Träger der Seele
Großen Respekt abgenötigt hat der Adler dem Menschen schon immer. Legenden erzählen vom Vogel Phoenix, Religionen haben den Adler zum Symbol erwählt. Hinter alldem steckt ein uraltes Bild.Weit reichende, schrille Rufe hallen durch die Luft. Fast ohne Flügelschlag gleitet der majestätische Vogel in beträchtlicher Höhe dahin, hält dann plötzlich ein, und ist nach atemberaubendem Sturzflug der Erde nahe. Es war nur eine kurze Begegnung, wie der Einschlag eines Blitzes. Irgendein Tier auf dem Grund, zum Beispiel eine Schlange, hat das Treffen das Leben gekostet. Der Adler steigt wieder empor, zum Himmel, zur Sonne.
Auf Adlers Schwingen
Kein Wunder, dass Menschen seit jeher den Adler mit den schicksalsgestaltenden Göttern und mit dem Zentralgestirn in Verbindung bringen. Eng verwandt war er schon den Griechen der Antike mit dem Geist des Blitzes: War Zeus wieder einmal wütend und schleuderte seine Pfeile gen Erde, sorgte der Adler dafür, dass sie ihre Ziele trafen. Der Göttervater selbst nahm die Gestalt eines Adlers an, um seinen jungen Liebhaber Ganymed in den Himmel zu tragen.
Der Adler als Götterdiener, als ausführende Gewalt des höchsten Ratschlusses, gehört in Form einer noch berühmteren Legende zum antiken Repertoire: Es ist die Sage von Prometheus, der den Menschen gegen Zeus' Willen das Feuer brachte, und dem nun, an einen Felsen im Kaukasus geschmiedet, ein Adler an der Leber nagt. Erst auf Bitte des Herakles' erlöst Zeus den Gefangenen - und auch den Adler - von dieser Qual.
Adler und Schlange
Merkwürdig ist in den indogermanischen Kulturen das spannungsreiche Verhältnis von Adler und Schlange. Nach germanischem Mythos sitzt hoch oben im Gipfel der Weltenesche Yggdrasil ein viel wissender Adler, fast wie Odin auf seinem Hochsitz Hlidskjalf. An den Wurzeln des Baumes aber nagt die scheußliche Schlange Nidhögr, zornigen Schmähworten des Adlers ausgesetzt. Die Schimpfreden zwischen den Beiden überbringt das Eichhörnchen Ratatöskr, das flink am Stamm auf und nieder rennt.
Das Bild vom Kampf zwischen dem hehren Luftwesen und dem Wesen der niederen Regionen, auch des Wassers, dient hier als Spiegel der menschlichen Seele: Dem Adler blieb es vorbehalten, Symbol der höheren Mächte im Menschen zu sein. Ebenso wirkt er als verbindendes Element, als Träger der Seele zur höchsten Gottheit: So war es römischer Brauch, bei Bestattungen von Kaisern einen Adler über dem Scheiterhaufen schweben zu lassen, die Seele, die sich zum Himmel erhebt, bildlich darstellend. Ganz ähnlich stieg der ägyptische Pharao auf den Schwingen des Sonnenfalken in den Himmel empor.
Gewisse Urbilder sind so eng mit dem Denken und Fühlen aller Menschen verknüpft, dass sie in den Weltbildern praktisch sämtlicher Religionen und Kulturen immer wieder auftauchen. Solche Archetypen warten oft nur darauf, von einem religiösen Propheten oder Dichter in neuer Gestalt ans Licht gehoben zu werden. Gerade das Motiv des seelentragenden Adlers erscheint auch in der christlichen Mythologie schon in ihren frühesten Phasen voller Bedeutung.
