Vom Frosch
Ein solches Dasein muss man erstmal aushalten! Als echter Held, leidend und hartnäckig, begegnet uns die Figur des Frosches in Fabeln und Märchen - und ist dort erstaunlich wandlungsfähig.Die Prinzessin und der Froschkönig: Bild von Edward F. Brewtnall (1846 bis 1902).
Jeder quakt was er will
Stattdessen steht es scheinbar in ziemlich schlechtem Ruf. Wenn wir sagen: "X ist ein Frosch", heißt das jedenfalls nichts Gutes. Kalt, glitschig, allem emotionalen Zuspruch unzugänglich wirkt dann so ein Mensch auf uns. Schlimmer noch fallen die Vergleiche aus, wo Frosch in Massen vorkommt. Seit Aristophanes´ gleichnamiger Komödie sind die Frösche gar Symbol für demokratische Öffentlichkeit: Jeder quakt was er will, wann er will, und die Bedeutung tendiert gegen Null.
Bei so viel Negativem ist Stehvermögen gefragt, die Kraft, dem grausamen Schicksal heldenhaft ins Auge zu schauen. Und wirklich: Lebensklug, mitunter sogar tapfer, begegnet uns der Frosch in mancher Geschichte. Aesops Fabel von den beiden Fröschen in der Milchschüssel ist da ein schönes Beispiel. Doch erworbene Härte nur, gewachsen an der Unerbittlichkeit des Daseins, kann nicht alles sein. Da muss es etwas geben, was schon in den Genen steckt.
Metamorphose zum Prinz
Beim Frosch ist es offenbar erstaunliches Wandlungsvermögen. Schon auf dem Weg von der Kaulquappe zum ausgewachsenen Tier ändert sich Fröschleins Gestalt ja derart, dass es kaum wiederzuerkennen ist: "Samen besitzt der Schlamm, der die grünen Frösche erzeugt", lesen wir bei Ovid, "er zeugt sie der Glieder bar und gibt ihnen bald die zum Schwimmen taugenden Schenkel..." Exzellentes Beispiel einer Metamorphose eben! Wovon der antike Dichter allerdings keine Ahnung hatte, ist ein noch viel tiefgreifenderer Wandel des Froschs: Gelegentlich bloß, vorausgesetzt, starkes Gefühl dringt durch die kalte Haut, wird aus dem Frosch ein Prinz!
An die Wand geklatscht
Hier nun schießen die Legenden ins Kraut. Hartnäckig hält sich das Gerücht, Fröschleins verblüffende Formänderung sei bloß durch liebevolles Küssen bewirkt. Dabei lesen wir es im Märchen doch ganz anders und wissen: Die Schöne klatschte ihn brutal gegen die Wand! Was sagt uns das - über den Frosch, und über das Leben?
Emotionslos und kalt - in Geschichten und Fabeln kommt der Frosch nicht gut weg.
Wir lasen es schon, des Frosches Schicksal ist Leiden. Gleich als er ihr die Kugel aus dem Brunnen gefischt hatte, brach sie ja alle Versprechen (von goldenen Tellern essen, vor allem: Bett mit ihm teilen) und gab schleunigst Fersengeld. Frosch aber, beherzt wie er ist, macht sich auf den Weg zum Schloss. Vater König zwingt Tochter zur Vertragstreue und Verzweiflung kommt auf. Grandioses Finale: Entworfen wird ein Prinz!
Tapferer Frosch
Was wäre gewesen, hätte sie den kalten Gesellen voller Entsagung geküsst? Vermutlich nichts. Fröschlein hätte sich's gut gehen lassen, wäre geblieben was es ist. Gewiss, nicht jeder Frosch wird Prinz. Fast alle Frösche bleiben Frösche. Aber aus manchem wird ein tapferer Frosch. Es geht dem Frosch nicht gut. Doch bedauern wir die Frösche nicht. Die Härte des Seins formte da ganz wundervolle Wesen. Unter Naturschutz stehen sie dennoch.
Michael Schmittbetz (23.08.2003/aktualisiert Yvonne Schmidt 07.03.2008)
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Infobox
Zwei grüne Frösche, ...
deren Tümpel die heiße Sommersonne ausgetrocknet hatte, gingen auf die Wanderschaft. Gegen Abend kamen sie in die Kammer eines Bauernhofs und fanden dort eine große Schüssel Milch vor, die zum Abrahmen aufgestellt worden war. Sie hüpften sogleich hinein und ließen es sich schmecken.
Als sie ihren Durst gestillt hatten und wieder ins Freie wollten, war die glatte Wand der Schüssel nicht zu bezwingen. Die Frösche rutschten immer wieder in die Milch zurück. Viele Stunden mühten sie sich nun vergeblich ab, und ihre Schenkel wurden allmählich immer matter.
Da quakte der eine Frosch: "Alles Strampeln ist umsonst, das Schicksal ist gegen uns, ich geb's auf!" Er machte nun keine Bewegung mehr, glitt auf den Boden des Gefäßes und ertrank. Sein Gefährte aber kämpfte verzweifelt weiter bis tief in die Nacht hinein. Da fühlte er den ersten festen Butterbrocken unter seinen Füßen, er stieß sich mit letzter Kraft ab und war im Freien.
deren Tümpel die heiße Sommersonne ausgetrocknet hatte, gingen auf die Wanderschaft. Gegen Abend kamen sie in die Kammer eines Bauernhofs und fanden dort eine große Schüssel Milch vor, die zum Abrahmen aufgestellt worden war. Sie hüpften sogleich hinein und ließen es sich schmecken.
Als sie ihren Durst gestillt hatten und wieder ins Freie wollten, war die glatte Wand der Schüssel nicht zu bezwingen. Die Frösche rutschten immer wieder in die Milch zurück. Viele Stunden mühten sie sich nun vergeblich ab, und ihre Schenkel wurden allmählich immer matter.
Da quakte der eine Frosch: "Alles Strampeln ist umsonst, das Schicksal ist gegen uns, ich geb's auf!" Er machte nun keine Bewegung mehr, glitt auf den Boden des Gefäßes und ertrank. Sein Gefährte aber kämpfte verzweifelt weiter bis tief in die Nacht hinein. Da fühlte er den ersten festen Butterbrocken unter seinen Füßen, er stieß sich mit letzter Kraft ab und war im Freien.



