Das Wiengefühl
Oft präsentiert Wien sich in verklärten Bildern von Prater bis Stephansdom und Sissi - nicht nur in diversen Reiseführern, die behaupten, dass Wien keine Stadt sei, sondern mehr ein Gefühl."Wenn ich an Wien denke, überfällt mich eine Mischung aus Wehmut und Erleichterung. Wehmut, weil ich nicht mehr dort lebe, und Erleichterung, dass ich nicht mehr dort lebe." Mit diesen Worten beginnt die Journalistin Monika Czernin ihre Gebrauchsanweisung für Wien und bringt sogleich die typischste Eigenschaft dieser Stadt und ihrer Bewohner auf den Punkt: Ambivalenz. Wien ist eine Stadt der Widersprüche, Gegensätze und sich ständig wandelnder Stimmungen, eine Stadt zwischen Nostalgie und Moderne.
Wien bleibt Wien?
Das hat in der Zwischenzeit ebenfalls die Fremdenverkehrswerbung erkannt: Seit kurzem wirbt der Slogan "Wien ist anders" für die österreichische Hauptstadt. Zuckerguss-Herrlichkeit, Kaffeehaus-Gemütlichkeit und andere über Jahrzehnte für und von Touristen kultivierte Klischees sollen in Zukunft der Vergangenheit angehören. Stephansdom, Hofburg und Prater sind längst nicht alles, was Wien seinen Besuchern zu bieten hat. Doch noch immer will die Stadt einem Bild gerecht werden, das sie selbst von sich gefertigt hat: das Bild von einer geordneten und geborgenen Welt, die es so jedoch nicht mehr gibt.
Schwäche für Vergangenes
Wien sei im Grunde noch immer eine Stadt des 19. Jahrhunderts, behauptet der Wiener Journalist Stephan Templ. Demzufolge haben Wien und die Wiener so einige Probleme damit, sich auf Neues einzulassen, statt Vergangenes zu bewahren. Wien schwärmt für seine Vergangenheit, genießt seinen Ruhm als Kulturmetropole und sonnt sich im Glanz imperialer Fassaden - manchmal in leiser Trauer darüber, dass vom einstigen Reich der Habsburger so richtig bloß die Hauptstadt übrig blieb.
Gezwungene Weltoffenheit
Doch die kaiserliche Residenzstadt Wien, deren Weltstadtanspruch mehr von oben aufgezwungen war, stand schon immer im Gegensatz zum Selbstverständnis Wiens als Stadt der Groß- und Kleinbürger.
Das Bild der Stadt ist geprägt durch eine kleinteilige, überschaubare Struktur mit verschiedenen Orientierungspunkten. Wiens Charakter ist der eines Dorfes in Form einer Großstadt, mit der Möglichkeit, sich in die "heile" Welt gediegener Bürgerlichkeit zurückzuziehen.
Schmankerl-Welt
Dieser Rückzug in die so genannte Schmankerl-Welt ist bestimmend für die Wiener Mentalität: Die "Hauptstadt der Höflichkeit" legt häufig eine majestätische Unnahbarkeit Fremden gegenüber an den Tag. Der berühmte Wiener Schmäh beruht weniger auf Herzlichkeit denn auf höflicher Distanz. Wien ist mit sich selbst beschäftigt, pflegt seine geliebten Traditionen und poliert seine ehrwürdige Geschichte auf Hochglanz...
In letzter Zeit schwärmen die Reiseführer, in Wien sei ein neues Barock ausgebrochen, geprägt durch Lebensfreude, Kreativität und die Verbindung von Traditionellem und Zeitgenössischem. Doch wie auch schon im "ersten" Barock ist hier meist mehr Schein als Sein: Die Wiener sind eben bedacht auf Fassade und Oberfläche. Dahinter blicken sollen die Touristen nicht - weder hinter die Fassaden der prunkvollen Architekturen, noch hinter die Fassaden der Wiener selbst.
Die Ober der Wiener Kaffeehäuser sind berühmt für augenzwinkernden Charme und zurückhaltende Arroganz.
Wiener haben eben eine große Leidenschaft fürs Theater, und so spielen sie auch selbst gern eine Rolle. Sei es ihr Charme oder ihre Melancholie - beides sind Masken auf der großen Bühne, und Wien gibt die perfekte Kulisse her. Für jedes Publikum ist etwas dabei: der elegant-arrogante Ober im Kaffeehaus, der den geschmeichelten Touristen schon mal zum "Herrn Direktor" macht, oder der "grantelnde" Taxifahrer mit dem jammernd vorgetragenen Selbstmitleid. Wien hat viele Seelen - sie alle ergeben die berühmte Wiener Melange...
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Infobox
Der Wiener Opernball
Die Geschichte des Wiener Opernballs beginnt eigentlich in Paris. Dort wurde 1716 erstmals ein öffentlicher Ball veranstaltet, zu dem jeder Zutritt hatte, der über das nötige Kleingeld verfügte. Er war Vorbild für den späteren Opernball.
1869 verbot der Kaiser Franz Joseph I. noch die Durchführung eines Tanzfestes in seiner gerade neu gebauten Oper. Erst 1877 erlaubte er endlich eine Soirée, auf der offiziell aber nicht getanzt werden durfte.
Doch nach der Eröffnung mit Mendelssohns Hochzeitsmarsch hielt die Wiener nichts mehr auf den Stühlen. Dies gilt als Geburtsstunde des Wiener Opernballs. Viele der alten Traditionen gibt es bis heute.
Dazu gehört neben der Kleiderordnung - Herren kommen im Frack, Damen im langen Abendkleid - auch die Eröffnung durch 180 Debütantinnen, die damit in die vornehme Wiener Gesellschaft eingeführt werden.
Die Geschichte des Wiener Opernballs beginnt eigentlich in Paris. Dort wurde 1716 erstmals ein öffentlicher Ball veranstaltet, zu dem jeder Zutritt hatte, der über das nötige Kleingeld verfügte. Er war Vorbild für den späteren Opernball.
1869 verbot der Kaiser Franz Joseph I. noch die Durchführung eines Tanzfestes in seiner gerade neu gebauten Oper. Erst 1877 erlaubte er endlich eine Soirée, auf der offiziell aber nicht getanzt werden durfte.
Doch nach der Eröffnung mit Mendelssohns Hochzeitsmarsch hielt die Wiener nichts mehr auf den Stühlen. Dies gilt als Geburtsstunde des Wiener Opernballs. Viele der alten Traditionen gibt es bis heute.
Dazu gehört neben der Kleiderordnung - Herren kommen im Frack, Damen im langen Abendkleid - auch die Eröffnung durch 180 Debütantinnen, die damit in die vornehme Wiener Gesellschaft eingeführt werden.


