Steht der Weltraum zum Verkauf? Näher rückt er jedenfalls nur für Leute, die das nötige Kleingeld haben. (Bild: NASA)
Erste Erfolge
Seit einigen Jahren basteln nun Privatunternehmen an eigenen Raumschiffen - mit Erfolg. "Die Zeit der bunten Bildchen und Konzeptstudien scheint vorbei", konstatierte Keno Verseck von der Zeitschrift Technology Review im Juli 2007.
Bereits 2004 gelang es erstmals einem komplett privat finanzierten Fluggerät, die Grenze zum Weltall zu durchbrechen: Das SpaceShipOne der Firma Virgin Galactic erreichte am 29. September 2004 eine Flughöhe von 102 Kilometern und wiederholte das Kunststück fünf Tage später. Nächstes Ziel der privaten Raumfahrt wird es sein, mit fünf Astronauten in fünfhundert Kilometer Höhe aufzusteigen und Andockmanöver im Weltall auszuführen.
Raumschiff Enterprise
Derweil hat Virgin Galactic im Dezember 2009 sein neues Raumschiff, das SpaceShipTwo, vorgestellt und von Kaliforniens Gouverneur Arnold Schwarzenegger auf den Namen VSS Enterprise taufen lassen. Spätestens ab 2012 soll es regelmäßige Flüge für zahlungskräftige Kunden geben. Weltraumbegeisterte können dann zum Preis von 200.000 Dollar abheben. Ein dreitägiger Vorbereitungskurs geht dem Trip voraus, damit sich die Teilnehmer auch wirklich wie Astronauten fühlen.
Der Flug an sich dauert nur zweieinhalb Stunden. Die Höhe - hundert Kilometer - ist verglichen mit der ISS bescheiden, reicht aber aus, um die Krümmung der Erde und das Schwarz des Weltalls zu bestaunen und Schwerelosigkeit zu erleben. Nach eigenen Angaben hat Virgin Galactic bis März 2010 bereits dreihundert Tickets verkauft.
Schwebendes Hotel
Noch ehrgeizigere Pläne als suborbitale Flüge hat Bigelow Aerospace: Dem Unternehmen schwebt ein Hotel im Weltraum vor. Erfolgreiche Starts zweier aufblasbarer Testmodule gab es 2006 und 2007; Genesis I und Genesis II umkreisen seitdem die Erde in 550 Kilometer Höhe. Das nächste Modul, Sundancer, soll 2014 in den Orbit gehen. Wenn alle Tests erfolgreich verlaufen, wird der "Sonnentänzer" Kernstück des ersten Weltraumhotels sein - wenig später könnten dann Gäste im All logieren, zum Preis von rund acht Millionen Dollar pro Woche.
Zum Mond und zurück
Wer noch weiter weg will und bereit ist, dafür ein paar mehr Scheine locker zu machen, den dürfte ein Angebot von Space Adventures in Zusammenarbeit mit dem russischen Unternehmen RKK Energija interessieren: Für die Zukunft bieten die Firmen einen sechstägigen Flug rund um den Mond an. Der Plan sieht vor, einen professionellen Kosmonauten und zwei zahlende Passagiere in einer umgebauten Sojus-Kapsel auf die Reise um den Erdtrabanten zu schicken. Kostenpunkt pro Passagier: stolze hundert Millionen Dollar.
Ein Sonnenaufgang im Weltall. Vermutlich werden in Zukunft mehr und mehr Hobby- Raumfahrer solche Aussichten genießen können. (Bild: NASA)
Für viele mögen die Aussichten eines Mondflugs oder eines Aufenthalts im Weltraumhotel wie Science-Fiction klingen. Doch Patrick Collins von der japanischen Raumfahrtbehörde NASDA ist sicher: "In derselben Weise, wie man den Auslandsflug mit einer Boeing 747 als die typische Erfahrung des späten 20. Jahrhunderts bezeichnen könnte, so wird ein Raketenausflug zur Umlaufbahn mit anschließendem Aufenthalt in einem Weltraumhotel dereinst zur entscheidenden Erfahrung des frühen 21. Jahrhunderts werden."
Möglichkeiten für wenige
Ist die Zukunft so nah? Werden bald Menschen statt nach Mauritius zum Urlaub in den Orbit fliegen? Möglich ist vieles - aber für viele wird es eben nicht möglich sein. Selbst in den reichen Industrienationen dürfte nur eine kleine Gruppe von Menschen ganz locker ein paar hunderttausend Euro für eine Vergnügungsreise übrig haben. So viele Kinder heute in lauen Sommernächten davon träumen mögen, das Wunder Erde aus dem All zu bestaunen und in der Schwerelosigkeit zu tanzen - nur für wenige wird sich dieser Traum erfüllen.
Urte Paul (aktualisiert 30.03.2011)
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Die Internationale Raumstation
Am 20. November 1998 hob Sarja (russisch für "Morgenröte") vom Weltraumbahnhof Baikonur ab - das erste Modul der Internationalen Raumstation ISS machte sich auf dem Weg ins All.
