Tierisches Comeback
Wegen des flauschigen Fells und delikaten Fleisches machte der Mensch einst Jagd auf den Biber und rottete ihn fast aus. Bald aber machte er sich daran, den Nager wieder einzubürgern.Hell- bis dunkelbraun schimmert das dichte Haarkleid des Bibers. Mit etwa 23.000 Haaren pro Quadratzentimeter ist die Biberhaut fast hundertmal dichter bestückt als die Kopfhaut des Menschen. Also ein Pelz erster Qualität - nicht immer zum Vorteil des natürlichen Trägers...
Heilend und zierend
Tatsächlich führte erbarmungslose Jagd fast zum Aussterben des Bibers. Und das nicht etwa, weil das Tier dem Menschen schadete. Im Gegenteil - die vielen nützlichen Eigenschaften des Nagers machten ihm das Überleben schwer. Zum Beispiel begehrte man ihn wegen des so genannten Bibergeils: ein Drüsensekret, das sich in Drüsensäcken zwischen After und Geschlechtsteilen befindet.
Ein Allheilmittel
Bis ins 19. Jahrhundert galt die Substanz als Wundermittel gegen körperliche Gebrechen aller Art: Von Kopfschmerzen über Wassersucht und Pest bis hin zu epileptischen Anfällen sollte es so gut wie alles heilen. Und auch wegen des prächtigen Pelzes wurde das Tier gejagt. Augen leuchteten bei der Vorstellung von Biberfellmützen und Biberfellmänteln.
Fisch "ehrenhalber"
Doch die menschliche Gier stoppte nicht beim Fell des Tieres - auch das feine Biberfleisch galt als Delikatesse. Zu "verdanken" hatte das der Biber der Kirche: Da sein Schwanz, die Kelle, Schuppen trägt und der Biber ein ausgezeichneter Schwimmer ist, wurde er auf dem Konstanzer Konzil (1414/18) kurzerhand zum Fisch deklariert - und war somit als Fastenspeise zugelassen.
Der französische Jesuitenpater Pierre Françios Xavier de Charlevoix (1682 bis 1761) erklärte es im Jahr 1754 so: "Bezüglich des Schwanzes ist er (der Biber) ganz Fisch, und er ist als solcher gerichtlich erklärt durch die Medizinische Fakultät Paris, und im Verfolg dieser Erklärung hat die Theologische Fakultät entschieden, daß das Fleisch während der Fastenzeit gegessen werden darf." Fortan durften Gläubige an allen Kalendertagen Biberfleisch verzehren.
Der Biber ist ein Meisterschwimmer: Wie ein Fisch gleitet das Nagetier schnell und geschmeidig durchs Wasser.
Erst in den 1920er und 1930er Jahren - als es fast zu spät war - stoppte man die Jagd auf "Meister Bockert", wie der Nager volkstümlich heißt. Es mussten aber gut zwanzig weitere Jahre vergehen, bis Naturschützer begannen, den Biber, etwa in Bayern, in Österreich und in der Schweiz, systematisch wieder anzusiedeln. Heute steht der Biber unter Naturschutz. Die Population erholt sich gut: Durch Umsiedlungen und Auswilderungen leben Biber heute wieder da, wo sie der Mensch einst ausrottete. In vielen europäischen Gebieten breitet sich das zweitgrößte Nagetier der Welt schon selbstständig weiter aus.
Erfolgversprechende Umsiedlungen
In Deutschland kommt der Biber heute zum Beispiel wieder in weiten Teilen der östlichen Bundesländer - besonders an der Elbe - und in Bayern vor. Wissenschaftliche Studien aus dem Jahr 2004 ergaben, dass der Gesamtbestand "deutscher" Biber wieder auf bis zu fünfzehntausend Nager angewachsen ist. An Orten, wo es dem schwimmenden Holzfäller noch schwer fällt, Fuß zu fassen, sind europaweit Auswilderungen im Gange oder geplant. Das Comeback des Bibers - es scheint zu gelingen.
