Der Ersatz-Wagen
Haste Hammer, Zange, Draht, kommste bis nach Leningrad! - Trabis sind wartungsfreundlich und leicht zu reparieren. Kein Wunder, denn Hightech an Bord fehlt. Ab den 1960er Jahren blieb die Entwicklung stehen.Beständigkeit war das Markenzeichen des Trabant. Veränderungen gab es im Laufe der Zeit nur bei Details - so wurde seit 1984 eine Kraftstoffverbrauchsanzeige eingebaut.
Sechs Millionen Kredit
Nach einem Zerwürfnis mit den Inhabern der Stammfirma gründete Horch 1910 ein neues Unternehmen unter dem Namen Audi (Latein für "horch"). Wegen der schwierigen finanziellen Lage schlossen sich in den 1930er Jahren die sächsischen Automobil-Firmen DKW, Audi, Horch und die Fahrzeugabteilung von Wanderer mit Hilfe eines Sechs-Millionen-Kredits der Sächsischen Staatsbank zur Auto Union AG zusammen. Die fortschrittlichen Autos der Firmen und die Rennsporterfolge brachten der sächsischen Auto Union bald den internationalen Durchbruch.
Zweitakt und Duroplast
Im Zweiten Weltkrieg wurde der größte Teil der Fertigungshallen durch Bomben zerstört und wesentliche Teile des Maschinenparks nach dem Ende des Krieges als Reparationsleistung demontiert. So konnten erst ab 1947 wieder Fahrzeuge - vorerst nur Traktoren und LKW - in Zwickau hergestellt werden. Die ersten PKW folgten 1949. Grundlage der Produktion bildeten dabei noch Konstruktionen aus der Vorkriegszeit. In den vereinten Automobilwerken von Horch und Audi, die nun VEB Sachsenring Automobilwerke Zwickau hießen, begann am 10. Juli 1958 die serienmäßige Produktion des Trabant. Der so genannte P50 besaß einen Zweizylinder-Zweitaktmotor mit 500 Kubikzentimetern Hubraum - und eine Duroplastkarosserie auf Stahlblechrahmen.
Die Karosserie aus gepresstem Duroplast wappnete den Trabi gegen Rostschäden.
Die Idee, den äußeren Aufbau eines Kraftfahrzeugs, die Karosserie, preiswerter zu machen, stammte aus den 1930er Jahren. Schon in dieser Zeit führte sie zur Entwicklung erster Kunstharzkarosserien. Auch in der DDR war Tiefziehblech teure Mangelware. Und so ersann das Entwicklungs- und Konstruktionsbüro für den Automobilbau in Chemnitz eine eigene Fertigungstechnologie. 1955 wurde der erste deutsche Gebrauchswagen mit einer serienmäßigen Karosserie aus Kunststoff, der P70 "Typ Zwickau", vorgestellt: Duroplast, ein Gemenge aus neunzig zusammengepressten Schichten Baumwolle, Lumpen und verschiedenen Kunstharzen, ersetzte das teure Metall.
1936: hundert Kilometer pro Stunde
Nicht nur am Aufbau, auch an der Leistung feilten die Ingenieure ständig. War der P50 mit seinen 18 PS bis zu 90 Stundenkilometern schnell, so legte sein Nachfolger - der P50/2 - zwei Jahre später mit 2 PS mehr schon bis zu 95 Stundenkilometer vor. Ab 1963 fegte das Modell P60 dank 600-Kubik-Motor und 23 PS bereits mit forschen 100 Stundenkilometern über die Landstraßen.
Bis zu zwölf Jahre Wartezeit: der Traum vom eigenen Auto verlangte viel Geduld. Verantwortlich dafür waren permanente Produktionsengpässe.
Zwölf Jahre warten
Im Laufe der Zeit konnten sich seine Fahrer nur über kleinere Neuerungen freuen, wie die Lampe im Kofferraum, die Tankanzeige, die Benzinhahnverlängerung oder die weichere Federung. Die größte Freude war es ohnehin, den Klassiker nach zwölf Jahren Wartezeit endlich in der Garage stehen zu haben.