Fast zwei Jahrzehnte Planung waren dem vorausgegangen: 1984 hatte US-Präsident Ronald Reagan den Startschuss zum Projekt Freedom (englisch für "Freiheit") gegeben, das in Zusammenarbeit mit der Europäischen Raumfahrtagentur ESA, der kanadischen und der japanischen Raumfahrtbehörde realisiert werden sollte.
Nach dem Ende des Kalten Krieges wurde plötzlich eine Zusammenarbeit zwischen NASA und Roskosmos - der US-amerikanischen und der russischen Raumfahrtbehörde - möglich. Roskosmos in die Planungen der Raumstation einzubeziehen, bot zahlreiche Vorteile: Russland besaß aus dem Saljut- und dem Mir-Programm Erfahrungen mit Raumstationen, verfügte über hervorragend ausgebildete Ingenieure und stellte die Trägerraketen Sojus und Proton bereit.
1993 begannen Roskosmos und NASA mit dem Entwurf einer gemeinsamen Raumstation - der International Space Station (ISS) -, dem sich wiederum die ESA und die Raumfahrtbehörden Kanadas und Japans anschlossen.
Jahrzehnte lang war die Raumfahrt für Ost und West eine Prestigeangelegenheit gewesen, um dem jeweils anderen die eigene Stärke und Überlegenheit zu demonstrieren. Mit der ISS wurde sie plötzlich zum Feld der Kooperation und zum stabilisierenden Faktor der Ost-West-Beziehungen.
Zwei Jahre nach dem Start von Sarja, im November 2000, checkte die erste Besatzung auf der ISS ein: Kommandant William Shepherd aus den USA und die russischen Kosmonauten Juri Gidsenko und Sergei Krikaljow. Zu diesem Zeitpunkt bestand die Station aus dem Fracht- und Antriebsmodul Sarja, dem Verbindungsknoten Unity, dem russischen Wohn- und Servicemodul Swesda sowie einem Teil der Gitterstruktur mit Solarpaneelen.
Später kamen unter anderem das US-amerikanische Labor Destiny, das europäische Labor Columbus und das japanische Modulsystem Kibō hinzu, außerdem Luftschleusen, Roboterarme und eine Aussichtskuppel. 2011 soll die ISS fertig sein; voraussichtlich wird sie bis etwa 2020 in Betrieb bleiben.
Am 20. November 1998 hob Sarja (russisch für "Morgenröte") vom Weltraumbahnhof Baikonur ab - das erste Modul der Internationalen Raumstation ISS machte sich auf dem Weg ins All.
Fast zwei Jahrzehnte Planung waren dem vorausgegangen: 1984 hatte US-Präsident Ronald Reagan den Startschuss zum Projekt Freedom (englisch für "Freiheit") gegeben, das in Zusammenarbeit mit der Europäischen Raumfahrtagentur ESA, der kanadischen und der japanischen Raumfahrtbehörde realisiert werden sollte.
Nach dem Ende des Kalten Krieges wurde plötzlich eine Zusammenarbeit zwischen NASA und Roskosmos - der US-amerikanischen und der russischen Raumfahrtbehörde - möglich. Roskosmos in die Planungen der Raumstation einzubeziehen, bot zahlreiche Vorteile: Russland besaß aus dem Saljut- und dem Mir-Programm Erfahrungen mit Raumstationen, verfügte über hervorragend ausgebildete Ingenieure und stellte die Trägerraketen Sojus und Proton bereit.
1993 begannen Roskosmos und NASA mit dem Entwurf einer gemeinsamen Raumstation - der International Space Station (ISS) -, dem sich wiederum die ESA und die Raumfahrtbehörden Kanadas und Japans anschlossen.
Jahrzehnte lang war die Raumfahrt für Ost und West eine Prestigeangelegenheit gewesen, um dem jeweils anderen die eigene Stärke und Überlegenheit zu demonstrieren. Mit der ISS wurde sie plötzlich zum Feld der Kooperation und zum stabilisierenden Faktor der Ost-West-Beziehungen.
Zwei Jahre nach dem Start von Sarja, im November 2000, checkte die erste Besatzung auf der ISS ein: Kommandant William Shepherd aus den USA und die russischen Kosmonauten Juri Gidsenko und Sergei Krikaljow. Zu diesem Zeitpunkt bestand die Station aus dem Fracht- und Antriebsmodul Sarja, dem Verbindungsknoten Unity, dem russischen Wohn- und Servicemodul Swesda sowie einem Teil der Gitterstruktur mit Solarpaneelen.
Später kamen unter anderem das US-amerikanische Labor Destiny, das europäische Labor Columbus und das japanische Modulsystem Kibō hinzu, außerdem Luftschleusen, Roboterarme und eine Aussichtskuppel. 2011 soll die ISS fertig sein; voraussichtlich wird sie bis etwa 2020 in Betrieb bleiben.



