Pannen und Helden
Juri Gagarins Flug schrieb Geschichte. Der Kosmonaut verwirklichte nicht nur den alten Traum, die Erde zu verlassen - der Erfolg war außerdem ein Sieg der UdSSR über den Erzfeind USA. Viel wurde dafür riskiert.Komarows Beisetzung an der Kremlmauer, 1967. Fehlfunktionen am Fallschirm der Sojuskapsel verschuldeten seinen Tod.
In Tränen aufgelöst
Diese Zeilen schrieb Brigitte Reimann, ostdeutsche Schriftstellerin, am 24. April 1967 in ihr Tagebuch. Nach Wiedereintritt der Sojus 1-Kapsel in die Erdatmosphäre versagte das Fallschirmsystem, weder Haupt- noch Reserveschirm ließen sich öffnen. Wladimir Komarow war während des gesamten Absturzes bei vollem Bewusstsein. Juri Gagarin, Nationalheld und enger Freund Komarows, hörte den Funkverkehr mit und war in Tränen aufgelöst.
Politischer Ansehensverlust
Die bis dato erfolgsverwöhnte sowjetische Raumfahrt konnte dieses Unglück nicht vertuschen und musste einen herben politischen Rückschlag einstecken. Denn sowohl die UdSSR als auch die USA benutzten ihre Erfolge seit einigen Jahren propagandistisch, um die Überlegenheit des jeweils eigenen politischen Systems zu demonstrieren. Deshalb betrauerte die Führung der Sowjetunion auch nicht den verunglückten Kosmonauten. Im Mittelpunkt stand vielmehr der politische Ansehensverlust. Die Erprobung der Sojus 1-Kapsel war beim Start noch keineswegs abgeschlossen, Moskau aber drängte auf Fortschritte. Folglich ist davon auszugehen, dass Opfer einkalkuliert wurden.
Sputnik 1 - der erste künstliche Erdsatellit der Sowjetunion: 83 Kilogramm schwer und 58 Zentimeter im Durchmesser.
So ist die Geschichte der Raumfahrt vor allem eine Geschichte vom Wettlauf zwischen Ost und West, zwischen der UdSSR und den USA. Der Kalte Krieg hatte bereits begonnen und beide Seiten wollten die Ersterfolge bei der Eroberung des Weltraums für sich verbuchen. Der ganzen Welt und insbesondere der Gegenseite sollten auch mittels Raumfahrterfolgen technische Überlegenheit und Systemvorzüge präsentiert werden.
Deutlicher Ausspruch
Kosmische Fortschritte stellten wichtiges politisches Kapital dar. Deutlich dazu 1957 der Kommentar John F. Kennedys zum Flug von Sputnik 1 ins All: "Falls die Sowjets den Weltraum kontrollieren, dann können sie die Erde kontrollieren, so wie in den vergangenen Jahrhunderten diejenige Nation die Kontinente beherrschte, die auch die Weltmeere kontrollierte." Als die Rakete R-7 mit dem Satelliten Sputnik 1 abhob, begann die kosmische Ära. Und der Start bescherte den USA einen Sputnikschock: wegen der unerwarteten technologischen und damit eben auch wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Sowjetunion...
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Der Stoff, aus dem Helden sind
"Poechali" (los geht's) rief Juri Gagarin, als er 1961 als erster Mensch in den Weltraum flog. In kürzester Zeit stilisierte der Kreml ihn zum Nationalhelden. So setzte er ihn bei zahlreichen Auslandsreisen erfolgreich als sympathischen Gesandten der Sowjetunion ein.
Und Gagarin war tatsächlich aus dem Stoff, aus dem Helden sind: Er besaß natürliches Charisma und Bescheidenheit und mit seinem fröhlichen bübischen Lächeln gewann er nicht nur die Herzen der eigenen Landsleute.
Nicht seiner technischen Qualifikation oder viel gepriesenen Ruhe wegen fiel die Wahl auf den Kandidaten Gagarin. Nein, am Ende des Entscheidungsverfahrens griff unvermeidlich die sozialistische Propaganda-Taktik: Das Arbeiterkind Juri Gagarin erhielt den Vorzug vor Mitkandidat German Titow, dem Lehrerkind.
Im März 1968 starb Gagarin beim Probeflug eines Kampfflugzeugs. Lange schon ranken sich um seinen frühen Tod Spekulationen. Er habe sich abgesetzt oder vegetiere in einer Psychiatrie, meinen manche zu wissen. Andere behaupteten, Gagarin sei vom Kreml ermordet worden, weil er am Kommunismus gerüttelt habe. Ungeklärt ist die Absturzursache jedenfalls noch heute.
"Poechali" (los geht's) rief Juri Gagarin, als er 1961 als erster Mensch in den Weltraum flog. In kürzester Zeit stilisierte der Kreml ihn zum Nationalhelden. So setzte er ihn bei zahlreichen Auslandsreisen erfolgreich als sympathischen Gesandten der Sowjetunion ein.
Und Gagarin war tatsächlich aus dem Stoff, aus dem Helden sind: Er besaß natürliches Charisma und Bescheidenheit und mit seinem fröhlichen bübischen Lächeln gewann er nicht nur die Herzen der eigenen Landsleute.
Nicht seiner technischen Qualifikation oder viel gepriesenen Ruhe wegen fiel die Wahl auf den Kandidaten Gagarin. Nein, am Ende des Entscheidungsverfahrens griff unvermeidlich die sozialistische Propaganda-Taktik: Das Arbeiterkind Juri Gagarin erhielt den Vorzug vor Mitkandidat German Titow, dem Lehrerkind.
Im März 1968 starb Gagarin beim Probeflug eines Kampfflugzeugs. Lange schon ranken sich um seinen frühen Tod Spekulationen. Er habe sich abgesetzt oder vegetiere in einer Psychiatrie, meinen manche zu wissen. Andere behaupteten, Gagarin sei vom Kreml ermordet worden, weil er am Kommunismus gerüttelt habe. Ungeklärt ist die Absturzursache jedenfalls noch heute.



