Von Hai und Mensch
Haiangriffe auf Menschen sind selten und meist ein Irrtum. Die Rollen des Jägers und des Gejagten verteilen sich ganz anders als vermutet. Wer hat hier eigentlich wen zu fürchten?Ken Crew schwamm mit seinen Freunden vor dem australischen Perth im Meer, als sich ihm ein Weißer Hai näherte und sein Bein abbiss. Der 49jährige verblutete. Solche Horrorszenarien haben sich in vielen Köpfen festgesetzt, und tatsächlich: Es geschieht immer wieder - nur nicht so häufig, wie wir glauben.
Von weltweit vier Milliarden Badenden sterben nur zehn bis fünfzehn Menschen pro Jahr an Haibissen. Die wenigsten Angriffe enden tödlich: So gab es etwa zwischen 1990 und 1995 in Florida 92 Hai-Attacken, keiner der Angegriffenen starb. Denn Menschen sind für Haie offenbar keine schmackhafte, lohnende Beute: Die Tiere bemerken das im Ernstfall spätestens nach dem ersten Biss und ziehen sich zurück.
Vermeintliche Beute
Ohnehin sind nur neun Prozent der über 460 Haiarten für den Menschen gefährlich, unter ihnen der Tigerhai, der Bullenhai und der Weiße Hai. Besonders die warmen Meere, in denen solche Haiarten leben, ziehen die meisten Taucher, Schwimmer und Surfer an. So kann es aus verschiedenen Gründen zum Angriff kommen.
Schon wegen seiner Größe fällt der Mensch in das Beutespektrum der Haie, die ja nicht in der Lage sind, ihre Opfer exakt zu erkennen: So kann ein Surfer aus der Perspektive des Hais - also aus fünf Metern Tiefe gegen die strahlende Sonne - durchaus einem Seelöwen ähneln. Jedoch bemerkt der Angreifer nach dem ersten Bissen seinen Irrtum und schwimmt fort.
Taucher dringen bei ihren Touren oft in die Reviere der Tiere ein. Die Fische verteidigen ihr Territorium zunächst mit schwer zu deutenden Drohgebärden wie seitlichen Kopfbewegungen. Hektische Bewegungen der Eindringlinge können provozierend wirken. Auch Haifütterungen sind nicht ungefährlich, weil das Tier den Menschen eventuell mit dem Futter verwechselt.
Furcht einflößend und angriffslustig wirkt der Riesenhai auf den Betrachter. Dabei ist der Plankton fressende Gigant für den Menschen ungefährlich.
Doch längst sind die Jäger der Weltmeere selbst zu Gejagten geworden. Nach aktuellen Schätzungen werden jedes Jahr weltweit über einhundert Millionen Tiere getötet. Längst gehört der Weiße Hai zu den vom Aussterben bedrohten Tierarten, aber nur wenige Länder haben Schutzzonen und -zeiten erlassen. Immerhin ist das Geschäft mit Haiprodukten - von Lederwaren über Schönheitssalben bis zu medizinischen Präparaten - recht lukrativ.
Sehr beliebt in asiatischen Ländern ist Suppe aus Haifischflossen. Die Jäger schneiden den Tieren bei lebendigem Leib die Flossen ab und werfen die Körper dann ins Meer zurück. Sportfischer lieben den Thrill, gefangene Haie während der Fahrt am Haken mitzuziehen. Etwa fünfzehn menschliche Opfer durch Haiangriffe pro Jahr, aber drei tote Haie im Sekundentakt - damit ist die Frage geklärt, wer das Opfer ist.
Christiane Nienhold (aktualisiert 14.09.2011)
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Infobox
Wie der Hai angreift
Haie leben in nährstoffreichen und relativ flachen Schichten der Meere. Sie orten ihre Beute mit Sinnesorganen, die auf elektrische Felder, Druck- und Schallwellen sowie Blutgerüche reagieren. Ihr riesiges Gebiss hilft ihnen bei der Attacke auf große Beutetiere, wie zum Beispiel Robben.
Haie greifen auf drei verschiedene Arten an. Beim Bumping, dem Anstoßen, wird das Opfer nur geschubst und vertrieben. Beim Hit und Run - zu Deutsch: Treffen und Rennen - schießt der Hai auf sein Opfer zu, beißt und verschwindet dann wieder.
Die normale Jagdmethode des Hais ist Sneak, Anschleichen. Dabei nähert er sich schnell von der Seite, wodurch er spät erkannt wird, und verletzt das Opfer mit dem ersten Biss schwer. Dann zieht er sich zurück, um nicht selbst verletzt zu werden. Erst wenn das Opfer schwach genug ist, greift er erneut an.
Haie leben in nährstoffreichen und relativ flachen Schichten der Meere. Sie orten ihre Beute mit Sinnesorganen, die auf elektrische Felder, Druck- und Schallwellen sowie Blutgerüche reagieren. Ihr riesiges Gebiss hilft ihnen bei der Attacke auf große Beutetiere, wie zum Beispiel Robben.
Haie greifen auf drei verschiedene Arten an. Beim Bumping, dem Anstoßen, wird das Opfer nur geschubst und vertrieben. Beim Hit und Run - zu Deutsch: Treffen und Rennen - schießt der Hai auf sein Opfer zu, beißt und verschwindet dann wieder.
Die normale Jagdmethode des Hais ist Sneak, Anschleichen. Dabei nähert er sich schnell von der Seite, wodurch er spät erkannt wird, und verletzt das Opfer mit dem ersten Biss schwer. Dann zieht er sich zurück, um nicht selbst verletzt zu werden. Erst wenn das Opfer schwach genug ist, greift er erneut an.



