Unterwegs auf Draht
Skeptisch gleitet der Blick die Seile entlang. Ist die Konstruktion wirklich sicher? Die Seilbahnhersteller geben dafür jede Garantie, schließlich schreiben Gesetze vor, wann und wie Bahnen zu warten sind.Ob Stand- oder ob Luftseilbahn: Allen ist gemein, dass ein Seil sie zieht - so wie hier in Dresden.
Auch über Gewässer...
So abwegig erscheint der Gedanke, in dem flachen Land eine Seilbahn zu finden, im Grunde genommen nicht. Denn Seilbahnen müssen nicht immer in die Höhe fahren. Sie können sich auch durchaus in der Ebene bewegen. Das kennen wir von der Kölner Rheinseilbahn, gebaut zum Überqueren von Gewässern. Technisch gesehen sind auch Wasserski-Anlagen Seilbahnen. Davon hat Mecklenburg-Vorpommern gleich zwei, selbst wenn diese als Sportanlagen nicht unter die Richtlinien der EU fallen. Fazit: Seilbahn ist keineswegs gleich Seilbahn.
...oder auf Schienen
Die Arten und technischen Varianten sind so verschieden wie die Anwendungszwecke. Stimmt also unser landläufiges Bild von der Kabine, die in luftiger Höhe am Seil baumelt, in jedem Fall? Nein, denn bei Standseilbahnen, auch Drahtseilbahnen genannt, rollen Fahrzeuge, ähnlich normalen Eisenbahnen, auf Bodenschienen.
Die Standseilbahn in Dresden-Loschwitz, inzwischen technisches Denkmal, fährt über ein besonderes Weichensystem.
Zwei auf einem Gleis
Ein Beispiel für diesen Typ ist die Standseilbahn in Dresden-Loschwitz. Die Stecke ist eingleisig ausgeführt und die zwei Bahnwagen begegnen sich an einer kurzen zweigleisigen Ausweichstelle. Zur Lösung des Problems trägt hier eine sogenannte Abtsche Weiche bei: Sie bewirkt, ohne die bei Weichen sonst üblichen verstellbaren Teile, dass die zwei sich entgegenkommenden Wagen, jeder auf seinem Gleis, aneinander vorbeifahren können.
Weit bekannter sind Luftseilbahnen, auch Seilschwebebahnen: Ein oder mehrere Seile tragen Gondeln, Kabinen oder Sessel über mehr oder weniger lange Strecken. Der besondere Fall sind dabei Schlepplifte, wie wir sie zum Beispiel aus Wintersportgebieten kennen - oder von den mecklenburgischen Anlagen für Wasserski-Enthusiasten.
Die Sonnenalmbahn im österreichischen Zell am See ist eine Pendelbahn. (Foto: Adrian Pingstone)
Um den Typenwirrwarr komplett zu machen, kommt noch die Unterscheidung zwischen festmontierter und koppelbarer Traglast hinzu. Mit letzterem haben wir es ganz bestimmt dann zu tun, wenn Gondeln in den Stationen vom Seil gelöst werden. Auf Extrarollen bewegen sich diese Gefährte dann um die Wendestelle herum, langsam zwar, aber immerhin so, dass beim Ein- und Aussteigen Vorsicht geboten ist.
Solch etwas diffiziles Umkreisen der Station haben Pendelbahnen nicht nötig: Bei diesem Bahntyp gibt es nur zwei Kabinen, jede nutzt für Hin- und Rückweg ein und dieselbe Seite. Bis zu zweihundert Personen finden in einer einzigen Kabine Platz.
Sicher, mit komischen Gefühlen
Egal ob Standseilbahn, Schwebebahn oder Sessellift - Seilbahnen gelten als technisch unbedingt sicher. Dennoch plagen manche Fahrgäste Ängste und es gewinnen zuweilen mulmige Gefühle die Oberhand. Das aber ist, laut einer Statistik des Fachverbandes für Seilbahnen in Österreich, nicht nötig: Generell liegt die Wahrscheinlichkeit, dass ein Passagier Opfer eines Seilbahn- oder Schleppliftunfalls wird bei 0,00006 Prozent: erstaunlich gering. Ungefähr so groß ist die Wahrscheinlichkeit, vom Blitz getroffen zu werden.
Mit gutem Gewissen?
Vollkommen ausgeschlossen sind Grauensszenarien wie der Unfall von Kaprun deshalb nicht. Aber dank strenger gesetzlicher Forderungen und meist gewissenhafter Wartung gehören Seilbahnen zu den sichersten Verkehrsmitteln überhaupt. Mit gutem Gewissen darf also eingestiegen werden, ob mit oder ohne europäisches Seilbahngesetz.
Katja Ewinger (09.02.2005)
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Infobox
Kaprun
Sie gelten als sichere Verkehrsmittel. Aber trotz Vorschriften, modernster Technik und regelmäßiger Wartung sind Seilbahnunfälle nicht auszuschließen. Ursachen liegen nur selten in technischen Pannen. Es ist meist menschliches Fehlverhalten, das Szenarien, wie zum Beispiel den Unfall von Kaprun, ermöglichte.
Über 25 Jahre transportierte die 4.050 Meter lange Drahtseilbahn 18 Millionen Fahrgäste sicher durch einen Tunnel auf das Kitzsteinhorn. Am 11. November 2000 aber fanden 155 Menschen den Tod. Ein entgegen allen Vorschriften angebrachter Heizstrahler entflammte aus undichten Bremsleitungen austretendes Öl. Die Bahn hielt. Die Türen blieben geschlossen. Feuerlöscher waren nicht zugänglich.
Verzweifelt versuchten die Passagiere, durch die Fenster zu entkommen. Die meisten liefen entlang des Tunnels nach oben, erstickten und verbrannten in kürzester Zeit wegen der Kaminwirkung des Feuers. Lediglich zwölf Betroffene konnten sich retten, indem sie talwärts die Flucht ergriffen.
Sie gelten als sichere Verkehrsmittel. Aber trotz Vorschriften, modernster Technik und regelmäßiger Wartung sind Seilbahnunfälle nicht auszuschließen. Ursachen liegen nur selten in technischen Pannen. Es ist meist menschliches Fehlverhalten, das Szenarien, wie zum Beispiel den Unfall von Kaprun, ermöglichte.
Über 25 Jahre transportierte die 4.050 Meter lange Drahtseilbahn 18 Millionen Fahrgäste sicher durch einen Tunnel auf das Kitzsteinhorn. Am 11. November 2000 aber fanden 155 Menschen den Tod. Ein entgegen allen Vorschriften angebrachter Heizstrahler entflammte aus undichten Bremsleitungen austretendes Öl. Die Bahn hielt. Die Türen blieben geschlossen. Feuerlöscher waren nicht zugänglich.
Verzweifelt versuchten die Passagiere, durch die Fenster zu entkommen. Die meisten liefen entlang des Tunnels nach oben, erstickten und verbrannten in kürzester Zeit wegen der Kaminwirkung des Feuers. Lediglich zwölf Betroffene konnten sich retten, indem sie talwärts die Flucht ergriffen.



