Würde und Anmut
Einst galten Giraffen als kostbare Prestigegeschenke. Ihren Ruf als sanfte Riesen mussten sich die Tiere allerdings hart erarbeiten, zumindest bei Alfred Edmund Brehm.Täglich durchstreifen Giraffen auf Suche nach Nahrung rund 75 Quadratkilometer Savanne.
Die Liebliche
Nach dieser Beschreibung aus seinem Buch "Tierleben" mag man Alfred Edmund Brehm unterstellen, nicht sehr von der Giraffe angetan gewesen zu sein. Hakuna Matata - kein Sorge - dürfte sich das Tier gedacht haben und faszinierte Brehm schließlich doch noch mit seinen "lebhaft glänzenden und doch ungemein sanften Augen".
Auch seine gutmütige und friedliche Art beeindruckten den Zoologen und Tierforscher aus Thüringen. Dieses Wesen brachte der Giraffe auch ihren Namen ein. Abgeleitet wird er von dem arabischen Wort Serahfe, welches die "Liebliche" bedeutet.
Unvergesslicher Anblick
Fürwahr, lieblich ist dieses Tier - und auch schön, nachdem man sich dank Fernsehen und Zoo an sein Erscheinungsbild gewöhnen konnte. Auf ihren Touren durch die Savanne schließen sich Giraffengruppen hin und wieder Herden anderer Tierarten an, um besser geschützt zu sein - dabei entstehen die so anmutig und würdevoll wirkenden Bilder trabender Giraffen inmitten von Zebras und anderen Bewohnern der Savanne, die man für immer im Kopf behält.
Trotz ihrer Geselligkeit gehören Giraffen in freier Wildbahn keinen festen Herden an. Sie leben zwar in Gruppen von bis zu zwanzig Tieren, aber deren Zusammensetzung wechselt ständig. Zeitweise sondern sich Giraffen auch komplett von der Gruppe ab - zum Beispiel während der Geburt ihres Nachwuchses. Gefährlich ist das so gut wie nie, denn bis auf den Menschen haben sie wenige Feinde. Für Raubkatzen sind nur sehr junge oder alte und lahme Tiere eine potenzielle Beute.
Der Kopf der Giraffe sieht sanftmütig aus und ist im Kampf nicht zu unterschätzen.
Durch herausragendes Sehvermögen und ihre immense Größe nehmen Giraffen verdächtige Annäherungen schon frühzeitig wahr. Mit Hilfe von Infraschall - für Menschen nicht hörbare Tieftöne - können sie sich vor Gefahren warnen. Hohe Wachsamkeit ist wahrscheinlich auch der Grund für den geringen Schlafbedarf der Giraffen. Eine halbe Stunde bis maximal zwei Stunden reichen ihnen völlig aus. Sollten sie doch einmal angegriffen werden, wissen sich gesunde, ausgewachsene Giraffen zu wehren.
Schläge mit dem Kopf
Mit ihren Hinterbeinen schlagen sie so kraftvoll aus, dass ein Treffer den Angreifer töten kann. Untereinander sind Giraffen eher friedlich. Bei den Rangkämpfen stehen die Bullen Seite an Seite und Schlagen ihre Köpfe gegeneinander. Diese Schläge sind zwar nicht allzu hart, können aber dafür sorgen, dass der Gegner in Ohnmacht fällt. Der Gewinner solcher Kämpfe darf die umworbene Dame begatten. Vierzehn Monate ist die Kuh trächtig. Nach der Geburt bleiben Mutter und Kind noch gut ein Jahr zusammen. Da Giraffen oft nach der Geburt erneut tragen, müssen ihre Jungen schnell selbstständig werden. Rund die Hälfte von ihnen kommt allerdings bereits im ersten Monat nach der Geburt durch Raubtiere um.
Friedlich und wachsam
Mit vier Jahren sind Giraffenkühe erstmals fruchtbar und gebären im Durchschnitt sechs bis acht Kälber in ihrem Leben. In der Regel werden Giraffen zwanzig bis fünfundzwanzig Jahre alt. In Gefangenschaft können sie sogar bis zu dreißig Jahre erreichen. So ein merkwürdiges Wesen, wie man nach Brehms Beschreibung vermuten könnte, ist die Giraffe also gar nicht. Im Gegenteil: Dieses grazile Tier - friedlich, aber dennoch wachsam und wehrhaft - fasziniert über die Grenzen seiner Heimat hinaus.
Daniel Najock (25.02.2004)
Infobox
Der Ohnmacht nahe
Mit einer Höhe von fünf bis sechs Metern sind Giraffen die größten Landsäugetiere auf der Welt. Damit das Gehirn ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird, haben die Tiere einen sehr hohen Blutdruck.
Senken sie nun den Kopf um zu trinken oder heben ihn anschließend zu schnell an, müsste der hohe Blutdruck eine Ohnmacht auslösen. Durch ein Netzwerk aus feinverzweigten Arterien wird der Druck aber aufgefangen.
In den Halsvenen sitzen zusätzliche Gefäßklappen, die einen zu schnellen Blutfluss verhindern. Trotzdem gibt es immer wieder Fälle, wo dieses System nicht ausreicht und Giraffen einfach umfallen.
Senken sie nun den Kopf um zu trinken oder heben ihn anschließend zu schnell an, müsste der hohe Blutdruck eine Ohnmacht auslösen. Durch ein Netzwerk aus feinverzweigten Arterien wird der Druck aber aufgefangen.
In den Halsvenen sitzen zusätzliche Gefäßklappen, die einen zu schnellen Blutfluss verhindern. Trotzdem gibt es immer wieder Fälle, wo dieses System nicht ausreicht und Giraffen einfach umfallen.


