Der "Macher"
Von der Weimarer Republik bis zum wiedervereinten Deutschland: Manfred von Ardenne gelang es, in Systemen unterschiedlicher ideologischer Couleur zu bestehen und seine Ideen trotz Widerständen umzusetzen.Manfred Baron von Ardenne (1907-1997) gilt bis heute als Ausnahmeerscheinung in der Wissenschaftsgeschichte des letzten Jahrhunderts. (Porträt von 1931)
Erfolgsstory mit Beigeschmack
Im Laufe seines langen Lebens widmete sich Ardenne unzähligen wissenschaftlichen Fragestellungen - angefangen bei der drahtlosen Telegrafie über kernphysikalische Probleme im Dritten Reich, wie auch nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in der Sowjetunion, bis hin zu biomedizinischer Forschung in der DDR. Doch die außergewöhnliche Erfolgsgeschichte hat einen Beigeschmack.
Beschaffung von Ressourcen
Zur Umsetzung seiner Ziele und Ideen war Ardenne gezwungen, sich unterschiedlichen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen anzupassen. Wie glänzend ihm dies gelang, zeigt Dr. Gerhard Barkleit, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Dresdner Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung, in seinem 2006 veröffentlichten Buch Manfred von Ardenne. Selbstverwirklichung im Jahrhundert der Diktaturen. Bei der Lektüre fällt immer wieder ein Wort ins Auge - Ressourcen, genauer: die Beschaffung von Ressourcen.
Manfred von Ardenne und John L. Baird stellen den ersten Fernsehempfänger mit Kathodenstrahlröhre vor (1931).
Stets bemüht, Verwertungsmöglichkeiten für seine Erfindungen zu erschließen, suchte und fand Ardenne in gleich drei Weltanschauungsdiktaturen "hilfreiche Nähe zu exponierten Vertretern der Macht". Neben seinen persönlichen Beziehungen zu den Mächtigen in Politik und Gesellschaft war es vor allem Ardennes Mitarbeit an zivilen und militärischen Prestigeprojekten, welche ihm "Aufmerksamkeit zum Zwecke der leichteren Beschaffung von Ressourcen" garantierte. Seine Bereitschaft, sich mit der Macht zu arrangieren, ermöglichte es Ardenne, notwendige Mittel - finanzieller, materieller und geistiger Natur - zur Umsetzung seiner wissenschaftlichen und technischen Projekte zu beschaffen. Wie ein roter Faden ziehen sich Anstrengungen, Forschungsgelder zu akquirieren, das Institut zu bewahren und als privaten Besitz zu erhalten, durch Ardennes Biografie...
Seite
1
| 2
Infobox
Der Erfinder
Bereits im Alter von sechzehn Jahren meldete Ardenne sein erstes Patent an, für ein Verfahren zur Erzielung einer Tonselektion, insbesondere für die Zwecke der drahtlosen Telegraphie. Im selben Jahr noch verließ er vorzeitig das Gymnasium, um im heimischen Labor weiter an Funkgeräten herumzutüfteln.
Die Fürsprache prominenter Wissenschaftler ermöglichte es dem jungen Erfinder, an der Berliner Universität Vorlesungen in Physik, Chemie und Mathematik zu besuchen. Nach vier Semestern jedoch drängte es den kreativen Geist aus dem Korsett des Universitätsbetriebs in die Selbstständigkeit.
In Berlin-Lichterfelde richtete sich der gerade 21jährige Ardenne ein eigenes Laboratorium für Elektronenphysik ein, finanziert durch Einnahmen aus den Lizenzverträgen seiner Erfindungen. Von hier aus prägte er maßgeblich die Entwicklung der Rundfunktechnik.
Bereits im Alter von sechzehn Jahren meldete Ardenne sein erstes Patent an, für ein Verfahren zur Erzielung einer Tonselektion, insbesondere für die Zwecke der drahtlosen Telegraphie. Im selben Jahr noch verließ er vorzeitig das Gymnasium, um im heimischen Labor weiter an Funkgeräten herumzutüfteln.
Die Fürsprache prominenter Wissenschaftler ermöglichte es dem jungen Erfinder, an der Berliner Universität Vorlesungen in Physik, Chemie und Mathematik zu besuchen. Nach vier Semestern jedoch drängte es den kreativen Geist aus dem Korsett des Universitätsbetriebs in die Selbstständigkeit.
In Berlin-Lichterfelde richtete sich der gerade 21jährige Ardenne ein eigenes Laboratorium für Elektronenphysik ein, finanziert durch Einnahmen aus den Lizenzverträgen seiner Erfindungen. Von hier aus prägte er maßgeblich die Entwicklung der Rundfunktechnik.
Infobox
Ardennes Krebsforschung
Zeitlebens wurde Ardenne von renommierten Wissenschaftlern als Außenseiter betrachtet. Seine Erfolge gründeten oft auf dem Verlassen tradierter Pfade, in einer anfangs eher spielerischen, später zunehmend systematischen Herangehensweise an wissenschaftliche Probleme.
Als sich Ardenne Ende der 1950er Jahre wieder auf ihm fremdes Terrain wagte, stieß er erneut auf Skepsis: Auf physikalisch-mathematischer Basis wollte Ardenne eine universelle Krebstherapie entwickeln - mit keinem geringeren Ziel, als den Krebs vollständig zu besiegen.
Doch von Beginn an stieß die systemische Krebs-Mehrschritt-Therapie (sKMT) auf strikte Ablehnung etablierter Krebsforscher. Zum einen fürchteten sie, ein Teil der begrenzten staatlichen Forschungsgelder könne in Ardennes Institut fließen - nicht unbegründet hinsichtlich seiner privilegierten Stellung. Zum anderen nahmen sie dem Außenseiter dessen Kritik am bisherigen Stand der Medizin übel.
Bis heute hält die Kontroverse um die Wirksamkeit von Ardennes Krebstherapie an; die sKMT ist keine anerkannte Untersuchungs- und Behandlungsmethode. Während der therapeutische Nutzen noch immer nicht belegt werden konnte, zeigen klinische Studien Risiken bis hin zu lebensbedrohlichen Komplikationen auf.
Zeitlebens wurde Ardenne von renommierten Wissenschaftlern als Außenseiter betrachtet. Seine Erfolge gründeten oft auf dem Verlassen tradierter Pfade, in einer anfangs eher spielerischen, später zunehmend systematischen Herangehensweise an wissenschaftliche Probleme.
Als sich Ardenne Ende der 1950er Jahre wieder auf ihm fremdes Terrain wagte, stieß er erneut auf Skepsis: Auf physikalisch-mathematischer Basis wollte Ardenne eine universelle Krebstherapie entwickeln - mit keinem geringeren Ziel, als den Krebs vollständig zu besiegen.
Doch von Beginn an stieß die systemische Krebs-Mehrschritt-Therapie (sKMT) auf strikte Ablehnung etablierter Krebsforscher. Zum einen fürchteten sie, ein Teil der begrenzten staatlichen Forschungsgelder könne in Ardennes Institut fließen - nicht unbegründet hinsichtlich seiner privilegierten Stellung. Zum anderen nahmen sie dem Außenseiter dessen Kritik am bisherigen Stand der Medizin übel.
Bis heute hält die Kontroverse um die Wirksamkeit von Ardennes Krebstherapie an; die sKMT ist keine anerkannte Untersuchungs- und Behandlungsmethode. Während der therapeutische Nutzen noch immer nicht belegt werden konnte, zeigen klinische Studien Risiken bis hin zu lebensbedrohlichen Komplikationen auf.




