Bis zu 70 Kilometer pro Stunde schnell läuft der Hase - und schlägt dabei noch Haken! (Bild: Malene Thyssen, Lizenz: CreativeCommons)
Die Beliebtheit des Langohrs freut unter anderem die deutsche Süßwarenindustrie: Im Jahr 2008 hoppelten aus ihren Fabriken mehr als hundert Millionen hasenförmige Schokoladenhohlkörper von insgesamt rund 36.000 Tonnen Gewicht. In Sachen Fruchtbarkeit steht der schokoladige "Verwandte" dem wilden Hasen offenbar in Nichts nach.
Von kurzer Dauer
Was dann an Ostern mit den folienverpackten Leckereien passiert, ist wohlbekannt. Im Unterschied zum Löffelohr aus Fleisch und Blut ist das Leben des Schokohasen nur von kurzer Dauer. Aber ergeht es Meister Lampe in der freien Natur besser? Raubtiere sind eine ständige Gefahr, Lebensräume verschwinden durch die Intensivierung der Landwirtschaft, Getreideernte und Straßenverkehr fordern Opfer, flintenbeschwerte Jäger lauern dem Hasen auf.
Wie aus der Kanone geschossen
Glücklicherweise ist der ausgewachsene Mümmelmann gut gerüstet für den Überlebenskampf: Das rotbraune bis braune Fell, in dem helle und dunkle Farbtöne gemischt sind, lässt ihn auf Feldern und Äckern mit der Umgebung verschmelzen. Kommt ihm dennoch ein Räuber auf die Schliche, flitzt Meister Lampe wie aus der Kanone geschossen davon. Bis zu siebzig Kilometer pro Stunde wird er schnell und lässt seine Verfolger durch 90-Grad-Richtungsänderungen bei voller Geschwindigkeit häufig ins Leere laufen. Kein noch so fitter Jäger hält da lange mit.
Gehaltvolle Muttermilch
Bis zu zwölf Jahre alt kann ein Hase in Freiheit werden. Doch die wenigsten Tiere erreichen dieses stattliche Alter. Eher im Gegenteil: Erlebt ein Löffelohr seinen ersten Geburtstag, kann es sich glücklich schätzen, denn die ersten Lebensmonate sind für Hasen die gefährlichsten.
Für Neugeborene ist das Wetter der ärgste Feind: Mit wenig Deckung liegen die Kleinen, die bereits mit Fell geboren werden, sehen und sich bewegen können, in der Häschengrube (die so genannte Sasse). Der einzige Schutz gegen Kälte und Nässe ist die Muttermilch: Deren Fettanteil beträgt über zwanzig Prozent, sie hält den Energiehaushalt der kleinen Hasen am Laufen.
Viele Hunde sind des Hasen Tod, und viele Jäger auch. Jagdstillleben mit Vogel und Hase von Jan Weenix (1640 bis 1719).
Täglich ein- bis zweimal schaut die Häsin vorbei, um den Nachwuchs zu säugen. Viel Zeit darf sie sich dafür nicht nehmen, denn ihr Geruch könnte Raubtiere anlocken. Die Junghasen hingegen riechen noch nicht. Dafür haben bei niedriger Vegetation scharfsichtige Greifvögel leichtes Spiel, und Zufallsbegegnungen mit Füchsen gibt es immer wieder. Häufig ist es dann um die ganze Familie geschehen - Nacht für Nacht verschwindet ein Hasenjunges nach dem anderen aus der Sasse.
Wenn die Kleinen schließlich selber auf Nahrungssuche gehen, müssen sie sich in Acht nehmen vor hungrigen Räubern wie Wiesel, Marder, Luchs, Rabe und Habicht. Das Hakenschlagen beherrschen sie zwar, doch erreichen sie noch nicht die Fluchtgeschwindigkeit erwachsener Hasen.
