Saubere Sache
Wie selbstverständlich gehört der Staubsauger heute in jeden Haushalt, ist ein unentbehrlicher Helfer im Kampf gegen den alltäglichen Schmutz. Wem aber haben wir dieses geniale Gerät zu verdanken?Segen und Fluch zugleich: Der Anfang des 20. Jahrhunderts erfundene Staubsauger erleichterte die Hausarbeit - und brachte viele Hausmädchen um ihren Job.
Endloser Kampf
Dieses Monstrum sollte das Bodenreinigungsgeschäft revolutionieren? Nun, jahrhundertelang schon zog der Mensch mit Besen, Wischmopp, Bürste und Lappen bewaffnet in den mal mehr, mal weniger erfolgreichen Kampf gegen Schmutz und Staub - Sisyphos lässt grüßen. Doch als in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts Louis Pasteurs Theorie von krankheitserregenden Bazillen, die durch Staub übertragen würden, die Runde machte, löste sie einen regelrechten Putzwahn aus.
Mr. Bissels Stauballergie
So wundert es nicht, dass die Konstruktion eines gewissen Melville Bissel aus Michigan/USA reißenden Absatz fand. 1876 hatte der von einer Stauballergie geplagte, glücklicherweise aber technisch begabte Inhaber eines Glaswarengeschäfts eine neuartige Teppichkehrmaschine mit integriertem Auffangbeutel zum Patent angemeldet. 1883 ging das mechanisch betriebene Gerät in Serie und wurde bald so populär, dass manche Hausfrau von "Bisseln" sprach, wenn sie sich ans Reinigen ihrer Teppiche machte.
Viel Wirbel, wenig Wirkung
Doch, wie schon gesagt, handelte es sich bei dieser Erfindung um eine Kehrmaschine. Wirklich vertreiben ließ sich der Staub damit nicht; ein Großteil wurde lediglich aufgewirbelt und fiel an anderer Stelle auf den Boden zurück. Diese Beobachtung machte auch Hubert Cecil Booth, als er Anfang 1901 in London der Vorführung eines Amerikaners beiwohnte, der eine Maschine zum Reinigen von Eisenbahnwagen präsentierte. Per Luftdruck sollte sie den Schmutz aus Teppichen und Polstern in einen Blechkasten pusten - das meiste landete leider daneben.
Saugen, nicht blasen
Der wenig überzeugte Ingenieur Booth dachte nach: Wäre es nicht sinnvoller, den Staub aufzusaugen, statt ihn wegzublasen? Im Selbstexperiment wollte er seine Theorie überprüfen: Auf Knien bewegte sich Booth, ein Taschentuch vor dem Mund, über den heimischen Wohnzimmerteppich und saugte Luft auf. Zufrieden erkannte er, dass der Staub an der Unterseite des Taschentuchs hängen geblieben war.
Es funktioniert!
Ergebnis dieses Versuchs und anschließender monatelanger Tüftelei war der Vacuum Cleaner, ein Gerät, bei dem eine elektrisch betriebene Vakuumpumpe einen Unterdruck erzeugt, der den Staub in einen angeschlossenen Behälter hineinzieht. Ein Stoff-Filter verhindert dabei, dass Staub die Pumpe verstopft. Nachdem er für seine Erfindung das Patent erhalten hatte, gründete Booth am 25. Februar 1902 die British Vacuum Cleaner Company (BVC) - die erste Staubsaugerfirma der Welt.
Ohrenbetäubendes Spektakel
Zunächst konzentrierte sich das Geschäft der BVC auf den mobilen Reinigungsservice: Auf Bestellung zogen Booths Mannschaften mit ihren müllwagengroßen Staubsaugern durch Londons Straßen, um mittels eines 240 Meter langen Schlauchs, der durch die Fenster gezogen wurde, die viktorianischen Wohnungen vom lästigen Schmutz zu befreien. Das ohrenbetäubende Spektakel begeisterte jedoch nicht jeden: Polizisten sahen in dem riesigen Gefährt ein Verkehrshindernis, Nachbarn beschwerten sich über den Lärm, und Pferdedroschkenfahrer fürchteten die Reaktion ihrer Tiere.
Anfangs war das Staubsaugen ein Luxus. Doch nach dem Zweiten Weltkrieg boomte das Geschäft. Heute fehlt wohl in keinem Haushalt ein Staubsauger. (Bild: Vorwerk)
Das waren wenig Erfolg versprechende Aussichten für die Existenz der BVC, zumal sich Klagen häuften. Zu Hilfe kam Booth ein Auftrag von höchster Stelle: Anlässlich der Krönung Edwards VII. im August 1902 ließ das englische Königshaus die Teppiche der Westminster Abtei reinigen. Und so wurde das Staubsaugen bei der feinen Gesellschaft en vogue. Wer es sich leisten konnte, ließ sogar eine Staubsaugeranlage ins Haus einbauen. Zwar tüftelte Booth ab 1906 auch an handlicheren Modellen, mit ihren vierzig Kilo brachten die aber noch immer ein stattliches Gewicht auf die Waage.
