Der nächste Verwandte
Wann in der Evolutionsgeschichte haben sich Mensch und Schimpanse vom gemeinsamen Vorfahren getrennt? Forscher bemerken einen erstaunlichen Effekt: Je genauer ihre Methoden sind, umso näher rückt uns der Affe.Er kommt uns näher je mehr Einsichten die Wissenschaft gewinnt: Endgültig trennten sich Mensch und Schimpanse vermutlich erst vor 1,2 Millionen Jahren.
Wieder angenähert
Das überraschende Resultat: Zwar gab es, wie längst bekannt, ein grundlegendes Verlassen der gemeinsamen Vorfahren vor etwa 6 Millionen Jahren. Doch was dann folgte, waren komplexe Prozesse aus Kreuzung, Distanzierung und wiederholten Annäherungen. Seit gerade mal 1,2 Millionen Jahren gehen der Mensch und sein nächster Verwandter endgültig getrennte Wege, lautet der Befund.
Zwei Familien?
Tatsächlich scheint dieser nächste Verwandte umso näher zu rücken, je ausgefeilter die Untersuchungsmethoden sind, die zur Anwendung gelangen. In Lehrbüchern der 1950er Jahre taucht noch unwidersprochen die These auf, der Mensch habe sich schon vor 15 bis 30 Millionen Jahren vom Menschenaffen getrennt. Folglich war es wenig erstaunlich, dass Taxonomen (Tier- und Planzensystematiker) dem Menschen und den Menschenaffen zwar Plätze in derselben Ordnung (Primaten) und in derselben Überfamilie (Hominiden) zugewiesen hatten. Aber wenigstens eine separate Familie (Hominidae) durfte uns denkenden Wesen mit aufrechtem Gang neben den Menschenaffen (Pongiden) erhalten bleiben.
Dank fortschreitender Genetik - und der damit verbundenen Distanzverkürzung Mensch-Schimpanse auf rund 6 Millionen Jahre - war das Bemühen, der "Krone der Schöpfung" ihr Familienreservat zu bewahren, bald Schnee von Gestern: Seit kurzem sind die "Ex-Pongiden" Mitglieder der Familie Hominidae.
"Genetische Uhr"
Eine Schlüsselrolle spielte dabei, was Experten als "genetische Uhr" bezeichnen: Um 1970 erkannten Molekularbiologen, dass Unterschiede in der DNS wie eine Uhr zum Messen genetischer Abstände und zum Datieren evolutionsgeschichtlicher Abzweigungen geeignet sind: umso größer die Unterschiede, umso mehr Zeit ist seit der Abspaltung von den gemeinsamen Vorfahren vergangen.
Nachdem es gelungen war, das "Uhrwerk in der Doppelhelix" anhand von Fossilienfunden zu "eichen", also ein allgemeines Tempo genetischen Wandels zu bestimmen, stand der universellen Anwendung des Verfahrens auf beliebige Einzelfragen kein grundsätzliches Hindernis mehr entgegen. Spannendster Versuchsansatz war eben die Analyse von Nähe und Abstand zwischen Mensch und Schimpanse - weil dies das Problem menschlicher Identität, menschlicher Besonderheit und Unverwechselbarkeit, direkt berührt...
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Nutztiere im engen Sinn sind Schimpansen, Gorillas & Co. nicht. Allerdings wird ihnen ihre physiologische Ähnlichkeit mit den Menschen oft zum Verhängnis, wo es um medizinische Studien geht. Als Klassiker darf hierbei der Rhesusaffe gelten, an dem Mediziner 1940 den Rhesusfaktor als Eigenschaft des Blutes entdeckten.
Die Nachfrage nach Versuchstieren war in der Vergangenheit mitunter so hoch, dass sie zur Dezimierung ganzer Populationen führte. Heute stammen Labortiere meist aus eigener Zucht. Die mit Tierversuchen an Primaten verbundenen besonderen ethischen Probleme entschärft letzteres freilich kaum: "Warum ist es zulässig, Versuche mit dem Homo troglodytes (dem gemeinen Schimpansen) anzustellen und nicht mit dem Homo sapiens?", fragt der US-amerikanische Anthropologe Jared Diamond unter Anspielung auf die genetische Nähe von Mensch und Menschenaffe.
Wenig rücksichtsvoll ist auch die Verwendung von Primaten in einem entlegeneren Gebiet menschlichen Tuns: in der Raumfahrt. "Pionier" war hier der Totenkopfaffe Gordo, den eine Redstone-Rakete 1958 ins Weltall katapultierte. In ziemlich dichter Reihenfolge schossen USA und UdSSR später Dutzende Primaten auf Erdumlaufbahnen oder verwendeten sie für Belastungstests. Wenige Tiere überstanden dies unbeschadet.
Die Nachfrage nach Versuchstieren war in der Vergangenheit mitunter so hoch, dass sie zur Dezimierung ganzer Populationen führte. Heute stammen Labortiere meist aus eigener Zucht. Die mit Tierversuchen an Primaten verbundenen besonderen ethischen Probleme entschärft letzteres freilich kaum: "Warum ist es zulässig, Versuche mit dem Homo troglodytes (dem gemeinen Schimpansen) anzustellen und nicht mit dem Homo sapiens?", fragt der US-amerikanische Anthropologe Jared Diamond unter Anspielung auf die genetische Nähe von Mensch und Menschenaffe.
Wenig rücksichtsvoll ist auch die Verwendung von Primaten in einem entlegeneren Gebiet menschlichen Tuns: in der Raumfahrt. "Pionier" war hier der Totenkopfaffe Gordo, den eine Redstone-Rakete 1958 ins Weltall katapultierte. In ziemlich dichter Reihenfolge schossen USA und UdSSR später Dutzende Primaten auf Erdumlaufbahnen oder verwendeten sie für Belastungstests. Wenige Tiere überstanden dies unbeschadet.



