Göttliche Karriere
Seit zwei Jahrtausenden hat Hanuman, der Gott in Affengestalt, seinen Platz in den asiatischen Religionen. Doch erst in letzter Zeit brachte es der Langur in Hinduismus und Buddhismus zu Rang und Ehren.Darstellung des Gottes Hanuman: Der Kopf eines Affen auf einem muskulösen menschlichen Körper; zudem ein langer Schwanz.
Gekommen um zu bleiben
Bereits vor zwei Jahrtausenden fand die Figur des Affen Eingang in Buddhismus und Hinduismus in Gestalt Hanumans. Seitdem hat die religiöse Verehrung von Affen im zeitgenössischen Indien Tradition. Inzwischen zählt der Affengott zu den beliebtesten Gottheiten des indischen Pantheons. Diesen Status erreichte er erst während der letzten zwei Jahrhunderte. Warum?
Noch im Schatten Ramas
Seinen ersten und bis heute nachhaltigsten Auftritt hatte Hanuman im indischen Nationalepos Ramayana, das im Zeitraum von 300 v. Chr. bis 300 n. Chr. entstand und vom legendären Dichter Valmiki und seinen Nachfolgern verfasst wurde. Hier hilft Hanuman Rama - der siebten Inkarnationen des hinduistischen Gottes Vishnu - dessen Frau Sita aus den Fängen des Dämonenfürsten Ravana zu befreien. Bis zur Jahrhundertwende wird Hanuman im Schatten Ramas bleiben: als Verkörperung des Freundes und als hingebungsvoller Diener.
Abnabelung im Gange
In den folgenden Jahrhunderten emanzipiert sich Hanuman zunehmend von Rama. Einerseits gilt der Gott in Affengestalt nach wie vor als der Modellgott im Hinblick auf Dienstbarkeit und Freundestreue; andererseits entwickelt er andere, ihm zugeschriebene Eigenschaften weiter. Heute wird der Affengott als echter All-around-Gott verehrt. Ein Erlöser ist Hanuman jedoch nicht; seine Verehrung ist eher am Diesseits orientiert. Er hilft in Alltagssituationen und verkörpert den Befreier aus Schwierigkeiten und Krisen.
Langur im Aufwind
Man opfert ihm, weiht ihm Götterbilder oder erbaut neue Tempel. Redewendungen zitieren seinen Namen und in der Werbung steht er für Zuverlässigkeit und Vertrauenswürdigkeit. Sein derzeitiger Status in Nordindien ist dem Shivas oder Vishnus vergleichbar. Der Religionswissenschaftler István Keul blickt in die Zukunft: "Hanuman ist nicht mehr der größte unter den kleinen Göttern Indiens, sondern bereits eine der großen Göttergestalten, deren unauffälliger Aufstieg weitergeht."
Anja Tausche (18.01.2006/aktualisiert Tanja Eckhardt 17.06.2008)
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Infobox
Alltagsgott
Der Religionswissenschaftler István Keul untersuchte die Verehrung des Affengottes in sechs Hanumantempeln in Benares, einer Stadt im Nordosten Indiens. Die Studie ergab, dass die Verehrer unterschiedlichen Kasten und Bildungsschichten angehören und seine Huldigung somit alle Bevölkerungsschichten vereint.
Eine bedeutsame Folge dieser breiten Streuung sind weit auseinanderstrebende Erwartungen an den Languren. Befragte bitten ihn um Schutz auf Reisen, Gesundheit, positive Prüfungsergebnisse, psychische Stabilität und sogar finanzielle Hilfe.
Fast die Hälfte seiner Anhänger gab an, dass er ihnen sehr geholfen habe. Nicht einmal ein Zehntel der Befragten glaubt, bisher keinen konkreten Beistand erhalten zu haben. Statt Zerstörer oder Schöpfer zu sein, ist Hanuman der Alltagsgott.
Der Religionswissenschaftler István Keul untersuchte die Verehrung des Affengottes in sechs Hanumantempeln in Benares, einer Stadt im Nordosten Indiens. Die Studie ergab, dass die Verehrer unterschiedlichen Kasten und Bildungsschichten angehören und seine Huldigung somit alle Bevölkerungsschichten vereint.
Eine bedeutsame Folge dieser breiten Streuung sind weit auseinanderstrebende Erwartungen an den Languren. Befragte bitten ihn um Schutz auf Reisen, Gesundheit, positive Prüfungsergebnisse, psychische Stabilität und sogar finanzielle Hilfe.
Fast die Hälfte seiner Anhänger gab an, dass er ihnen sehr geholfen habe. Nicht einmal ein Zehntel der Befragten glaubt, bisher keinen konkreten Beistand erhalten zu haben. Statt Zerstörer oder Schöpfer zu sein, ist Hanuman der Alltagsgott.




