Mehr als 41,7 Millionen Pkw waren laut Statistik des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) am 1. Januar 2010 in Deutschland angemeldet. Davon schluckten 98,9 Prozent Benzin oder Diesel. Lediglich etwa 370.000 Autos tankten Flüssiggas, 68.000 Erdgas; etwas weniger als 1.600 hatten Elektroantrieb und rund 29.000 Hybridantrieb. Trotz ständiger technischer Verbesserungen, trotz steigender Benzinpreise, fristen Autos mit umweltschonenderen und billigeren Antrieben in Deutschland ein Schattendasein.
Verzicht und Defizit
Burkhard Strassmann von der Zeit hat dafür eine Erklärung: "Das Auto der Zukunft kann noch so tolle Werte haben, kann das ökologische Gewissen entlasten und beim Tanken jedes Mal das Herz erfreuen. Wenn es sich nach Verzicht und Defizit anfühlt, wenn es den Spaß bremst und die Fahrfreude vermiest, wird es nicht gekauft." Mit anderen Worten: Ökologisch wertvolle Autos sind Vernunftautos - und Autofahren hat mit Vernunft eben wenig bis gar nichts zu tun. Ein "Suchtmittel" nennt der Umweltjournalist Hanspeter Guggenbühl den fahrbaren Untersatz: "Besitzer und Lenkerinnen stillen damit ihre Reizsucht, Geltungssucht, Sehnsucht, Selbstsucht und - zumindest kurzfristig - ihre Lust auf Geschwindigkeitsrausch."
Durstige Leidenschaft
Ökologisch wertvolle Pkw seien Autofahrern zu klein und zu langsam, argumentiert auch die Autoindustrie: Die Kundschaft habe schlicht kein Interesse daran, wie die geringe Nachfrage zeige. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) deutet an, dass die Autoindustrie an der Leidenschaft für durstige Autos nicht so unschuldig ist, wie sie gern tut: "Autohersteller werben für Spritfresser", ist das Fazit einer 2006 veröffentlichten Studie. "Im Mittelpunkt der Werbung stehen nicht der geringe Verbrauch, sondern Schnelligkeit, Sportlichkeit und unbegrenztes Abenteuer." Beworbene Fahrzeuge weisen einen Durchschnittsverbrauch von etwa 9 Litern auf und stoßen 215 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer aus, so ein Ergebnis der Analyse.
Keine Frage der Technik
"Seit Jahren versprechen Deutschlands Autokonzerne, den CO2-Ausstoß ihrer Karossen zu reduzieren - passiert ist fast nichts", war im Februar 2007 im Spiegel zu lesen. Dabei bedarf es keiner technischen Quantensprünge mehr, um Rohstoffe zu sparen und die Umwelt zu schonen. Motoren, die im Leistungsoptimum arbeiten, Leichtbauweise, schmalere Reifen, Start-Stopp-Automatik - all das gibt es bereits.
Wann kommt der Druck?
Technische Entwicklungen können also nur Teil der Lösung für Probleme wie Rohstoffknappheit und Umweltbelastung sein. Neben sparsameren Autos kommt es auch auf ein Umdenken der mobilen Öffentlichkeit an. Vielleicht beflügeln ja stetig steigende Benzinpreise die Nachfrage nach umwelttauglicheren Autos. Oder sie bewegen Autofahrer gleich zum effizienteren Gebrauch ihres fahrbaren Untersatzes: zum Bilden von Fahrgemeinschaften, zum Umstieg aufs Fahrrad oder in öffentliche Verkehrsmittel. Das schont nicht nur Geldbeutel und Umwelt, sondern - weil man nicht dauernd im Stau steht - auch die Nerven.
Urte Paul (aktualisiert 25.03.2010)
Verzicht und Defizit
Burkhard Strassmann von der Zeit hat dafür eine Erklärung: "Das Auto der Zukunft kann noch so tolle Werte haben, kann das ökologische Gewissen entlasten und beim Tanken jedes Mal das Herz erfreuen. Wenn es sich nach Verzicht und Defizit anfühlt, wenn es den Spaß bremst und die Fahrfreude vermiest, wird es nicht gekauft." Mit anderen Worten: Ökologisch wertvolle Autos sind Vernunftautos - und Autofahren hat mit Vernunft eben wenig bis gar nichts zu tun. Ein "Suchtmittel" nennt der Umweltjournalist Hanspeter Guggenbühl den fahrbaren Untersatz: "Besitzer und Lenkerinnen stillen damit ihre Reizsucht, Geltungssucht, Sehnsucht, Selbstsucht und - zumindest kurzfristig - ihre Lust auf Geschwindigkeitsrausch."
