Das wilde Leben
Der Hase ist ein fleißiges Tier - zumindest, wenn es ums Weitergeben des Erbguts geht. Schon früh im Jahr kommen Häsin und Rammler zusammen und tollen über Wiesen und Felder.Zu Ostern ist er in aller Munde: Aus Schokolade geformt und in bunte Folie gewickelt, erfreut der Hase Groß und Klein. Kommt er nicht als Leckerei, so verteilt er wenigstens bunte Eier - zumindest behaupten das Eltern ihren Kindern gegenüber.
Um es vorwegzunehmen: Nein, Hasen legen keine Eier, und mit Pinsel und Farbe umgehen können sie auch nicht. Warum der Vierbeiner mit den langen Ohren zu Ostern gehört wie der Spiegel zum Ei, lässt sich nicht zweifelsfrei erklären - allenfalls erahnen.
Frühaufsteher
Wahrscheinlich hat der Hase diese Prominenz seinem Fleiß bei der Fortpflanzung zu verdanken. Denn schon immer waren Frühlingsfeste ja Feste des Neubeginns und der Fruchtbarkeit, und da passt Meister Lampe wunderbar dazu. Zunächst einmal gehört er in Sachen Fortpflanzung zu den Frühaufstehern - bereits im Januar, während sich andere Tiere noch in ihren Höhlen verkriechen und sich verschlafen die Augen reiben, beginnt die Paarungszeit der Hasen.
Mit dem "Setzen", also dem Gebären, des ersten Nachwuchses ist das Löffelohr daher früher dran als die meisten Tiere. Das fiel auch dem Heiligen Ambrosius von Mailand (339 bis 397) auf: Der in der Spätphase des Römischen Reiches einflussreiche Bischof deutete den Hasen als Auferstehungssymbol.
"Zu jeder Jahreszeit"
Noch länger bezeugt ist Meister Lampes Ehrgeiz, möglichst viele Nachkommen in die Welt zu setzen. Schon Aristoteles beschrieb in seiner Historia animalium Hasen als überaus fruchtbare Tiere: "Sie pflanzen sich fort und gebären zu jeder Jahreszeit ... und bringen jeden Monat Junge zur Welt." Tatsächlich hat die Natur die Häsin mit Fähigkeiten ausgestattet, die ein zügiges "Produzieren" von Nachwuchs erlauben.
So ist es werdenden Hasenmüttern möglich, noch vor der Geburt der Jungen wieder schwanger zu werden, also Embryonen in verschiedenen Entwicklungsstadien auszutragen. Superfötation nennen Wissenschaftler das. Theoretisch kann eine Häsin zwischen Februar und Oktober etwa alle fünf bis sechs Wochen einen Satz Junge (meist sind es eins bis drei, manchmal auch fünf) zur Welt bringen.
Kein Echter Hase, aber zur Hasenfamilie gehörig: das Florida-Waldkaninchen.
(Bild: U.S. Fish and Wildlife Service)
(Bild: U.S. Fish and Wildlife Service)
Bis es dazu kommt, muss sich jedoch der Hasenmann mächtig ins Zeug legen. Da die Löffelohren nicht in festen Partnerschaften leben, wird bei jeder Paarung neu darüber entschieden, welcher Rammler (so heißen männliche Hasen) sein Erbgut weitergeben darf. Und die Entscheidungshoheit liegt allein beim Weibchen: Die Häsin hat die Hosen an.
Der Auswahlprozess ist eine Mischung aus Wettrennen und Boxkampf: Gruppenweise sprinten die Rammler über Wiese und Feld, immer der Angebeteten hinterher. Wer so seine Ausdauer bewiesen hat, tritt zum Boxkampf an. Aufrecht stehend und mit den Vorderpfoten rudernd und schlagend, räumen Hasenmännchen letzte Zweifel an der Qualität ihres Erbguts aus dem Weg.
Ansteckende Triebe?
Die Paarung des siegreichen Rammlers mit der betörten Häsin ist nur kurz, aber der Erfolg ist programmiert: Die Kopulation löst beim Weibchen den Eisprung aus, so dass die Wahrscheinlichkeit einer Befruchtung hoch ist. Um die Chancen auf Nachwuchs weiter zu erhöhen, verdirbt die Häsin dem Rammler auch noch den Triumph über seine Konkurrenten: Nach einer kurzen Pause für alle Beteiligten geht es in die nächste Runde, an deren Ende sich die Häsin mit dem nächsten viel versprechenden Kandidaten paart.
Dieses "unmoralische" Treiben der Löffelohren entging übrigens auch den scharfen Augen des (Kirchen-)Gesetzes nicht: Papst Zacharias verbot im Jahr 751 den Verzehr von Hasenfleisch, weil er fürchtete, das wilde Treiben könnte auf seine Schutzbefohlenen übergreifen...
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(Leporidae) sind eine Familie aus der Ordnung der Hasenartigen (Lagomorpha) und gliedern sich in zwei Unterfamilien mit elf Gattungen und 55 Arten. Vertreter der Familie gibt es auf allen Kontinenten außer der Antarktis.
Die Echten Hasen (Lepus) bilden eine Gattung mit etwa dreißig Arten, von denen fünf in Europa vorkommen: Feldhase, Schneehase, Korsika-Hase, Iberischer Hase und Lepus castroviejoi. Ebenfalls in Europa beheimatet ist das Wildkaninchen (Oryctolagus cuniculus).
Hasen und Kaninchen werden nicht systematisch, sondern aufgrund ihrer Merkmale und Lebensweise unterschieden: Bei der Geburt haben Hasen bereits ein Fell und offene Augen (Nestflüchter), ihre Ohren sind länger und ihre Hinterläufe kräftiger als die der Kaninchen. Hasen sind meist als Einzelgänger unterwegs; sie leben im freien Feld.
Im Unterschied dazu leben Kaninchen gern gesellig. Sie graben Erdbauten, ihre Kinder kommen nackt und blind zur Welt (Nesthocker). Während der Feldhase nur in der freien Natur vorkommt, ist die domestizierte Form des Wildkaninchens als Haustier sehr beliebt.
(Leporidae) sind eine Familie aus der Ordnung der Hasenartigen (Lagomorpha) und gliedern sich in zwei Unterfamilien mit elf Gattungen und 55 Arten. Vertreter der Familie gibt es auf allen Kontinenten außer der Antarktis.
Die Echten Hasen (Lepus) bilden eine Gattung mit etwa dreißig Arten, von denen fünf in Europa vorkommen: Feldhase, Schneehase, Korsika-Hase, Iberischer Hase und Lepus castroviejoi. Ebenfalls in Europa beheimatet ist das Wildkaninchen (Oryctolagus cuniculus).
Hasen und Kaninchen werden nicht systematisch, sondern aufgrund ihrer Merkmale und Lebensweise unterschieden: Bei der Geburt haben Hasen bereits ein Fell und offene Augen (Nestflüchter), ihre Ohren sind länger und ihre Hinterläufe kräftiger als die der Kaninchen. Hasen sind meist als Einzelgänger unterwegs; sie leben im freien Feld.
Im Unterschied dazu leben Kaninchen gern gesellig. Sie graben Erdbauten, ihre Kinder kommen nackt und blind zur Welt (Nesthocker). Während der Feldhase nur in der freien Natur vorkommt, ist die domestizierte Form des Wildkaninchens als Haustier sehr beliebt.