Bettina Ruhland (aktualisiert 21.10.2008)
Infobox
Die Familie der Biber besteht aus einer einzigen Gattung, Castor (= Schneider), und umfasst weltweit zwei Arten, die in Aussehen und Verhalten sehr ähnlich sind: den Eurasischen Biber (lateinisch: Castor fiber) und den Nordamerikanischen Biber (Castor canadiensis).
Das Nagetier erreicht ein Gewicht von zwanzig bis dreißig Kilogramm. Einschließlich seines beschuppten, kellenförmig abgeplatteten Schwanzes kann es bis zu 140 Zentimeter lang werden. Am zweiten Zeh des Hinterfußes ragt eine Doppelkralle hervor, die so genannte Putzkralle. Sie dient dem Biber als Kamm bei der Fellpflege.
Der Körper des Nagers ist dem Leben im Wasser angepasst: Durch Schwimmhäute zwischen den Zehen der Hinterfüße bewegt sich das Tier schnell im Wasser fort. Beim Tauchen kann es seine Ohren- und Nasenöffnungen verschließen. Die Augen sind durch ein durchsichtiges Lid, die so genannte Nickhaut, unter Wasser geschützt.
Doch auch an Land beweist das Tier Stärke: Mit seinem Nagergebiss von insgesamt 20 Zähnen und der stark ausgeprägten Kiefermuskulatur kann der Biber Bäume fällen. Besonders die kräftigen und scharfen Schneidezähne helfen ihm dabei.
Für ihr Heim, der Biberburg, graben die Tiere aufsteigende Gänge in einen möglichst steilen, lehmigen Hang am Wasser. Der Eingang liegt dabei immer unter dem Wasserspiegel. Sein Ende erreicht der Gang hingegen deutlich über dem Wasserspiegel, meist in Form eines Kessels.
Biber leben in Einehe. Frühling für Frühling zieht das Paar zwei bis vier Jungen auf. Der Nachwuchs bleibt in der Regel zwei Jahre bei den Eltern; dann ist es an der Zeit, das elterliche Revier zu verlassen und selbst eine Familie zu gründen.
Das Nagetier erreicht ein Gewicht von zwanzig bis dreißig Kilogramm. Einschließlich seines beschuppten, kellenförmig abgeplatteten Schwanzes kann es bis zu 140 Zentimeter lang werden. Am zweiten Zeh des Hinterfußes ragt eine Doppelkralle hervor, die so genannte Putzkralle. Sie dient dem Biber als Kamm bei der Fellpflege.
Der Körper des Nagers ist dem Leben im Wasser angepasst: Durch Schwimmhäute zwischen den Zehen der Hinterfüße bewegt sich das Tier schnell im Wasser fort. Beim Tauchen kann es seine Ohren- und Nasenöffnungen verschließen. Die Augen sind durch ein durchsichtiges Lid, die so genannte Nickhaut, unter Wasser geschützt.
Doch auch an Land beweist das Tier Stärke: Mit seinem Nagergebiss von insgesamt 20 Zähnen und der stark ausgeprägten Kiefermuskulatur kann der Biber Bäume fällen. Besonders die kräftigen und scharfen Schneidezähne helfen ihm dabei.
Für ihr Heim, der Biberburg, graben die Tiere aufsteigende Gänge in einen möglichst steilen, lehmigen Hang am Wasser. Der Eingang liegt dabei immer unter dem Wasserspiegel. Sein Ende erreicht der Gang hingegen deutlich über dem Wasserspiegel, meist in Form eines Kessels.
Biber leben in Einehe. Frühling für Frühling zieht das Paar zwei bis vier Jungen auf. Der Nachwuchs bleibt in der Regel zwei Jahre bei den Eltern; dann ist es an der Zeit, das elterliche Revier zu verlassen und selbst eine Familie zu gründen.


