Anders als die anderen
Ihr "gutmütiges Wesen", ganz ähnlich dem der Hunde, prädestiniert die Geparde zur Zähmung. Andere "abnorme" Merkmale ließen deshalb die Frage aufkommen, ob es sich hier wirklich um Katzen handele.Lange Zeit herrschte Verwirrung unter den Zoologen. Wie nur solle man dieses Tier - halb Katze, halb Hund - einordnen in die bisherige Systematik? Ein eigener Gattungsname war die Lösung: Um 1900 sprachen Meyers Konversationslexikon und Brehms Tierleben vom Cynailurus - der Hundskatze. Zu Recht trage der Gepard diesen Namen, befand Alfred Brehm damals: Katzenartig seien Kopf und Schwanz, hundeartig erscheine hingegen der übrige Körper - besonders die langen Beine, "deren Pfoten nur noch halbe Pranken genannt werden können".
Sonderstellung in der Familie
Heute ist das Rätsel um das "eigentümliche Bindeglied zwischen Katze und Hund" gelöst: Geparde gehören zweifellos zur Familie der Katzen (Felidae) - auch wenn sie dort, anatomisch betrachtet, eine Sonderstellung einnehmen. Denn die Tiere entwickelten in Anpassung an ihre besondere Jagdweise im Laufe der Evolution eine Vielzahl von Merkmalen, die tatsächlich denen der Caniden (Hundeartigen) ähneln - während ihnen manch andere, katzentypische Eigenschaft abhanden gekommen ist.
Aufs Rennen ausgerichtet
Mit ihren außerordentlich langen Läufen können sich Geparde viel flotter fortbewegen als andere Katzen. Die schnellsten Landsäugetiere der Welt erreichen Geschwindigkeiten von bis zu 110 Kilometern in der Stunde. Zum Vergleich: Löwen schaffen mit Mühe die Hälfte. Der Körperbau der Geparde ist ganz aufs Rennen ausgerichtet, ihr Skelett speziell an die extremen Geschwindigkeiten angepasst: Der lange Schwanz sichert bei schnellen Richtungswechseln die Balance, die flexible Wirbelsäule erlaubt zusammen mit den langen, schlanken Beinen große Schrittlängen.
Schneller Antritt
Das auffälligste anatomische Merkmal, das die frühen Gepard-Beobachter veranlasste, den Katzen eine Verwandtschaft mit Hunden nachzusagen, sind allerdings die nur bedingt einziehbaren Krallen. Aus jener Eigenart leitete sich übrigens auch der neue, noch heute gebräuchliche Gattungsname Acinonyx ab - er kommt aus dem Griechischen und besteht aus den Worten akin ("nicht beweglich") und onyx ("Kralle"). Gemeinsam mit den zwar kleinen, aber harten Fußsohlen - eine weitere Ähnlichkeit zur Hundeanatomie, Katzen haben sehr weiche Sohlen - ermöglichen die vorstehenden Krallen den Geparden ihren schnellen Antritt: der so genannte Spikes-Effekt.
Katze mit Bodenhaftung
Vergleichbar mit Nägeln an Turnschuhen vermitteln die Krallen den Geparden die wichtige Bodenhaftung. Allerdings werden sie beim Laufen abgewetzt und erschweren daher den Sprintern das für ihre Art eigentlich typische Klettern. Auch als Waffe eignen sie sich nur bedingt: Während die Krallen anderer Katzen durch das Einziehen in die Pfoten immer scharf bleiben, sind die der Geparde stumpf.
Biss in die weiche Kehle
Nur die erste Kralle des Vorderfußes - sie berührt beim Laufen nicht den Boden - ist wie bei den übrigen Familienmitgliedern lang, und hilft so beim Schlagen und Festhalten der Beute. Die wird - statt mit einem Genickbiss - durch einen Biss in die weiche Kehle getötet, da die Zähne der Geparde viel kürzer und weniger kräftig sind als die von Löwe oder Tiger: Wegen der verbreiterten Nasengänge - eine weitere Anpassung, welche die Geschwindigkeitsrekorde der Geparde ermöglicht - blieb dem Gebiss nur wenig Platz und es verkleinerte sich.
