Die Verameisung
Ein Staatssystem, in dem sich jeder widerspruchslos in den Dienst der Gemeinschaft stellt, scheint so manchem erstrebenswert. Bereits der griechische Philosoph Platon dachte dies.Der griechische Philosoph Platon (428/27 bis 348/47) war Schüler des Sokrates und Lehrer des Aristoteles.
In seinem Werk Politeia - griechisches Wort für Staat - sucht er die perfekte Staatsform. Dort sollen alle glücklich und zufrieden leben: Es gibt genügend Nahrung, Kleidung und Wohnraum, jeder hat Arbeit, nie herrscht Streit oder Missgunst, weil jeder Bürger den ihm vorgesehenen Platz widerspruchslos hinnimmt - zum Wohle des Staates, dem übergeordneten Ganzen.
Abbild der menschlichen Seele
Doch wie soll dieser Idealstaat aussehen? Alle bisher bekannten Staatsformen lehnt Platon kategorisch ab: Demokratie (Herrschaft Vieler) ebenso wie Oligarchie (Herrschaft Weniger) und Tyrannis (Herrschaft eines Einzelnen). Sein Staat soll gerecht sein, ein Abbild der menschlichen Seele. Dreigeteilt in einen vernünftigen, mutigen und begehrenden Teil, könnten Staat wie Mensch nur dann existieren, so Platon, wenn diese drei Einheiten in völliger Harmonie zueinander stünden. Dafür entwickelt der Philosoph ein ausgeklügeltes Staatsystem, das in drei Stände unterteilt ist: Herrscher, Wächter und Gewerbetreibende.
"Staat von Schweinen"
Arbeiter sollen die elementaren Bedürfnisse des Menschen stillen wie Nahrung, Kleidung, Wohnstätte und medizinische Versorgung. Dieses Grundmodell ist Platon jedoch zu primitiv, im wahrsten Sinne zu animalisch: ein "Staat von Schweinen". Also muss er erweitert werden für ein kulturell und zivilisatorisch hochstehendes Gemeinwesen. Da eigennütziges Streben Ungerechtigkeit und Krieg zur Folge habe, müssen Krieger diesen Staat schützen: die Wächter. Keine Soldaten im herkömmlichen Sinne, gedrillt auf Befehl und Gehorsam, sollen es sein. Mutig und gebildet sind die platonischen Wächter gleichermaßen, durchlaufen hierfür eine lange Ausbildung in Gymnastik, Musik und Literatur.
Die Philosophenschule von Athen: Platon und Aristoteles inmitten der berühmtesten antiken Denker. (Bild von Raffael, 1512)
Staat der Spezialisten
In Platons Stadtstaat - nur sechstausend Bewohner darf er beherbergen - herrscht Arbeitsteilung per Dekret. Jeder darf nur das tun, wozu er geboren und ausgebildet ist: Ein Staat aus lauter Spezialisten entsteht. Wer Schuster ist, macht Schuhe, der Arzt heilt Kranke und ein Baumeister errichtet Städte. In dieser Analogie scheint es logisch, dass nur ein Wächter den Staat bewachen kann.
Zum Herrschen bestimmt
Doch wer regiert, wer hat letzten Endes die Befehlsgewalt? Nur die Tüchtigsten und Klügsten: weise Philosophenkönige. Sie werden jedoch nicht vom Volk gewählt, sondern ob ihrer Anlagen, ihrer Weisheit, ihres hohen Alters und einer jahrzehntelangen Ausbildung zu Herrschern bestimmt. Man lässt ja schließlich den Schuster auch keine Menschen heilen oder Häuser bauen.
Im gerechten Staatswesen steht dem Individuum das zu, was ihm und dem Staat zur völligen Entfaltung verhilft. Nur wenn jeder Einzelne seine ihm zugeteilten Aufgaben, seinen Anlagen entsprechend, optimal ausfüllt, entsteht der größte Nutzen für alle Beteiligten und das gesamte System.
Totalitär und diktatorisch
Sicher, der Ansatz ist löblich: ein gerechter Staat, in dem es allen gut geht. Doch das Individuum ist alleine nicht mehr lebensfähig, wird völlig ausgeblendet. In Platons Staat herrscht keine Vielfalt, keine Entfaltung, sondern Zensur und Zwang: ein absolut totalitäres und diktatorisches System. Der Einzelne hat sich dem Kollektiv unterzuordnen, nach den Vorschriften einer kleinen Herrscherkaste. Dass die nie weise und nach den Bedürfnissen aller regiert, dürfte die Historie deutlich gezeigt haben. Denn Menschen, anders als Ameisen, verfolgen zu jeder Zeit ihre individuellen Interessen.
Susanne Fetter (28.01.2005/aktualisiert 03.03.2008)
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Staat
Platons Hauptwerk zur Staatslehre trägt den Titel Politeia, meist übersetzt mit Staat. Doch bedeutet der Begriff auch Regierung, Regierungsform, Bürgerschaft, Bürgerrecht, öffentliches Wirken, Verfassung und Staat im geographischen Sinne.
Der später beigefügte Untertitel oder über das Gerechte verweist auf das Hauptthema des Buches. Die Politeia ist in Dialogform geschrieben. Fiktive Gesprächspartner sind der Philosoph Sokrates, der Sophist Thrasymachos sowie Glaukon und Adeimantos, die beiden Brüder Platons.
Platons Hauptwerk zur Staatslehre trägt den Titel Politeia, meist übersetzt mit Staat. Doch bedeutet der Begriff auch Regierung, Regierungsform, Bürgerschaft, Bürgerrecht, öffentliches Wirken, Verfassung und Staat im geographischen Sinne.
Der später beigefügte Untertitel oder über das Gerechte verweist auf das Hauptthema des Buches. Die Politeia ist in Dialogform geschrieben. Fiktive Gesprächspartner sind der Philosoph Sokrates, der Sophist Thrasymachos sowie Glaukon und Adeimantos, die beiden Brüder Platons.