Einer für alle für immer
Bereits 1964 hätte ein modernes 50-PS-Nachfolgemodell in Serie gehen sollen. Der P100 erlitt jedoch das gleiche Schicksal wie alle seine Nachfolger: Er wurde nie gebaut. Alle Prototypen der Jahre 1963 bis 1968, obwohl international konkurrenzfähig, wurden verschrottet, keiner ging in die Produktion. Gleiches traf auf den P1100 zu: Das Modell mit dem 50 PS starken Vierzylindermotor sollte ab 1984 vom Band rollen. Die SED entschied anders: Autos seien Luxusgüter; Chemie-Industrie, Grundstoff- und Verteidigungswirtschaft hätten stets vor der Automobilindustrie zu kommen. Der von der Partei verordnete Slogan lautete: "Wir brauchen nur ein Auto für alle - und das für immer!"
Kein reizendes Angebot
Die einzige zukunftsweisende Entscheidung der DDR-Regierung kam dann viel zu spät. Mit der Gründung der VW-IFA GmbH am 27. Dezember 1989 wurde das Werk angewiesen, einen neuen 1,1-Liter-VW-Motor in den Trabant einzubauen. So rollte am 21. Mai 1990 der erste Trabant 1.1 mit VW-Polo-Motor vom Band. Doch auch das konnte das Auto nicht mehr retten. Ein unmodernes Modell mit neuem Innenleben reizte für 14.000 Ost-Mark keinen zum Kauf.
Er lief am 30. April 1991 als letzter seiner Art vom Zwickauer Band: in schrillem Pink.
Ein Ingenieur beschrieb das Dilemma des DDR-Automobilbaus nach der Wende so: "Das traurige Kapitel PKW hat seinen Höhepunkt im Trabant 1.1 gefunden, mit dem es wie befohlen gelungen ist, mit außerordentlich hohem Aufwand ein ungewöhnlich unbefriedigendes Ergebnis zu erzielen. ... Die Kraftfahrzeugtechniker der Welt werden über uns lachen, die Käufer in der DDR verdammen uns und halten die Fahrzeugbauer der DDR für völlig unfähig."
Das Ende kam denn auch schnell, die Fahrzeuglager in Zwickau quollen geradezu über. Wegen des unzeitgemäßen Designs, des hohen Preises, der fehlenden Recyclebarkeit und der bekannten Sicherheitsrisiken der Karosserie aus Duroplast brach die Trabant-Nachfrage massiv ein. Die Produktion ließ sich nicht mehr wirtschaftlich weiterführen und wurde eingestellt.
Tränen zum Schluss
Am 30. April 1991 lief der allerletzte Trabant des Typs 1.1 vom Band. Er hatte die Sonderlackierung Miss-Piggy-Pink und war das genau 3.069.099. Modell seit Produktionsbeginn. Die Arbeiter hatten Tränen in den Augen, aber auch sie wollten, wie alle anderen, lieber Mercedes, BMW, Audi, Opel oder Ford fahren. Volkswagen übernahm das Werk; am 21. Mai 1990 begann dort die Montage des VW-Polo. Heute zieht das Kultfahrzeug Trabant nur noch im Universum der Trabiliebhaber seine Bahn.
Christiane Nienhold (aktualisiert 23.03.2011)
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Liebe fürs Leben
1991 lief in Zwickau der letzte Trabant vom Band. Obwohl viele Halter ihren Trabi in der Wendezeit abmeldeten und verschrotteten, ist das Gefährt nicht von den Straßen verschwunden. Im Jahr 2010 sind immerhin noch über 30.000 "Rennpappen" in Deutschland angemeldet.
Fanclubs feiern den Trabi als Kultauto, für andere ist er einfach nur ein günstiger fahrbarer Untersatz. Er ist pflegeleicht, kaum störanfällig und leicht zu reparieren: Trabifreunde bieten im Internet Ersatzteile und Reparaturanleitungen an; und auf Trabitreffen fachsimpeln Fahrer stundenlang über die Technik.