Durstige Leidenschaft
Ökologisch wertvolle Pkw seien Autofahrern zu klein und zu langsam, argumentiert auch die Autoindustrie: Die Kundschaft habe schlicht kein Interesse daran, wie die geringe Nachfrage zeige. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) deutet an, dass die Autoindustrie an der Leidenschaft für durstige Autos nicht so unschuldig ist, wie sie gern tut: "Autohersteller werben für Spritfresser", ist das Fazit einer 2006 veröffentlichten Studie. "Im Mittelpunkt der Werbung stehen nicht der geringe Verbrauch, sondern Schnelligkeit, Sportlichkeit und unbegrenztes Abenteuer." Beworbene Fahrzeuge weisen einen Durchschnittsverbrauch von etwa 9 Litern auf und stoßen 215 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer aus, so ein Ergebnis der Analyse.
Hybridantrieb von Toyota: in schwarz der Verbrennungsmotor, in Silber ein Teil des elektrischen Antriebssystems.
"Seit Jahren versprechen Deutschlands Autokonzerne, den CO2-Ausstoß ihrer Karossen zu reduzieren - passiert ist fast nichts", war im Februar 2007 im Spiegel zu lesen. Dabei bedarf es keiner technischen Quantensprünge mehr, um Rohstoffe zu sparen und die Umwelt zu schonen. Motoren, die im Leistungsoptimum arbeiten, Leichtbauweise, schmalere Reifen, Start-Stopp-Automatik - all das gibt es bereits.
Wann kommt der Druck?
Technische Entwicklungen können also nur Teil der Lösung für Probleme wie Rohstoffknappheit und Umweltbelastung sein. Neben sparsameren Autos kommt es auch auf ein Umdenken der mobilen Öffentlichkeit an. Vielleicht beflügeln ja stetig steigende Benzinpreise die Nachfrage nach umwelttauglicheren Autos. Oder sie bewegen Autofahrer gleich zum effizienteren Gebrauch ihres fahrbaren Untersatzes: zum Bilden von Fahrgemeinschaften, zum Umstieg aufs Fahrrad oder in öffentliche Verkehrsmittel. Das schont nicht nur Geldbeutel und Umwelt, sondern - weil man nicht dauernd im Stau steht - auch die Nerven.
Urte Paul (aktualisiert 25.03.2010)
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Alternative Antriebe
Die Zukunft, so meinen Experten, gehöre dem Elektromotor. Der Übergang ist mit dem Hybridantrieb bereits eingeleitet: Das Auto fährt mit Elektromotor; bei schnellem Fahren und bergauf liefert ein Verbrennungsmotor zusätzliche Energie. Beim Bremsen und Bergabfahren funktioniert der Elektromotor wie ein Generator und lädt die Batterien auf.
Reine Elektroautos haben derzeit noch ein Problem mit der Reichweite. Mit einer Batterieladung kommen sie lediglich zwischen vierzig und vierhundert Kilometer weit. Dafür stoßen sie beim Fahren keine Emissionen aus und operieren leiser als Autos mit Verbrennungsmotor. Nachteile für die Umwelt ergeben sich jedoch bei der Energiegewinnung: Ein Auto, das Strom aus der Steckdose bezieht, fährt größtenteils mit Atom- und Kohlekraft.
Saubere Energie hingegen liefern zum Beispiel Solarzellen auf dem Autodach. Auch Brennstoffzellen, die Strom aus der Reaktion von Wasserstoff und Sauerstoff zu Wasser erzeugen, sind theoretisch sauber. Die Herstellung von Wasserstoff aus Erdgas ist allerdings klimaschädlich; Elektrolyseverfahren verbrauchen Unmengen an Energie. Das Umweltbundesamt konstatierte im September 2006: "Die Verwendung von Wasserstoff im Verkehr ist wegen der hohen Energieverluste und Kosten der Produktion, der Aufbereitung und des Transportes nicht zu befürworten."
Die Zukunft, so meinen Experten, gehöre dem Elektromotor. Der Übergang ist mit dem Hybridantrieb bereits eingeleitet: Das Auto fährt mit Elektromotor; bei schnellem Fahren und bergauf liefert ein Verbrennungsmotor zusätzliche Energie. Beim Bremsen und Bergabfahren funktioniert der Elektromotor wie ein Generator und lädt die Batterien auf.
Reine Elektroautos haben derzeit noch ein Problem mit der Reichweite. Mit einer Batterieladung kommen sie lediglich zwischen vierzig und vierhundert Kilometer weit. Dafür stoßen sie beim Fahren keine Emissionen aus und operieren leiser als Autos mit Verbrennungsmotor. Nachteile für die Umwelt ergeben sich jedoch bei der Energiegewinnung: Ein Auto, das Strom aus der Steckdose bezieht, fährt größtenteils mit Atom- und Kohlekraft.
Saubere Energie hingegen liefern zum Beispiel Solarzellen auf dem Autodach. Auch Brennstoffzellen, die Strom aus der Reaktion von Wasserstoff und Sauerstoff zu Wasser erzeugen, sind theoretisch sauber. Die Herstellung von Wasserstoff aus Erdgas ist allerdings klimaschädlich; Elektrolyseverfahren verbrauchen Unmengen an Energie. Das Umweltbundesamt konstatierte im September 2006: "Die Verwendung von Wasserstoff im Verkehr ist wegen der hohen Energieverluste und Kosten der Produktion, der Aufbereitung und des Transportes nicht zu befürworten."