Runde Pupillen
Nicht nur anatomische Eigenarten ließen den Menschen lange an die Rolle der Geparde als Zwittergestalten glauben. Zwar sei ihr Gesicht noch katzenähnlich, "aber die Hundegemütlichkeit spricht schon aus den Augen hervor, welche Sanftmut und Gutmütigkeit bekunden". Liegt das an den art-untypischen runden Pupillen, welche schon Alfred Brehm aufgefallen sind?
Ein exklusives Geschenk für den König von Theben. (Bild um 1700 v.Chr.)
Auch Meyers Konversationslexikon aus dem Jahr 1885 bezeugt dem Wesen des Gepards "Ähnlichkeit mit den Hunden wie mit den Katzen". Dabei wird auf die Zähmung verwiesen, die "so gut wie keine Mühe" mache, da das Tier "gemütlich wie ein Hund" sei und "ungemein zahm" werde. Aus diesem Grund war es Menschen schon früh ein Leichtes, Geparde zu dressieren und als Jagdbegleiter nutzbar zu machen. Den Zweibeinern kamen hierbei auch die anatomischen Besonderheiten zu Gute - das relativ kleine Maul und die stumpfen Krallen des Gepards stellen eben nur eine geringe Gefahr dar. Ganz und gar domestizieren ließ sich die Raubkatze aber nicht.
Wärme und Freiheit
Ihr spezielles Paarungsverhalten - die Bereitschaft des Weibchens zur Paarung ist äußerlich nicht zu erkennen, doch nur in der Brunst-Zeit toleriert es ein Männchen in seiner Nähe - verhindert meist die Nachzucht in Gefangenschaft. Auch nicht-artgerechte Haltung steht der Zucht häufig entgegen. "In unseren Tiergärten hält sich der Gepard selten längere Zeit. Bei rauer Witterung leidet er; Wärme und die Möglichkeit, sich frei zu bewegen, sind Bedingungen für sein Wohlbefinden, welche in gedachten Anstalten nicht erfüllt werden können." Mit dieser Erkenntnis endet Alfred Brehms Bericht über den Gepard aus dem Jahr 1900. Vieles hat der Mensch seitdem dazugelernt - manches aber nicht.
Ulrike Wolf (24.10.2006)
Infobox
Jagdgeschick
"Der Gepard ist ein echtes Steppentier, welches sich seinen Unterhalt weniger durch Kraft als durch Behändigkeit erwerben muss. Seine Nahrung besteht hauptsächlich in den mittelgroßen und kleinen Wiederkäuern, welche in seinem Gebiete leben, und ihrer weiß er sich mit Geschicke zu bemächtigen." (Alfred Brehm)
Auf die Jagd nach Antilopen oder Gazellen geht der Gepard, als einziger seiner Art, gewöhnlich am Tag. Hat er ein Beutetier entdeckt, schleicht er sich langsam an das Opfer heran. Hebt es den Kopf, hält der Gepard wie erstarrt in seiner Bewegung inne. Erst, wenn das Tier wegschaut, schleicht er weiter, um schließlich zum Angriff anzusetzen.
Rasend schnell hetzt der Gepard dem flüchtenden Tier nach und wirft es mit einem kräftigen Schlag seiner Vorderpfote zu Boden, packt es an der Kehle und erstickt es. Seine Spitzengeschwindigkeiten hält er aber nur wenige hundert Meter durch - nicht alle seine Jagden verlaufen deshalb erfolgreich.
Und selbst nach glücklicher Jagd lauern Probleme: Bevor der Gepard die Beute fressen kann, muss er einige Minuten ausruhen. Und während dieser Zeit machen dem erschöpften Jäger nicht selten andere Raubkatzen die Beute streitig - Leoparden, Löwen und sogar Hyänen kann sich der körperlich schwächere Gepard kaum erwehren.
