Der falsche Feind
Nach Jahrhunderten der Jagd und des Schrumpfens ihres Lebensraums wächst die Zahl der Otter wieder. Doch nach wie vor ist die Art vom Aussterben bedroht. Schuld ist - wie kann es anders sein - der Mensch.Auch an Land sind Fischotter zu Hause und brauchen Möglichkeiten, sich zu verstecken.
Katholische Fastenspeise
Schon lange stand der Fischotter im Visier des Menschen: So deklarierte ihn die Katholische Kirche als Fastenspeise, da er überwiegend im Wasser lebe und folglich wie ein Fisch zu genießen sei. Diese skurrile Bedrohung allein bedeutete für den Otter aber ebenso wenig das Aus wie die Jagd wegen seines dichten Fells.
Kaum ein Vorteil
Das ist übrigens wahrlich nicht ohne: Trägt ein Mensch 120 Haare pro Quadratzentimeter auf dem Kopf, bringt es der Otter immerhin auf 50.000. Damit besitzt er den dichtesten Pelz aller heimischen Säugetiere - kaum zu seinem Vorteil: Im Deutschen Reich wurde vor dem Ersten Weltkrieg jährlich fast zehntausend Fischottern das Fell über die Ohren gezogen.
Massaker im Fischteich
Für noch mehr Nachstellungen gab der Fischotter Anlass, als er in den künstlich angelegten Aufzuchtbecken für Fische reichlich gefüllte Vorratskammern sah. Seither galt er in vielen Landstrichen regelrecht als Plage - zeitweise setzten Bauern sogar Kopfprämien aus. Auch dies konnte ihm aber noch nicht den Garaus machen. Erst als die Menschen immer mehr Platz für sich beanspruchten, kam der Fischotter ernstlich in Bedrängnis.
Ein von Menschenhand begradigter Fluss: Hier kann kein Fischotter leben.
Um mehr Ackerland zu gewinnen, legten viele Grundbesitzer Sümpfe trocken, verkürzten die Böschungen an den Flüssen oder Seen und befestigten sie. Auch führten Straßen durch die Reviere der Fischotter - sie bildeten bald unüberwindbare Hindernisse, ähnlich wie zum Beispiel Wehre oder andere Uferbebauungen.
Nahrungsmangel
Nun droht dem Fischotter von allen Seiten Ungemach: In den viel zu engen Territorien kann es vorkommen, dass nicht genügend fortpflanzungsfähige Tiere leben. Nach und nach verringert sich die Anzahl der Tiere, bis sie schließlich verschwinden. Chemische Gifte, die von umliegenden Feldern ins Wasser gelangen, beschleunigen diesen Prozess: Vielen Fischottern droht Unfruchtbarkeit. Als ob das noch nicht genüge, reichern Düngemittel zahlreiche Gewässer derart mit Nährstoffen an, dass sie "umkippen" - Fische werden selten, die Otter finden keine Nahrung mehr. Auf der Suche nach neuen Revieren droht neue Gefahr: Zwangsläufig müssen die Tiere Straßen überqueren - und fallen oft dem Verkehr zum Opfer.
Eine Herausforderung
Was ist zu tun, damit der Otter, der in Alfred Brehms Tierleben "zu den anziehendsten Tieren unseres Erdteiles" zählt, wieder eine bessere Chance des Überlebens bekommt? Die Antwort liegt nahe: Gute Aussichten haben Fischotter nur in ihrem angestammten Lebensraum. Das stellt große Anforderungen an Umweltschützer, immerhin bedeutet es, kultiviertes Land der Natur zurückzugeben. Zwischen acht und siebzehn Meter breite Streifen Ackerland müssten Grundbesitzer entlang der Ufer hergeben. Ließe man den Flüssen freien Lauf, dürfte selbst dieser Raum nicht reichen.
Briefmarke mit Fischotter aus der Serie Bedrohte Tiere von 1968. Erst spät kam die Einsicht, den Otter zu schützen.
Dennoch: Entschädigungen sind zwar teuer, der Nutzen von Renaturierungen wäre aber bemerkenswert groß. Fühlt sich der Fischotter erst einmal wohl, darf man nämlich davon ausgehen, dass es dem gesamten Ökosystem gut geht: Die Belastung des Wassers hält sich offenbar in Grenzen, es gibt genug Nahrung für Fische, die wiederum auf dem Speiseplan des Otters stehen. Eine Vielzahl von Tierarten lässt sich ebenfalls in den ufernahen Gebieten nieder, welche erneut anderen als Nahrung dienen - das Ökosystem kommt wieder ins Gleichgewicht. So steht der Fischotter wohl zu Recht als das Symbol für den Umweltschutz.
Unmittelbarer Nutzen
Nicht zuletzt für den Menschen sind die Vorteile ganz unmittelbar: Weite Uferflächen und Sümpfe tragen dazu bei, Flutkatastrophen auf natürliche Weise zu verhindern. Vielleicht wird dieses Argument den Fischotter retten.
Daniel Najock (04.05.2004/aktualisiert Christian Fleck 05.05.2009)
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Infobox
Aktion Fischotterschutz e.V.
Als sich der Verein 1979 gründete, war den Beteiligten bewusst, dass sich ihre Arbeit keineswegs nur auf Fischotter beschränken würde - zu eng hängen die Lebensräume des Otters und anderer Tiere zusammen. Trotz allem ist und bleibt der Schutz der Fischotter zentrales Anliegen des Vereins.
Innerhalb kürzester Zeit stellten sich Erfolge ein, die viele Förderer auf das Programm aufmerksam machten. Dank der gestiegenen Popularität konnte 1988 das Otterzentrum in Hankensbüttel eröffnet werden. Mit Lernspielen wird das Verständnis der Gäste für Flora und Fauna geweckt, über sechzig Sonderveranstaltungen beschäftigen sich ebenfalls mit dem Naturschutz.
Als sich der Verein 1979 gründete, war den Beteiligten bewusst, dass sich ihre Arbeit keineswegs nur auf Fischotter beschränken würde - zu eng hängen die Lebensräume des Otters und anderer Tiere zusammen. Trotz allem ist und bleibt der Schutz der Fischotter zentrales Anliegen des Vereins.
Innerhalb kürzester Zeit stellten sich Erfolge ein, die viele Förderer auf das Programm aufmerksam machten. Dank der gestiegenen Popularität konnte 1988 das Otterzentrum in Hankensbüttel eröffnet werden. Mit Lernspielen wird das Verständnis der Gäste für Flora und Fauna geweckt, über sechzig Sonderveranstaltungen beschäftigen sich ebenfalls mit dem Naturschutz.