Wahre Bastler bauen ihre Gefährte zu Wunderkarossen um. Stretchlimousinen hat der eine oder andere vielleicht schon gesehen, aber es gibt auch den "Sauna-Trabi", das "Papa-Mobil" mit Glasaufbau - dem Papst gewidmet - oder den Trabi mit Bratwurstgrill und Sonnenschirm. Gelegenheit zum Vorzeigen solcher Unikate bieten übers Jahr verteilt Dutzende Treffen, zum Beispiel das jährliche Internationale Trabantfahrer Treffen (ITT) in Zwickau, veranstaltet vom Verein InterTrab.
Bei solchen Treffen können Clubs und Trabigemeinschaften ihre Fahrzeuge präsentieren und sich im Wettkampf messen. Wie leistungsstark der Trabant ist, stellt er bei technischen Einzelwettkämpfen unter Beweis. Bastler wetteifern um die beste Zeit beim Rad- oder Motorwechsel. Mitunter gibt es auch kuriose Wettbewerbe, wie das Trabi-Wettschieben oder das Rollen übers Trabi-Dach. Wendigkeit und Kraft der "Rennpappen" werden auch auf Rallyes getestet.
Mit Hilfe von Trabifreunden und Trabiliebhabern wird der "Plastikbomber" wohl noch einige Zeit bestehen. Denn Gefallen an ihm findet auch die neue Generation, diejenige, die "ihre Kindheit nicht im Trabi verbracht hat" - so sieht es der Bad Köstritzer Trabibesitzer Bert Oehlgardt. Und Oehlgardt weiß auch, was das Besondere am Trabant ist: "seine Renitenz gegen eine schnelllebige Zeit, in der jede Sekunde zählt". (Christiane Nienhold)
1991 lief in Zwickau der letzte Trabant vom Band. Obwohl viele Halter ihren Trabi in der Wendezeit abmeldeten und verschrotteten, ist das Gefährt nicht von den Straßen verschwunden. Im Jahr 2010 sind immerhin noch über 30.000 "Rennpappen" in Deutschland angemeldet.
Fanclubs feiern den Trabi als Kultauto, für andere ist er einfach nur ein günstiger fahrbarer Untersatz. Er ist pflegeleicht, kaum störanfällig und leicht zu reparieren: Trabifreunde bieten im Internet Ersatzteile und Reparaturanleitungen an; und auf Trabitreffen fachsimpeln Fahrer stundenlang über die Technik.
Wahre Bastler bauen ihre Gefährte zu Wunderkarossen um. Stretchlimousinen hat der eine oder andere vielleicht schon gesehen, aber es gibt auch den "Sauna-Trabi", das "Papa-Mobil" mit Glasaufbau - dem Papst gewidmet - oder den Trabi mit Bratwurstgrill und Sonnenschirm. Gelegenheit zum Vorzeigen solcher Unikate bieten übers Jahr verteilt Dutzende Treffen, zum Beispiel das jährliche Internationale Trabantfahrer Treffen (ITT) in Zwickau, veranstaltet vom Verein InterTrab.
Bei solchen Treffen können Clubs und Trabigemeinschaften ihre Fahrzeuge präsentieren und sich im Wettkampf messen. Wie leistungsstark der Trabant ist, stellt er bei technischen Einzelwettkämpfen unter Beweis. Bastler wetteifern um die beste Zeit beim Rad- oder Motorwechsel. Mitunter gibt es auch kuriose Wettbewerbe, wie das Trabi-Wettschieben oder das Rollen übers Trabi-Dach. Wendigkeit und Kraft der "Rennpappen" werden auch auf Rallyes getestet.
Mit Hilfe von Trabifreunden und Trabiliebhabern wird der "Plastikbomber" wohl noch einige Zeit bestehen. Denn Gefallen an ihm findet auch die neue Generation, diejenige, die "ihre Kindheit nicht im Trabi verbracht hat" - so sieht es der Bad Köstritzer Trabibesitzer Bert Oehlgardt. Und Oehlgardt weiß auch, was das Besondere am Trabant ist: "seine Renitenz gegen eine schnelllebige Zeit, in der jede Sekunde zählt". (Christiane Nienhold)



