Wer hat, der kann
Lange Zeit war die Raumfahrt Spezialisten vorbehalten, "normale" Menschen blieben auf der Erde. Erst 2001 flog ein Privatmann in den Orbit. Haben nun alle Erdlinge die Chance auf einen Trip in kosmische Höhen?Teheran, irgendwann in den 1970ern. Ein junges Mädchen beobachtet den Nachthimmel über der Stadt. Es sieht die Sterne funkeln, schaut in die geheimnisvolle Dunkelheit des Universums und fragt sich: Was ist dort oben? Rund dreißig Jahre später wird es Anousheh Ansari herausfinden: Am 18. September 2006 sitzt sie an Bord eines Sojus-Raumschiffs, das zu einem elftägigen Ausflug in den Orbit abhebt.
Spazieren und wohnen im All
Zu Beginn des dritten Jahrtausends ist es nichts Besonderes mehr, wenn Menschen in Raumschiffe steigen und ins All fliegen. 1961 schwebte Juri Gagarin als erster Mensch im Weltraum. Mehr als fünfhundert Frauen und Männer aus 39 Ländern sollten in den nächsten 48 Jahren folgen, sollten im Vakuum spazieren gehen, den Mond betreten und sogar Monate lang in einem künstlichen Habitat in etwa 350 Kilometer Höhe leben. Was diese Kosmonauten und Astronauten verband, war das Streben nach Wissen und Entdeckungen, nach technischem Fortschritt und - vor allem im Kalten Krieg - nationalem Prestige.
Runden in der Zentrifuge
Anousheh Ansari geht es bei ihrer Reise um etwas Anderes - um den Spaß. Sie fliegt in den Weltraum wegen der außergewöhnlichen Erfahrung: sie will die Erde von oben betrachten, in der Schwerelosigkeit herumturnen und in die dunklen Weiten des Universums schauen. Sechs Monate lang hat die Unternehmerin dafür im Juri-Gagarin-Kosmonautentrainingszentrum im Sternenstädtchen bei Moskau trainiert. Sie hat unzählige Runden in der Zentrifuge gedreht, Flugsimulationen absolviert, hat auf Parabelflügen gelernt, sich in der Schwerelosigkeit zurechtzufinden, und sich mit den Abläufen einer Mission ins All vertraut gemacht.
Raumfahrer von morgen im Chemnitzer Kosmonautenzentrum: Laut Umfragen verspüren mehr als vierzig Prozent der Deutschen den Wunsch, ins All zu reisen.
Und noch eine wichtige Voraussetzung hat Anousheh Ansari für ihren Weltraumflug mitgebracht: zwanzig Millionen Dollar. Diesen stattlichen Preis berechnen die russische Raumfahrtagentur Roskosmos für einen Sitz in der Sojus und das amerikanische US-Unternehmen Space Adventures für die Vermittlung dieses Sitzes.
Im Preis inbegriffen sind das Kosmonautentraining, ein mehrtägiger Aufenthalt auf der Internationalen Raumstation (ISS) inklusive Vollverpflegung sowie Hin- und Rückreise. Neben Ansari haben bis 2009 sechs weitere Weltraumtouristen die Erlebnisreise der besonderen Art angetreten (siehe Infobox).
Ein Großteil will
Dass großes Interesse an Ausflügen in den Weltraum besteht, wissen Befürworter des Weltraumtourismus schon länger. Befragungen Mitte der 1990er Jahre ergaben, dass 61 Prozent der Amerikaner, 70 Prozent der Japaner und 43 Prozent der Deutschen den Wunsch verspüren, ins All zu reisen.
Staatliche Raumfahrtbehörden haben lange nichts getan, um diesem Wunsch nachzukommen. Im Gegenteil: Daniel S. Goldin, von 1992 bis 2001 Administrator der NASA, meinte einst, es sei nicht Aufgabe seiner Behörde, Steuerzahlern zu Raumflügen zu verhelfen. Die Gedanken hinter der Goldin-Doktrin sind verständlich, wenn man sich vor Augen führt, was Tourismus zum Beispiel auf der ISS bedeutet: Jeder zahlende Mitfahrer nimmt den Platz eines Wissenschaftlers ein, also leidet die Forschung. Die Berufs-Astronauten an Bord müssen "Babysitter" spielen, sie haben darauf zu achten, dass sich der unerfahrene Raumfahrer nicht verletzt, in Notfallsituationen nicht im Weg steht und nicht aus Versehen den falschen Knopf drückt.
Begrenzte Kapazitäten
Skeptiker befürchten außerdem, dass durch eingekaufte Trips zur Raumstation die Grenze zwischen Wissenschaft und Kommerz aufgelöst wird - mit der Gefahr, dass der Kommerz die Wissenschaft steuert und nicht bereichert.
Auch praktische Probleme begrenzen die kommerzielle Raumfahrt. Die Ressourcen sind begrenzt - wer auf die ISS will, muss sich gedulden, die Kapazitäten sind für die nächsten Jahre ausgebucht. Und wenn, im Sommer 2011 die US-Space Shuttles den Dienst einstellen, werden Transportgelegenheiten noch knapper...
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Infobox
Als erster Weltraumtourist...
flog am 28. April 2001 der US-amerikanische Unternehmer Dennis Tito in kosmische Höhen. Zweiter Tourist und erster "Afronaut" (Afrikaner im All) überhaupt war der Softwareentwickler Mark Shuttleworth aus Südafrika. Sein Flug startete am 25. April 2002.
