Gewinner oder Verlierer?
Olympische Premiere: In Vancouver sind vier Ureinwohnerstämme unter den Gastgebern. Doch die Winterspiele 2010 treiben einen Keil zwischen Häuptlinge und Stammesmitglieder.Joe Capilano, Häupling der Squamish von 1895 bis 1910, bekämpfte die Politik der Zwangsassimilierung und Enteignung.
Zwiespältige Haltung
Allerdings stieß diese Entscheidung schon damals auf Widerstand, sowohl von Mitgliedern der Gastgeberstämme als auch einigen Ureinwohnern anderer Stämme. Dort hat man sich in den zurückliegenden Jahren wieder auf Traditionen besonnen und nutzt natürliche Ressourcen wie Fisch verstärkt als Existenzgrundlage. Etliche Nachfahren der Ureinwohner leben heute von nachhaltigem Ökotourismus. Sie fürchten, dass beim Bau von Sportstätten und anderen olympischen Bauten der Schutz der Umwelt nicht beachtet wird, stattdessen aber rein ökonomische Gesichtspunkte im Vordergrund stehen.
Vermarktungsrechte für die Stämme
Tatsächlich sehen die Befürworter vor allem den finanziellen Nutzen der Olympischen Spiele. Mit dem staatlichen Organisationskomitee wurde ein Vertrag geschlossen, der den Gastgeberstämmen die Urheberrechte an verschiedenen Logos und Symbolen sichert, unter anderem an den drei Maskottchen Quatchi, Sumi und Miga. Diese Figuren basieren auf Legenden der First Nations - durch die Vermarktung fließt Geld an die Ureinwohner. Stämme, die nicht zu den vier Gastgeberstämmen gehören, deren Gebiete aber nahe den Sportstätten liegen, haben sich an Casinos, Erlebnisbädern und Hotels beteiligt. Auch sie wollen von Olympia profitieren.
Die Olympia-Maskottchen Quatchi, Sumi und Miga: Sie basieren auf Legenden der Ureinwohner. (Bild: VANOC/COVAN)
Im nichtolympischen Alltag sind die Ureinwohner eher benachteiligt: Knapp vier Prozent der Bürger des Landes rechnen sich einem der Ureinwohnerstämme zu. Viele von ihnen leben in Armut und kämpfen mit sozialen Problemen. Obwohl beispielsweise nur zwei Prozent der Einwohner Vancouvers zu den Nachfahren der Ureinwohner gehören, machen sie fast ein Drittel der Obdachlosen der Stadt aus. Angesichts solch existenzieller Probleme haben es die Ureinwohner des Landes schwer, ihre eigene, jahrtausendealte Kultur zu leben.
Ursprüngliche Lebensweise
Einst siedelten auf dem Gebiet des heutigen Kanada über sechshundert Stämme. Die meisten von ihnen zogen umher und richteten sich dabei nach Tierwanderungen und Jahreszeiten. Ähnlich wie in den USA begann mit dem Eintreffen der Europäer um 1600 eine Phase der Unterdrückung und Zerstörung der indianischen Kultur.
Protestaktionen
Die Olympia-Gegner unter den Ureinwohnern sehen in den Spielen keinen Ausweg aus ihrer sozialen Misere. Sie blockierten während der Vorbereitungsphase Zugangsstraßen zu Baugebieten, schrieben einen offenen Brief an das Olympische Komitee und forderten zum Boykott der Spiele auf. Damit bekundeten viele offen ihren Widerstand gegen die eigenen Häuptlinge. Der Riss zwischen Gegnern und Befürwortern verläuft nicht entlang von Stammesgrenzen, sondern spaltet die einzelnen Stämme.
Mareike Wiemann (11.01.2009)
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Landrechte der Ureinwohner
Die Forderungen der indianischen Olympiakritiker werden gestützt durch das Delgamuukw vs. British Columbia-Urteil des Obersten Kanadischen Gerichtshofs aus dem Jahr 1997.
Der Prozess begann bereits 1984, als zwei Ureinwohnerstämme rund 58.000 Quadratkilometer Land von der Provinzregierung von British Columbia forderten. Sie erklärten, das Land ihrer Vorfahren sei ihnen unrechtmäßig weggenommen worden. Als Nachweis für ihren Anspruch legten sie mündlich überlieferte Geschichten ihrer Stämme vor.
Der Streit zog sich über Jahre hin, denn die Provinzregierung war der Ansicht, dass der Anspruch der Ureinwohner auf ihre eigenen Gebiete mit der Staatsgründung Kanadas 1871 nichtig geworden sei.
Die Regierungsvertreter argumentierten außerdem, dass Zugeständnisse an die Ureinwohner allein vom Wohlwollen der zuständigen Regierung abhängig seien. Der Oberste Gerichtshof entschied jedoch zugunsten der Ureinwohner.
Seitdem müssen sich Regierung und Bauunternehmen zuerst mit den betroffenen Stämmen absprechen, wenn es um den Verkauf von Land und Ressourcen geht. Bei einigen Olympiaprojekten scheint diese Regel jedoch verletzt worden zu sein.
Die Forderungen der indianischen Olympiakritiker werden gestützt durch das Delgamuukw vs. British Columbia-Urteil des Obersten Kanadischen Gerichtshofs aus dem Jahr 1997.
Der Prozess begann bereits 1984, als zwei Ureinwohnerstämme rund 58.000 Quadratkilometer Land von der Provinzregierung von British Columbia forderten. Sie erklärten, das Land ihrer Vorfahren sei ihnen unrechtmäßig weggenommen worden. Als Nachweis für ihren Anspruch legten sie mündlich überlieferte Geschichten ihrer Stämme vor.
Der Streit zog sich über Jahre hin, denn die Provinzregierung war der Ansicht, dass der Anspruch der Ureinwohner auf ihre eigenen Gebiete mit der Staatsgründung Kanadas 1871 nichtig geworden sei.
Die Regierungsvertreter argumentierten außerdem, dass Zugeständnisse an die Ureinwohner allein vom Wohlwollen der zuständigen Regierung abhängig seien. Der Oberste Gerichtshof entschied jedoch zugunsten der Ureinwohner.
Seitdem müssen sich Regierung und Bauunternehmen zuerst mit den betroffenen Stämmen absprechen, wenn es um den Verkauf von Land und Ressourcen geht. Bei einigen Olympiaprojekten scheint diese Regel jedoch verletzt worden zu sein.



