Urbi et Orbi
Sich Rom als Ganzem zu nähern, Geschichte und Gegenwart in Beziehung zu setzen, scheint schwierig. Denn was außer Überbleibseln verbindet das alte Rom noch mit der lebendigen Metropole von heute?Mindestens einmal pro Jahr - jeweils am Ostersonntag - schauen Milliarden Menschen auf die Stadt Rom: Von der Loggia über den Toren des Petersdoms spendet der Papst den Segen, umjubelt von Tausenden Besuchern.
"Der Stadt und dem Erdkreis" gilt der päpstliche Segen - Urbi et Orbi -, eine Formel, die altem römischen Reichsdenken entstammt. Neben und im christlichen Gehalt des Ostersegens erwacht so noch einmal die Weltmetropole Rom zu ideellem Leben, Mittelpunkt des "Erdkreises", Kommandostadt des römischen Imperiums.
Unangreifbare Macht
Denn genau das war Rom, diese erste Millionenstadt der Antike. Der Legende nach am 21. April 753 v. Chr. von Romulus gegründet, expandierte der Stadtstaat unaufhaltsam. Im 1. Jahrhundert v. Chr., zur Zeit Caesars, überschritt die Einwohnerzahl die Million. Den Italikern und den "Barbaren" des Nordens, den Menschen in Nordafrika und in den spanischen und griechischen Provinzen war Rom nicht nur Verkörperung des Reichs, es war auch ein gleichsam über den Wolken schwebender Begriff: feine, manchmal handfeste, alles durchdringende, oft abstrakte und daher unangreifbare Macht.
Magnetisches Feld
Wie ein Magnet zieht das Rom unserer Tage Besucher an, nicht selten geleitet vom Interesse an den Überresten der antiken Kultur: das Pantheon, mit dem einzigen erhaltenen Kuppelbau der Antike, Forum Romanum und Kolosseum, die Caracalla-Thermen und die Katakomben...
Wie Linien eines magnetischen Feldes verliefen auch damals, während der imperialen Epoche, die Wirkungen römischer Macht über die dem westlichen Menschen erschlossene Welt. Rom, die Stadt als solche, als isolierter Wirtschaftskörper, galt schon in der Antike als kaum daseinsfähig: Das Umland, und in immer größerem Ausmaß auch Importe aus fernen Regionen, sicherten den Stadtbewohnern Luxus oder Überleben.
Kunst, die Welt zu regieren
Rom, den Begriff, aber setzte das Denken der Zeitgenossen mit dem "Erdkreis" gleich, das Wort stand für die ewige Ordnung, für Recht und unverzichtbare Struktur. Die Kunst des Römers sei, die Welt zu regieren, den Völkern Friedensgesetze zu geben, Besiegte zu schonen und Stolze zu beugen, erfahren wir in der Äneis, der großen Erzählung des Geschichtsschreibers Vergil (70 bis 19 v. Chr.) über Frühzeit und historische Rolle Roms. Den damaligen Lesern des Vergil wäre das Verschwinden Roms gleichbedeutend mit dem Weltuntergang gewesen.
Metaphysische Daseinsform
Die "Ewige Stadt" prägte menschliches Denken über Jahrtausende. Damals wie heute verbinden Menschen umfassende Macht mit dem Vorhandensein einer Zentrale, eines Kommandozentrums eben, das ins Leben eingreift und Schicksal spielt. Geht ein solcher Ort physisch unter, muss man ihn in eine andere, metaphysische Daseinsform heben - schon um die Welt am Laufen zu halten. Der reale Untergang des antiken Rom nun fällt annähernd zusammen mit dem Anbruch des Mittelalters. Historiker geben den Gotenkrieg (535 bis 552) als Wendepunkt an...
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Rund 2,5 Millionen Menschen...
wohnen heute im Stadtgebiet von Rom. Noch einmal 3,3 Millionen kommen hinzu, bezieht man die ganze Region Latium an den Ufern des Tiber ein. Politisch ist Rom ein Unikum: Erstens ist die Tiber-Metropole natürlich Hauptstadt Italiens. Zweitens ist sie Sitz des Malteser-Ordens, ebenfalls ein eigenständiges Subjekt des Völkerrechts (Staat ohne Staatsgebiet). Eigenständiges Völkerrechtssubjekt ist, drittens, auch der Vatikan, der Sitz des Bischofs von Rom, des Papstes. Eine dreifache Hauptstadt also! Gegliedert ist Rom in 19 Bezirke (Munizipien) und 155 Stadtbereiche.
Größere Probleme als mit der anspruchsvollen, oft denkmalgeschützten Bausubstanz der inneren Bezirke hat die Stadtverwaltung mit den Außenbezirken: Armut und hohe Kriminalitätsraten schaffen Unsicherheit, gegen Bestechung, im Wildwuchs und ohne Genehmigungsverfahren errichtete Gebäude verlottern. Solche urbanen Regionen aber sieht der normale Rom-Tourist kaum.
Eher auf Distanz an diesen Bezirken vorbei strömen auch die Menschenmassen, die der "Heiligen Stadt" anlässlich von Großereignissen einen Besuch abstatten: zum Beispiel während der Begräbnisfeierlichkeiten für Papst Johannes Paul II., zu denen sich im April 2005 fast drei Millionen Menschen aus aller Welt auf Roms Straßen und Plätzen versammelten.
wohnen heute im Stadtgebiet von Rom. Noch einmal 3,3 Millionen kommen hinzu, bezieht man die ganze Region Latium an den Ufern des Tiber ein. Politisch ist Rom ein Unikum: Erstens ist die Tiber-Metropole natürlich Hauptstadt Italiens. Zweitens ist sie Sitz des Malteser-Ordens, ebenfalls ein eigenständiges Subjekt des Völkerrechts (Staat ohne Staatsgebiet). Eigenständiges Völkerrechtssubjekt ist, drittens, auch der Vatikan, der Sitz des Bischofs von Rom, des Papstes. Eine dreifache Hauptstadt also! Gegliedert ist Rom in 19 Bezirke (Munizipien) und 155 Stadtbereiche.
Größere Probleme als mit der anspruchsvollen, oft denkmalgeschützten Bausubstanz der inneren Bezirke hat die Stadtverwaltung mit den Außenbezirken: Armut und hohe Kriminalitätsraten schaffen Unsicherheit, gegen Bestechung, im Wildwuchs und ohne Genehmigungsverfahren errichtete Gebäude verlottern. Solche urbanen Regionen aber sieht der normale Rom-Tourist kaum.
Eher auf Distanz an diesen Bezirken vorbei strömen auch die Menschenmassen, die der "Heiligen Stadt" anlässlich von Großereignissen einen Besuch abstatten: zum Beispiel während der Begräbnisfeierlichkeiten für Papst Johannes Paul II., zu denen sich im April 2005 fast drei Millionen Menschen aus aller Welt auf Roms Straßen und Plätzen versammelten.