Wegen des Absturzes des US-Space Shuttles Columbia Anfang 2003 gab es erst im Oktober 2005 wieder einen Privatmann im All: den US-Unternehmer Gregory Olsen.
2006 sollte der Japaner Daisuke Enomoto zur ISS fliegen, musste aber aus gesundheitlichen Gründen seinen Platz für Anousheh Ansari räumen. Der fünfte Tourist, der Programmierer Charles Simonyi, hob im April 2007 und erneut im März 2009 ab. Der Softwareentwickler Richard Garriott verbrachte im Oktober 2008 zwölf Tage im All und auf der ISS.
Mit zwei Clownsnasen im Gepäck ging der Kanadier Guy Laliberté als siebter Weltraumtourist auf die Reise. Im September und Oktober 2009 verbrachte der Unterhaltungskünstler und Eigentümer des Cirque du Soleil zwölf Tage im Weltraum.
Übrigens ist der Begriff "Weltraumtourist" bei Ansari & Co. nicht beliebt: sie ziehen den Titel "Raumflugteilnehmer" (spaceflight participant) vor.
flog am 28. April 2001 der US-amerikanische Unternehmer Dennis Tito in kosmische Höhen. Zweiter Tourist und erster "Afronaut" (Afrikaner im All) überhaupt war der Softwareentwickler Mark Shuttleworth aus Südafrika. Sein Flug startete am 25. April 2002.
Wegen des Absturzes des US-Space Shuttles Columbia Anfang 2003 gab es erst im Oktober 2005 wieder einen Privatmann im All: den US-Unternehmer Gregory Olsen.
2006 sollte der Japaner Daisuke Enomoto zur ISS fliegen, musste aber aus gesundheitlichen Gründen seinen Platz für Anousheh Ansari räumen. Der fünfte Tourist, der Programmierer Charles Simonyi, hob im April 2007 und erneut im März 2009 ab. Der Softwareentwickler Richard Garriott verbrachte im Oktober 2008 zwölf Tage im All und auf der ISS.
Mit zwei Clownsnasen im Gepäck ging der Kanadier Guy Laliberté als siebter Weltraumtourist auf die Reise. Im September und Oktober 2009 verbrachte der Unterhaltungskünstler und Eigentümer des Cirque du Soleil zwölf Tage im Weltraum.
Übrigens ist der Begriff "Weltraumtourist" bei Ansari & Co. nicht beliebt: sie ziehen den Titel "Raumflugteilnehmer" (spaceflight participant) vor.
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Was ist ein Parabelflug?
"Kotzbomber" heißen bei Insidern Flugzeuge, die Parabelflüge absolvieren, also Flüge, bei denen Schwerelosigkeit simuliert wird.
Das funktioniert folgendermaßen: Der Pilot lässt das Flugzeug bei Höchstgeschwindigkeit im Winkel von 45 Grad aufsteigen. Dabei wirkt im Innern das Zweifache der Erdbeschleunigung. Nach etwa zwanzig Sekunden drosselt der Pilot den Schub.
Das Flugzeug bewegt sich nun auf einer Wurfparabel weiter, erreicht seine größte Flughöhe und stürzt dann im 45-Grad-Winkel nach unten. Während dieser Phase herrscht im Inneren des Flugzeugs Schwerelosigkeit.
Für die Passagiere ist das die heiße Phase: Wissenschaftler testen Geräte, erforschen das Verhalten von Stoffgemischen und experimentieren unter Nullgravitation; Filmschaffende drehen "Weltraumszenen"; Privatreisende genießen vielleicht einfach nur das "abgehobene" Gefühl.
Etwa 25 Sekunden dauert die Schwerelosigkeit, dann fährt der Pilot die Triebwerke wieder hoch und fängt das Flugzeug ab. Beim Übergang in den Normalflug wirkt wiederum die zweifache Erdbeschleunigung auf die Passagiere.
Bis zu dreißig Mal wird dieses Parabelmanöver während eines Fluges wiederholt. Viele Menschen reagieren auf die Schwerkraftwechsel mit Brechreiz - daher der Spitzname "Kotzbomber".
"Kotzbomber" heißen bei Insidern Flugzeuge, die Parabelflüge absolvieren, also Flüge, bei denen Schwerelosigkeit simuliert wird.
Das funktioniert folgendermaßen: Der Pilot lässt das Flugzeug bei Höchstgeschwindigkeit im Winkel von 45 Grad aufsteigen. Dabei wirkt im Innern das Zweifache der Erdbeschleunigung. Nach etwa zwanzig Sekunden drosselt der Pilot den Schub.
Das Flugzeug bewegt sich nun auf einer Wurfparabel weiter, erreicht seine größte Flughöhe und stürzt dann im 45-Grad-Winkel nach unten. Während dieser Phase herrscht im Inneren des Flugzeugs Schwerelosigkeit.
Für die Passagiere ist das die heiße Phase: Wissenschaftler testen Geräte, erforschen das Verhalten von Stoffgemischen und experimentieren unter Nullgravitation; Filmschaffende drehen "Weltraumszenen"; Privatreisende genießen vielleicht einfach nur das "abgehobene" Gefühl.
Etwa 25 Sekunden dauert die Schwerelosigkeit, dann fährt der Pilot die Triebwerke wieder hoch und fängt das Flugzeug ab. Beim Übergang in den Normalflug wirkt wiederum die zweifache Erdbeschleunigung auf die Passagiere.
Bis zu dreißig Mal wird dieses Parabelmanöver während eines Fluges wiederholt. Viele Menschen reagieren auf die Schwerkraftwechsel mit Brechreiz - daher der Spitzname "Kotzbomber".



