist ein sauberer Vorort von New York." So beschreibt Ephraim Kishon das Verhältnis der Millionenstadt zum übrigen Teil des Landes. Seit Generationen schon strahlt die eigenwillige Schönheit und breitet sich die Energie der Stadt, der Spirit of New York, auch auf den Rest der Welt aus: Tatsächlich wird unser Blick auf Amerika stark von den Superlativen New Yorks verstellt.
Stadt der Rekorde
So hielt die Stadt am Hudson River nach der Wende zum Zwanzigsten Jahrhundert die Rekorde für die größte Einwohnerzahl, die höchsten Gebäude, die längsten Brücken, die meistgenutzte U-Bahn und den meistfrequentierten Hafen der Erde. New Yorks Völker- und Kulturmix ist heute der vielgestaltigste auf dem Globus. Es gibt mehr Zeitungen, Zeitschriften, Verlage, Theater, Galerien und Restaurants als irgendwo sonst.
Mehr als ein Drittel aller Finanztransaktionen der Welt laufen an 365 Tagen im Jahr über New Yorker Computer. Für den Kosmopolitismus der Stadt gilt wohl, was Voltaire schon im 18. Jahrhundert über die Londoner Börse sagte: "Muslime, Christen und Juden sind im Handeln Gleiche, die einzigen Ungläubigen sind die Zahlungsunfähigen."
Im kollektiven Gedächtnis
Als sprichwörtlicher Schmelztiegel für alle Schichten, Hautfarben, Nationalitäten und Weltanschauungen barg die Stadt aber auch den idealen Nährboden für den sich im Zwanzigsten Jahrhundert entfesselnden Individualismus. So hat sich der Mythos vom herkunftsunabhängigen gesellschaftlichen Aufstieg tief ins kollektive Gedächtnis der Stadtbewohner eingeprägt.
Vom Tellerwäscher zum Millionär - ein bisschen beschreibt das auch die Entwicklung einer Stadt, die erst in der Moderne entstand. Erst 1898 nämlich wurden die Stadtbezirke Manhattan, Brooklyn, Queens, Staten Island und die Bronx zu einem in sich geschlossenen Stadtgebilde zusammengefügt. Diese Zusammenlegung sollte sich nicht nur städtebaulich als Vorteil erweisen.
New Yorks Aufstieg
Konnte sich nämlich Boston seit Ende des 19. Jahrhunderts als Schaltstelle der Zeitungs- und Buchverleger behaupten, entwickelte sich New York City im beginnenden Zwanzigsten Jahrhundert zusehends zum kulturellen und intellektuellen Zentrum der USA. So stieg der Broadway zum Dreh- und Angelpunkt der amerikanischen Theaterkultur auf. Die Standards des Metropolitan Museum of Art und der Metropolitan Opera waren vergleichbar mit denen der europäischen Vorbilder. Der Stadtteil Greenwich Village wurde zum Viertel der Künstler- und Intellektuellen.
Herausforderungen für die Baubehörden
Es war die Zeit, in der sich mit der Entstehung großer Apartmenthäuser die Formen des Zusammenlebens änderten. So lösten um 1900 die neu entstandenen luxuriösen Apartmentblocks langsam die früheren Sandsteinvillen als Domizil für die New Yorker Oberschicht ab. Anhaltende Migrationsschübe und die ohnehin prekäre Situation auf dem Wohnungsmarkt (1914 lebten in der Lower East Side rund hunderttausend Menschen auf einem Quadratkilometer) forderten den Baubehörden Höchstleistungen ab...
Seite
1
| 2
Dieser Artikel gehört zum Thema
| New York | ![]() |
Infobox
Die Harlem Renaissance...
war eine Bewegung afroamerikanischer Schriftsteller, Künstler und Intellektueller in den Zwanziger Jahren. Ihr Ziel war es, durch Provokation die Akzeptanz schwarzer Kultur in der amerikanischen Gesellschaft zu fördern.
Das künstlerische Selbstverständnis der Beteiligten entsprang vor allem dem Wunsch, mit kreativen Mitteln das Bild des Schwarzen zu verändern, Rassismus mit einer ästhetischen Bewegung zu überwinden. Ihre Anhänger kritisierten ebenso die schwarze wie auch die weiße Oberschicht.
Hilfreich war das Fire!! -Magazin: Das Heft galt den Machern als Gesamtkunstwerk. Zwar erschien es nur einmal, hatte aber Potential genug, um seit 1926 nicht in Vergessenheit zu geraten.
Essays, Kurzgeschichten und Gedichte erschienen neben Illustrationen und Fotografien der Reformer. Themen wie Homosexualität und Rassismus stellten die Vorurteile von Mehrheiten auch unter Schwarzen in Frage. Im Unterschied zu anderen Publikationen schwarzer Autoren finanzierte sich dieses Heft nicht durch generöse Weiße, sondern mit den Mitteln seiner Beteiligten.
Tatsächlich gelang es den Autoren Langston Hughes, Richard Bruce, Zora Neale Hurston und Carl van Vechten neben vielen anderen, prägend auf die Gegenwartskultur einzuwirken.
Im Zuge der globalen Wirtschaftskrise, der Großen Depression der frühen 1930er Jahre, verebbte jedoch die Harlem Renaissance. Heute sind eher deren Musiker wie Louis Armstrong, Ella Fitzgerald oder die Schauspielerin Josephine Baker in Erinnerung geblieben.
Das künstlerische Selbstverständnis der Beteiligten entsprang vor allem dem Wunsch, mit kreativen Mitteln das Bild des Schwarzen zu verändern, Rassismus mit einer ästhetischen Bewegung zu überwinden. Ihre Anhänger kritisierten ebenso die schwarze wie auch die weiße Oberschicht.
Hilfreich war das Fire!! -Magazin: Das Heft galt den Machern als Gesamtkunstwerk. Zwar erschien es nur einmal, hatte aber Potential genug, um seit 1926 nicht in Vergessenheit zu geraten.
Essays, Kurzgeschichten und Gedichte erschienen neben Illustrationen und Fotografien der Reformer. Themen wie Homosexualität und Rassismus stellten die Vorurteile von Mehrheiten auch unter Schwarzen in Frage. Im Unterschied zu anderen Publikationen schwarzer Autoren finanzierte sich dieses Heft nicht durch generöse Weiße, sondern mit den Mitteln seiner Beteiligten.
Tatsächlich gelang es den Autoren Langston Hughes, Richard Bruce, Zora Neale Hurston und Carl van Vechten neben vielen anderen, prägend auf die Gegenwartskultur einzuwirken.
Im Zuge der globalen Wirtschaftskrise, der Großen Depression der frühen 1930er Jahre, verebbte jedoch die Harlem Renaissance. Heute sind eher deren Musiker wie Louis Armstrong, Ella Fitzgerald oder die Schauspielerin Josephine Baker in Erinnerung geblieben.



