Seite drucken

LexiTV - Das MDR Wissensmagazin - Bildung für alle

 

Dieser Artikel gehört zum Thema

Gänse

Infobox

Zahme Vettern
Hausgänse - vor etwa viertausend Jahren wurden sie domestiziert - ähneln ihren wilden Verwandten nur noch entfernt. Sie wiegen durchschnittlich sechs Kilogramm, fast doppelt so viel wie die meisten Wildgansarten. Ihre auf Fett, Fleisch und Eierlegequalitäten gezüchteten Körper sind zu schwer zum Fliegen. Zusätzlich stutzen viele Bauern ihren Tieren regelmäßig die Flügel, um Bewegungsmöglichkeiten einzuschränken.

Während Wildgänse bei Gefahr eher flüchten und sich nur in bestimmten Situationen - wie dem Schutz der Brut - verteidigen, haben Hausgänse die Möglichkeit zur Flucht verloren. Sie sind daher meist deutlich aggressiver als ihre frei lebenden Vettern und verfügen über Methoden zur Abwehr von Feinden.

Gegen Füchse setzen sie sich mit Flügelschlägen und Bissen durch, eine ausgewachsene Hausgans kann einem Menschen sogar den Arm brechen. Als Wachtiere eignen sie sich hervorragend, da sie laut schnattern und sich gegen Eindringlinge zur Wehr setzen.

Zuchtgänse haben außerdem ihre monogame Lebensweise abgelegt. Bei einer jährlichen Eierproduktion von rund zwanzig Eiern - im Unterschied zu vier bis sechs Eiern bei Wildgänsen - und den relativ kleinen Scharen, in denen zahme Gänse gehalten werden, ist die Einehe nicht mehr zweckmäßig. Hausganter befruchten Eier verschiedener Weibchen, so sind hohe Legezahlen gewährleistet.

Infobox

In den Süden
Die meisten der weltweit 15 Wildgansarten brüten in Sibirien. Wenn Mitte August die Wildgänse ihre Brutplätze in den arktischen Tundren verlassen, sind ihre Jungen erst rund zwei Monate alt und gerade flügge geworden. Die Zeit für die Aufzucht ist knapp bemessen: Verzögert sich die Schneeschmelze nur um einige Tage, haben Wildgänse in manchem Jahr keinen Bruterfolg.

Die Wege der wilden Gänse führen entlang der Nordmeerküste über das Baltikum nach Polen und schließlich nach Deutschland. Mitte September sieht man die ersten Scharen in Brandenburg, im Laufe des Oktobers werden es mehrere hunderttausend Tiere.

Anfang November ziehen die meisten Gänse weiter nach Westen an den Niederrhein, in die Niederlande und nach Belgien zum Überwintern; wenige Arten fliegen bis nach Frankreich oder Spanien.

Wildgänse richten sich bei ihren Zügen nach Landmarken wie Flüssen oder Autobahnen. Zusätzlich orientieren sie sich am Stand der Sonne.

Forscher vermuten, dass Gänse und andere Zugvögel im Auge oder im Schnabel Sensoren tragen, die den Neigungswinkel des Erdmagnetfelds erfassen. Mit diesem sechsten Sinn "berechnen" die Vögel die Flugroute. Wissenschaftlich bewiesen ist die Vermutung jedoch nicht.