Doing the hoovering
Moderne Staubsauger haben mit Booths Ungetümen nur noch das Prinzip gemein. Zum Siegeszug durch die Haushalte der Welt verhalf dem kleinen Saubermann denn auch die Erfindung des Amerikaners James Murray Spangler, der 1906 aus einem Ventilator, einer Seifenschachtel, einem Kissenbezug und einem Besenstiel ein kompaktes Gerät baute, das sich durch die Wohnung ziehen ließ. Er verkaufte sein Patent an W. H. Hoover, der damit den Grundstein für ein weltweit aktives Hausgeräteunternehmen legte. Und so nennt man auch in Großbritannien das Staubsaugen heute nicht doing the boothing, sondern doing the hoovering.
Ulrike Wolf (10.02.2010)
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Hausstaub
Es gibt ihn in jedem Haushalt; täglich bilden sich rund sechs Milligramm Hausstaub pro Quadratmeter. Die Quellen sind vielfältig: Hausstaub besteht aus unterschiedlichsten organischen (Hautschuppen, Haare von Mensch und Tier, Pflanzenteile) und anorganischen Stoffen (Fasern von Kleidung, Teppichen, Möbeln). Staub gelangt mit der Luft sogar durch geschlossene Fenster in die Wohnung, an seinen Schuhen trägt der Mensch feinste Staubpartikel mit sich herum, und bei allem, was er tut - essen, arbeiten, gehen, sitzen oder schlafen - entsteht Staub.
Überall dort, wo organisches Material vorkommt, leben Mikroorganismen: Hausstaubmilben zum Beispiel haben Hautschuppen zum Fressen gern. Ihr bevorzugter Aufenthaltsort ist daher das Bett. Dort ist es nicht nur warm und leicht feucht - der Vorrat an Nahrung ist nahezu unerschöpflich. Im Schnitt tummeln sich etwa 10.000 Hausstaubmilben in einem Bett, man findet sie aber auch in Teppichen, auf Polstermöbeln, Kleidern, Kuschel- und Haustieren.
Überall dort, wo organisches Material vorkommt, leben Mikroorganismen: Hausstaubmilben zum Beispiel haben Hautschuppen zum Fressen gern. Ihr bevorzugter Aufenthaltsort ist daher das Bett. Dort ist es nicht nur warm und leicht feucht - der Vorrat an Nahrung ist nahezu unerschöpflich. Im Schnitt tummeln sich etwa 10.000 Hausstaubmilben in einem Bett, man findet sie aber auch in Teppichen, auf Polstermöbeln, Kleidern, Kuschel- und Haustieren.
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Hausstauballergie
In Deutschland reagiert etwa jeder Achte allergisch auf Hausstaubmilben. Das Problem sind dabei gar nicht die winzigen Spinnentierchen selbst, sondern das, was sie hinterlassen: Bestimmte Eiweiße im Kot der Milben lösen allergische Reaktionen aus - Augentränen, laufende Nase, Niesanfälle, Husten, in schwierigen Fällen sogar Asthma und Atemnot. Unter Umständen können bestimmte Bestandteile des Milbenkots sogar durch die Haut dringen und bei Menschen mit Neurodermitis Ekzeme und Juckreiz hervorrufen.
Beim Putzen gilt für Hausstauballergiker: Nicht so viel Staub aufwirbeln. Den Staub von den Möbeln entfernt man am besten mit einem feuchten Tuch. Böden sollte man Staubsaugen, statt mit dem Besen zu kehren. Noch besser ist es jedoch, wenn Betroffene nicht selbst saugen. Lässt es sich aber nicht vermeiden, empfiehlt sich, währenddessen gut zu lüften und einen allergikergeeigneten Staubsauger mit so genanntem HEPA-Filter (High Efficiency Particulate Airfilter) zu benutzen. Diese Schwebstofffilter sind in der Lage, Staubpartikel ab einer Größe von 0,1 bis 0,3 Mikrometer zu annähernd einhundert Prozent zu filtern.
In Deutschland reagiert etwa jeder Achte allergisch auf Hausstaubmilben. Das Problem sind dabei gar nicht die winzigen Spinnentierchen selbst, sondern das, was sie hinterlassen: Bestimmte Eiweiße im Kot der Milben lösen allergische Reaktionen aus - Augentränen, laufende Nase, Niesanfälle, Husten, in schwierigen Fällen sogar Asthma und Atemnot. Unter Umständen können bestimmte Bestandteile des Milbenkots sogar durch die Haut dringen und bei Menschen mit Neurodermitis Ekzeme und Juckreiz hervorrufen.
Beim Putzen gilt für Hausstauballergiker: Nicht so viel Staub aufwirbeln. Den Staub von den Möbeln entfernt man am besten mit einem feuchten Tuch. Böden sollte man Staubsaugen, statt mit dem Besen zu kehren. Noch besser ist es jedoch, wenn Betroffene nicht selbst saugen. Lässt es sich aber nicht vermeiden, empfiehlt sich, währenddessen gut zu lüften und einen allergikergeeigneten Staubsauger mit so genanntem HEPA-Filter (High Efficiency Particulate Airfilter) zu benutzen. Diese Schwebstofffilter sind in der Lage, Staubpartikel ab einer Größe von 0,1 bis 0,3 Mikrometer zu annähernd einhundert Prozent zu filtern.



