Praktisches Henne-Ei-Problem: die Frage, wer zuerst auf Wasserstoff umsteigt - die Fahrzeugindustrie oder die Tankstellen. (Bild: Coenen; Creative Commons)
Alles in einem
Beim Versuch, das Rätsel zu lösen, haben Wissenschaftler durchaus Fortschritte erzielt: Thomas R. Cech und Sidney Altmann erhielten 1989 den Chemie-Nobelpreis für ihre Entdeckung, dass bestimmte RNS-Moleküle andere RNS-Moleküle katalysieren können - zunächst auch ohne Proteine. Solche Nukleinsäuren (RNS) sind quasi Alleskönner, gewissermaßen Henne und Ei in einem.
Anfänge im Dunkel
Wo aber kamen denn nun diese Alleskönner her? Irgendwo vor der Grenze zur anorganischen (präbiotischen) Chemie verlieren sich die Anfänge der Kette aus Ursachen und Wirkungen im Dunkel, an deren vorläufigem Ende das organische Leben steht. Verführerische Folgerung ist ein Schöpfergott, der anorganischer Substanz (Lehm) Leben "einhauchte", eine erste Ursache setzte, ohne selbst Wirkung von etwas zu sein - sozusagen die universale Henne, oder das universale Ei.
Problem der Wahrnehmung
Ohne Schöpfergott kommen wir vielleicht aus, wenn wir uns über die Vielfalt von Henne-Ei-Problemen in den Kausalitäten der uns umgebenden Welt erst mal einfach nur wundern. Der Verdacht rückt dann näher, dass es sich hier um ein Problem unserer Wahrnehmung, mithin unseres Denkens handelt. Wir sind es schließlich gewohnt, in Ursache-Wirkung-Beziehungen zu denken, wobei Ursache und Wirkung eine bestimmte zeitliche Reihenfolge aufzuweisen haben.
Henne-Ei-Probleme entstehen durch das Denken in zeitlich geordneten Abfolgen von Ursache und Wirkung.
In Form und Ordnung bringen
Diese Frage klingt weniger abenteuerlich, sobald wir sie "erkenntnistheoretisch" umformulieren: Wären denn die Dinge und Abläufe, die wir beobachten, tatsächlich genau so strukturiert, wie sie es sind, sofern wir, die Beobachter, sie nicht genau so strukturieren, in Form und Ordnung bringen würden? Dabei sind wir, als Beobachter und Denkende, an die Formen unseres Denkens gebunden, egal ob im Alltag oder in der Wissenschaft. Und die wahrscheinlich bedeutendste dieser Formen ist das Denken in zeitlich geordneten Kausalitäten!
Weg des Erkennens
Weil - zum Glück - jede geschaffene Ordnung, jede auf Kausalitäten gestützte Erklärung, beim Deuten der unendlichen Dinge an Grenzen stößt, stoßen auch wir immer wieder auf Henne-Ei-Probleme - auf Paradoxien, die der menschliche Verstand notwendigerweise hervorbringen muss. Dass deren Auflösung im Rahmen von Theorien dann wieder neue Schwierigkeiten derselben Art produziert, sollte uns nicht mehr verblüffen: Es ist der Weg des Erkennens, das von endgültigen Antworten nichts wissen will.
Michael Schmittbetz (31.03.2006)
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Infobox
Das Ei des Kolumbus...
ist eine Redensart, die eine überraschend einfache Lösung für ein unlösbar scheinendes Problem beschreibt. Wahrscheinlich geht das Sprichwort auf eine Erzählung von Girolamo Benzoni (1519 bis 1570), die Geschichte der Neuen Welt, zurück.
Der Anekdote nach veranstaltete der Kardinal Mendoza 1493 ein Festmahl zu Ehren Christoph Kolumbus'. Gefeiert wurde die Entdeckung Amerikas, die Mendoza als den "größten Sieg, den jemals der Geist eines einzigen Mannes erfochten hat", würdigte. Doch nicht alle anwesenden Herren vom spanischen Hof teilten diese Meinung.
"Mich dünkt", sagte einer der königlichen Kammerherren, "der Weg nach der sogenannten Neuen Welt war nicht so schwer zu finden: Das Weltmeer stand überall offen, und kein spanischer Seefahrer würde das Ziel verfehlt haben!" Die Gesellschaft stimmte dem klatschend zu. Schließlich hätte das jeder gekonnt.
Kolumbus wagte daraufhin ein Experiment: Alle anwesenden Herren sollten ein Hühnerei so auf die Spitze stellen, dass es nicht umfalle. Jeder wollte es probieren und viele Versuche wurden auch unternommen, doch niemand konnte Kolumbus' Aufgabe erfüllen. Es sei unmöglich, rief einer der Herren, Kolumbus würde etwas Unausführbares verlangen. Nun solle es Kolumbus selbst versuchen.
Kolumbus nahm das Ei und setzte es mit einem leichten Schlag auf den Tisch, so dass es auf der eingedrückten Schale fest stand. "Ja, das kann jeder von uns auch!", protestierten die Anwesenden. Kolumbus aber sagte: "Der Unterschied ist, meine Herren, dass Sie es hätten tun können, ich hingegen habe es getan!"
ist eine Redensart, die eine überraschend einfache Lösung für ein unlösbar scheinendes Problem beschreibt. Wahrscheinlich geht das Sprichwort auf eine Erzählung von Girolamo Benzoni (1519 bis 1570), die Geschichte der Neuen Welt, zurück.
Der Anekdote nach veranstaltete der Kardinal Mendoza 1493 ein Festmahl zu Ehren Christoph Kolumbus'. Gefeiert wurde die Entdeckung Amerikas, die Mendoza als den "größten Sieg, den jemals der Geist eines einzigen Mannes erfochten hat", würdigte. Doch nicht alle anwesenden Herren vom spanischen Hof teilten diese Meinung.
"Mich dünkt", sagte einer der königlichen Kammerherren, "der Weg nach der sogenannten Neuen Welt war nicht so schwer zu finden: Das Weltmeer stand überall offen, und kein spanischer Seefahrer würde das Ziel verfehlt haben!" Die Gesellschaft stimmte dem klatschend zu. Schließlich hätte das jeder gekonnt.
Kolumbus wagte daraufhin ein Experiment: Alle anwesenden Herren sollten ein Hühnerei so auf die Spitze stellen, dass es nicht umfalle. Jeder wollte es probieren und viele Versuche wurden auch unternommen, doch niemand konnte Kolumbus' Aufgabe erfüllen. Es sei unmöglich, rief einer der Herren, Kolumbus würde etwas Unausführbares verlangen. Nun solle es Kolumbus selbst versuchen.
Kolumbus nahm das Ei und setzte es mit einem leichten Schlag auf den Tisch, so dass es auf der eingedrückten Schale fest stand. "Ja, das kann jeder von uns auch!", protestierten die Anwesenden. Kolumbus aber sagte: "Der Unterschied ist, meine Herren, dass Sie es hätten tun können, ich hingegen habe es getan!"