Religion und Naturwissenschaft
Der Verfasser des Physiologus, einer Schrift aus dem 2. oder 3. Jahrhundert, der antike naturwissenschaftliche Kenntnisse christlich deutet, widmet dem Adler sogar ein ganzes Kapitel. Ausgehend von der Schau des wassertrinkenden und in die Höhe fliegenden Vogels, sieht er Taufe und Auferstehung im Weg des Adlers versinnbildlicht. Das Alte Testament bereits sprach ja von der Fürsorge Gottes, der die Seinen kraftvoll "auf Adlerflügeln" trägt. Anschließend heißt es vom Adler, dass er der König der Vögel sei und einhundert Jahre lebe. Dann werde sein Schnabel zu groß und seine Augen trübe, so dass er nichts mehr sieht und nicht jagen kann. Er steige endlich ganz hoch hinauf, stürze sich vom Felsen herab, zerbreche seinen Schnabel und bade im Jungbrunnen. Wenn die Sonnenwärme auf ihn strahlt, werde er wieder jung.
Ein uraltes Motiv: Phoenix, dargestellt als Adler, erhebt sich aus seiner Asche.
Das freie und bewusste Wesen
Was aber wird aus der Schlange? Fällt sie dem Adler zum Opfer, als Beutetier? Antwort auf diese Frage gibt eine Zeiten und Völker durchlaufende esoterische Tradition: Nach ihr wird einmal der Tag kommen, an dem alle Gegensätze in der allumfassenden Gottheit zusammenfallen. Um dieses Ziel zu erreichen, ist es Aufgabe des Menschen, Licht in die verborgenen Tiefen seiner Seele zu lenken und die Schlange "aufzurichten". Erst dann kann der Adler, das freie und bewusste Wesen, in die Sonne, in Gott eingehen.
Michael Schmittbetz (aktualisiert 21.02.2012)
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Infobox
Verbreitung und Lebensraum
Das Verbreitungsgebiet der Seeadler erstreckt sich von Grönland über das gesamte nördliche Europa und Asien bis an die Pazifikküste. Aber auch in Südosteuropa sind die Greifvögel vereinzelt angesiedelt.
Seeadler sind an großen Gewässern zu Hause. Im Binnenland Mitteleuropas bewohnen die Greifvögel die Wald-Seen-Landschaften. In Deutschland sind sie vor allem in Mecklenburg-Vorpommern im Bereich der Müritz sowie in der sächsischen Oberlausitz zu finden: Rund 130 Seeadler-Paare brüten derzeit in Mitteldeutschland.
Steinadler besiedeln abgelegene Gebirge Europas und Asiens, außerdem kommen sie in Nordafrika bis zur Sahara und in Nordamerika vor. In Deutschland ist das Brutgebiet des Steinadlers auf den Alpenraum begrenzt. Dort halten sich etwa 45 bis 50 Steinadler-Paare auf.
Fischadler sind, mit Ausnahme der Polargebiete, fast auf der ganzen Welt zu Hause. In Deutschland ist die Verbreitung dieser Greifvögel weitgehend auf Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen beschränkt: Etwa achtzig Fischadlerpaare zählt die Region.
Fischadler leben in Wäldern, in denen fischreiche Seen und Teiche beziehungsweise größere, langsam fließende Flüsse zu finden sind.
Schreiadler, eine weltweit stark gefährdete Art, sind neben Deutschland auch in Mittel- und Osteuropa, zwischen Baltikum und Balkan, bis nach Moskau beheimatet. Außerdem reicht ihr Verbreitungsgebiet von der Türkei bis in den nördlichen Iran. Schreiadler bevorzugen Wälder mit angrenzenden Feuchtwiesen und Mooren.
In Deutschland zeigen sich die scheuen Tiere hauptsächlich in Mecklenburg-Vorpommern: Etwa achtzig von deutschlandweit einhundert Paaren brüten dort.
Das Verbreitungsgebiet der Seeadler erstreckt sich von Grönland über das gesamte nördliche Europa und Asien bis an die Pazifikküste. Aber auch in Südosteuropa sind die Greifvögel vereinzelt angesiedelt.