Sicherheitsvorkehrung der Natur
Räuber, nasse Witterung, aber auch Krankheiten und Begegnungen mit Erntemaschinen und mit dem Straßenverkehr machen dem Hasennachwuchs zu schaffen - nur rund 15 Prozent der Junghasen überleben die ersten sechs Monate.
Einzige Versicherung für das Überleben von Meister Lampe ist da der Fortpflanzungsfleiß; die hohe Nachwuchsrate hat sich die Natur als eine Art Sicherheitsvorkehrung ausgedacht: Je höher die Zahl der geborenen Hasen, desto größer die Zahl derer, die ihre Kindheit überstehen und selber Nachwuchs zeugen und so den Fortbestand der Art sichern. - Zur Überlebensrate von Schokohasen ist übrigens nichts bekannt.
Urte Paul (31.03.2009)
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Der Feldhase...
(Lepus europaeus) ist in Europa, Westasien und Nordafrika beheimatet. Ursprünglich besiedelte er die Steppe, kommt aber auch in abwechslungsreichen Kulturlandschaften gut zurecht. Die Tiere leben als Einzelgänger und sind sehr standorttreu.
Tagsüber hocken sie in Mulden oder Gruben (Sassen); in der Dämmerung gehen sie auf die Suche nach Nahrung: Kräuter und Gräser, Getreide und andere Feldfrüchte, Knospen und Triebe stehen auf dem Speiseplan. Bei der Verdauung entsteht im Darm des Feldhasen ein vitaminreicher Brei, den das Tier nach dem Ausscheiden aufnimmt und ein weiteres Mal verdaut.
Derzeit gibt es in Deutschland rund 16 Hasen pro Quadratkilometer ihres Lebensraums, wobei die räumliche Verteilung sehr ungleich ist: In einigen Regionen im Nordwesten und Westen des Landes leben mehr als 150, in manchen östlichen Gebieten weniger als zwei Exemplare pro Quadratkilometer. Einige Bundesländer führen den Feldhasen inzwischen auf der Roten Liste.
Nach Jahrzehnten des Rückgangs steigen die Bestände seit ein paar Jahren leicht an, was Wissenschaftler auf die warmen und trockenen Jahre 2003 ("Jahrhundertsommer") und 2007 zurückführen. Das flinke Tier mit den kräftigen Hinterbeinen ist ein beliebtes Jagdziel: In der Jagdsaison 2007/08 betrug die Strecke mehr als 525.000 Feldhasen.
(Lepus europaeus) ist in Europa, Westasien und Nordafrika beheimatet. Ursprünglich besiedelte er die Steppe, kommt aber auch in abwechslungsreichen Kulturlandschaften gut zurecht. Die Tiere leben als Einzelgänger und sind sehr standorttreu.
Tagsüber hocken sie in Mulden oder Gruben (Sassen); in der Dämmerung gehen sie auf die Suche nach Nahrung: Kräuter und Gräser, Getreide und andere Feldfrüchte, Knospen und Triebe stehen auf dem Speiseplan. Bei der Verdauung entsteht im Darm des Feldhasen ein vitaminreicher Brei, den das Tier nach dem Ausscheiden aufnimmt und ein weiteres Mal verdaut.
Derzeit gibt es in Deutschland rund 16 Hasen pro Quadratkilometer ihres Lebensraums, wobei die räumliche Verteilung sehr ungleich ist: In einigen Regionen im Nordwesten und Westen des Landes leben mehr als 150, in manchen östlichen Gebieten weniger als zwei Exemplare pro Quadratkilometer. Einige Bundesländer führen den Feldhasen inzwischen auf der Roten Liste.
Nach Jahrzehnten des Rückgangs steigen die Bestände seit ein paar Jahren leicht an, was Wissenschaftler auf die warmen und trockenen Jahre 2003 ("Jahrhundertsommer") und 2007 zurückführen. Das flinke Tier mit den kräftigen Hinterbeinen ist ein beliebtes Jagdziel: In der Jagdsaison 2007/08 betrug die Strecke mehr als 525.000 Feldhasen.