"Der Gepard ist ein echtes Steppentier, welches sich seinen Unterhalt weniger durch Kraft als durch Behändigkeit erwerben muss. Seine Nahrung besteht hauptsächlich in den mittelgroßen und kleinen Wiederkäuern, welche in seinem Gebiete leben, und ihrer weiß er sich mit Geschicke zu bemächtigen." (Alfred Brehm)
Auf die Jagd nach Antilopen oder Gazellen geht der Gepard, als einziger seiner Art, gewöhnlich am Tag. Hat er ein Beutetier entdeckt, schleicht er sich langsam an das Opfer heran. Hebt es den Kopf, hält der Gepard wie erstarrt in seiner Bewegung inne. Erst, wenn das Tier wegschaut, schleicht er weiter, um schließlich zum Angriff anzusetzen.
Rasend schnell hetzt der Gepard dem flüchtenden Tier nach und wirft es mit einem kräftigen Schlag seiner Vorderpfote zu Boden, packt es an der Kehle und erstickt es. Seine Spitzengeschwindigkeiten hält er aber nur wenige hundert Meter durch - nicht alle seine Jagden verlaufen deshalb erfolgreich.
Und selbst nach glücklicher Jagd lauern Probleme: Bevor der Gepard die Beute fressen kann, muss er einige Minuten ausruhen. Und während dieser Zeit machen dem erschöpften Jäger nicht selten andere Raubkatzen die Beute streitig - Leoparden, Löwen und sogar Hyänen kann sich der körperlich schwächere Gepard kaum erwehren.
Infobox
Zahme Jagdhelfer
Des Gepards "angeborene List und Jagdfähigkeit musste den achtsamen Bewohnern seiner Heimat auffallen und sie zu dem Versuche reizen, die Jagdkunst des Tieres für sich zu benutzen." (Alfred Brehm)
Um 3000 v. Chr. haben bereits die Sumerer Geparde gezähmt und für die Jagd abgerichtet, rund anderthalbtausend Jahre später fanden auch die ägyptischen Pharaonen Gefallen an den Jagdgehilfen. Selbst in Europa war die Jagd mit Geparden in Mode: Kaiser Leopold I. von Österreich hetzte um 1700 zwei abgerichtete Exemplare - ein Geschenk des türkischen Sultans - auf Hasen und Rehe.
Alfred Brehm berichtet, wie in Indien zahme Geparde auf Karren zu den Wildplätzen gezogen wurden, da man nur so nah genug an die Beute herankam. Allerdings fehlt von Menschenhand aufgezogenen Geparden der Jagdtrieb. Deswegen, und auch, weil Nachzuchten erfolglos blieben, musste stets für neuen Nachschub aus freier Wildbahn gesorgt werden.
Des Gepards "angeborene List und Jagdfähigkeit musste den achtsamen Bewohnern seiner Heimat auffallen und sie zu dem Versuche reizen, die Jagdkunst des Tieres für sich zu benutzen." (Alfred Brehm)
Um 3000 v. Chr. haben bereits die Sumerer Geparde gezähmt und für die Jagd abgerichtet, rund anderthalbtausend Jahre später fanden auch die ägyptischen Pharaonen Gefallen an den Jagdgehilfen. Selbst in Europa war die Jagd mit Geparden in Mode: Kaiser Leopold I. von Österreich hetzte um 1700 zwei abgerichtete Exemplare - ein Geschenk des türkischen Sultans - auf Hasen und Rehe.
Alfred Brehm berichtet, wie in Indien zahme Geparde auf Karren zu den Wildplätzen gezogen wurden, da man nur so nah genug an die Beute herankam. Allerdings fehlt von Menschenhand aufgezogenen Geparden der Jagdtrieb. Deswegen, und auch, weil Nachzuchten erfolglos blieben, musste stets für neuen Nachschub aus freier Wildbahn gesorgt werden.