Seeadler sind an großen Gewässern zu Hause. Im Binnenland Mitteleuropas bewohnen die Greifvögel die Wald-Seen-Landschaften. In Deutschland sind sie vor allem in Mecklenburg-Vorpommern im Bereich der Müritz sowie in der sächsischen Oberlausitz zu finden: Rund 130 Seeadler-Paare brüten derzeit in Mitteldeutschland.
Steinadler besiedeln abgelegene Gebirge Europas und Asiens, außerdem kommen sie in Nordafrika bis zur Sahara und in Nordamerika vor. In Deutschland ist das Brutgebiet des Steinadlers auf den Alpenraum begrenzt. Dort halten sich etwa 45 bis 50 Steinadler-Paare auf.
Fischadler sind, mit Ausnahme der Polargebiete, fast auf der ganzen Welt zu Hause. In Deutschland ist die Verbreitung dieser Greifvögel weitgehend auf Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen beschränkt: Etwa achtzig Fischadlerpaare zählt die Region.
Fischadler leben in Wäldern, in denen fischreiche Seen und Teiche beziehungsweise größere, langsam fließende Flüsse zu finden sind.
Schreiadler, eine weltweit stark gefährdete Art, sind neben Deutschland auch in Mittel- und Osteuropa, zwischen Baltikum und Balkan, bis nach Moskau beheimatet. Außerdem reicht ihr Verbreitungsgebiet von der Türkei bis in den nördlichen Iran. Schreiadler bevorzugen Wälder mit angrenzenden Feuchtwiesen und Mooren.
In Deutschland zeigen sich die scheuen Tiere hauptsächlich in Mecklenburg-Vorpommern: Etwa achtzig von deutschlandweit einhundert Paaren brüten dort.
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Symboltier Adler
War es der an langen Stangen getragene Adler der römischen Legionen, über den der stattliche Vogel zum Wappentier wurde?
Als Machtsymbole fungierten Adler jedenfalls schon früher und auch in folgenden Zeiten: Ein gelber Doppeladler auf rotem Grund diente als Wappen der Kaiser von Byzanz, ein schwarzer Doppeladler auf gelbem Grund war seit 1433 das Wappen der deutschrömischen Kaiser.
Eng an diese Vorbilder angelehnt, tritt uns auf Dokumenten und Münzen der österreichische Doppeladler entgegen (1804 bis 1918 und 1934 bis 1938). Auch das Symbol der russischen Zaren war - in byzantinischer Tradition - der Doppeladler.
Den einköpfigen schwarzen Adler, wie er in preußischen Symbolen üblich war, bevorzugten auch die Oberen des Deutschen Reiches (1871 bis 1945). Für die Bundesrepublik wurde er übernommen.
Der Weißkopfseeadler, in Nordamerika und in Kanada fast überall zu Hause, ist seit 1782 das Wappentier der USA. Weißkopfseeadler sind besonders für spektakuläre Verfolgungsjagden und ihre Sturzflüge bekannt.
War es der an langen Stangen getragene Adler der römischen Legionen, über den der stattliche Vogel zum Wappentier wurde?
Als Machtsymbole fungierten Adler jedenfalls schon früher und auch in folgenden Zeiten: Ein gelber Doppeladler auf rotem Grund diente als Wappen der Kaiser von Byzanz, ein schwarzer Doppeladler auf gelbem Grund war seit 1433 das Wappen der deutschrömischen Kaiser.
Eng an diese Vorbilder angelehnt, tritt uns auf Dokumenten und Münzen der österreichische Doppeladler entgegen (1804 bis 1918 und 1934 bis 1938). Auch das Symbol der russischen Zaren war - in byzantinischer Tradition - der Doppeladler.
Den einköpfigen schwarzen Adler, wie er in preußischen Symbolen üblich war, bevorzugten auch die Oberen des Deutschen Reiches (1871 bis 1945). Für die Bundesrepublik wurde er übernommen.
Der Weißkopfseeadler, in Nordamerika und in Kanada fast überall zu Hause, ist seit 1782 das Wappentier der USA. Weißkopfseeadler sind besonders für spektakuläre Verfolgungsjagden und ihre Sturzflüge bekannt.



