Quäler-Ei
Friedliches Gackern auf dem Bauernhof ist längst die Ausnahme. Beinahe im Akkord legen Millionen von Zuchthennen Milliarden von Eiern. Immerhin, die grausamste Art der Hühnerhaltung ist auf dem Rückzug.Ostern naht - und damit die Zeit der bunten Eier. Das christliche Auferstehungsfest wäre ohne das zerbrechliche Nahrungsmittel nicht denkbar, schließlich ist das Ei das Symbol der Fruchtbarkeit und des Lebens schlechthin. Und weil es auch noch äußerst schmackhaft ist, hat es das ganze Jahr über Konjunktur auf deutschen Frühstückstischen und als Zutat in Kuchen, Nudeln und Salatsaucen.
Gewaltiger Hunger
214 Eier ließen sich die Deutschen im Jahr 2009 pro Kopf schmecken, inklusive der Eier, welche die Industrie in Fertigprodukten verarbeitet. Um den gewaltigen Hunger der Verbraucher nach tierischem Eiweiß zu stillen, bedarf es einer riesigen Anzahl an Eierproduzentinnen: Laut Statistischem Bundesamt legten im Jahr 2009 hierzulande fast 30 Millionen Hennen mehr als 8,5 Milliarden Eier - die Statistik erfasst aber nur Tiere in Betrieben mit dreitausend und mehr "Hennenhaltungsplätzen".
Billige Eier in großen Mengen
Hinter den nackten Zahlen verbirgt sich die Realität industrieller Hühner- und Eierproduktion. Damit die steigende Nachfrage der Verbraucher und Lebensmittelproduzenten Anfang der 1960er Jahre befriedigt werden konnte, mussten billige Eier in großen Mengen her. Das Huhn wurde zum Wirtschaftsfaktor; der Tierschutz und der Respekt minimaler arteigener Bedürfnisse blieben dabei auf der Strecke. Als gängige, weil kostengünstige Art der Haltung etablierte sich die Käfighaltung. Die hat ihren Ursprung in den USA, wo sich bereits um 1950 enge Legebatterien etablierten.
50 mal 50 mal 45
Käfighaltung heißt: Die Hennen sind für eine Legeperiode von etwa 15 Monaten in Drahtkäfigen untergebracht, die in vier bis acht Etagen übereinander gestapelt sind. Die Käfige messen etwa 50 mal 50 Zentimeter Grundfläche und sind 45 Zentimeter hoch.
In der Regel teilen sich fünf Hennen einen solchen Verschlag - jedes Huhn muss mit einer Fläche auskommen, die kleiner ist als ein DIN-A4-Blatt. Die Versorgung mit Futter und Wasser, Beleuchtung, Belüftung und Ei-Entnahme sowie die Entsorgung des Kots sind automatisiert.
Gefieder-, Haut- und Knochenschäden
Als Folge solcher Bedingungen entwickeln die Tiere schwere Verhaltens- und Gesundheitsstörungen: Jeder Ansatz von Fortbewegung, Strecken, Flügelschlagen, Flattern, geschweige denn Fliegen, sind unmöglich, ebenso das typische Scharren im Sand oder das Nestverhalten. Viele Hennen leiden unter Gefieder- und Hautschäden, die Knochen werden weich oder verformen sich, weil das Sonnenlicht fehlt. Tote Tiere werden manchmal erst nach Tagen entfernt.
Seit 2007 ist konventionelle Käfighaltung in Deutschland verboten; EU-weit wird sie 2012 abgeschafft.
Das Leben im Käfig war für Hennen in Deutschland bis vor kurzem Normalität. Tierschutzorganisationen machten zwar immer wieder auf die katastrophalen Lebensbedingungen der Tiere in den riesigen Batterien aufmerksam, doch änderte das lange Zeit nichts.
Dann, 1999, erließ das Bundesverfassungsgericht ein folgenreiches Urteil: Käfighaltung sei nicht mit dem Tierschutzgesetz vereinbar. Als Folge trat 2007 ein Verbot der konventionellen Käfighaltung in Kraft; ab 2012 wird ein solches Verbot für die gesamte Europäische Union gelten.
Instrumentalisierte Angst
Indes nutzt die Lobby der Geflügelwirtschaft jedes Mittel, gegen das Verbot anzureden oder es zu umgehen. 2005 war es ein in den Medien hochgepushter "Skandal" um angeblich dioxinverseuchte Eier aus Freilandhaltung. Immer wieder wird die Angst vor der Vogelgrippe als Argument für die Käfighaltung missbraucht - da die Tiere in einem hermetisch abgeriegelten Raum leben, sei die Ansteckungsgefahr, auch für den Menschen, geringer. Dass eine Infektion nie zu hundert Prozent ausgeschlossen werden kann und im Seuchenfall gleich Hunderttausende Tiere betroffen wären, bleibt dabei unerwähnt...
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Infobox
Das spezialisierte Huhn
Die Vorfahren der Haushühner stammen aus Asien. Die Domestizierung der wichtigsten Art, des Bankivahuhns, erfolgte dort bereits vor über viertausend Jahren. Schnell lernte der Mensch, Fleisch, Gefieder und Eier des Huhns zu schätzen. Durch Züchtung schuf er eine große Vielfalt an Hühnerrassen mit verschiedensten Eigenschaften. Auf Eierlegen oder Fleischproduktion spezialisierte Rassen gab es aber lange Zeit nicht.
Erst in den 1920er Jahren begann in den USA die Trennung von Lege- und Mastrassen. Zur selben Zeit wurde daran geforscht, diverse Rassen und Familien zu kreuzen, um deren positive Eigenschaften miteinander zu verbinden. Die Hybridzucht war geboren: Aus der Kreuzung hervorgehende Nachkommen (Hybriden) sind oft leistungsfähiger als ihre Eltern.
Hybridhühner werden auf eine hohe Legeleistung bei niedrigem Körpergewicht hin gezüchtet. Doch deren männliche Nachkommen eignen sich nicht zur Mast, da sie nur sehr langsam Fleisch ansetzen. Und so werden in Europa jährlich mehr als dreihundert Millionen Küken gleich nach dem Schlüpfen getötet. Sie werden entweder vergast, zu Tiermehl verarbeitet und dann verbrannt - oder sie landen im Homogenisator: ein Häckselwerk aus rotierenden Messern, das die Küken in Sekundenbruchteilen zerfetzt.
Die Vorfahren der Haushühner stammen aus Asien. Die Domestizierung der wichtigsten Art, des Bankivahuhns, erfolgte dort bereits vor über viertausend Jahren. Schnell lernte der Mensch, Fleisch, Gefieder und Eier des Huhns zu schätzen. Durch Züchtung schuf er eine große Vielfalt an Hühnerrassen mit verschiedensten Eigenschaften. Auf Eierlegen oder Fleischproduktion spezialisierte Rassen gab es aber lange Zeit nicht.
Erst in den 1920er Jahren begann in den USA die Trennung von Lege- und Mastrassen. Zur selben Zeit wurde daran geforscht, diverse Rassen und Familien zu kreuzen, um deren positive Eigenschaften miteinander zu verbinden. Die Hybridzucht war geboren: Aus der Kreuzung hervorgehende Nachkommen (Hybriden) sind oft leistungsfähiger als ihre Eltern.
Hybridhühner werden auf eine hohe Legeleistung bei niedrigem Körpergewicht hin gezüchtet. Doch deren männliche Nachkommen eignen sich nicht zur Mast, da sie nur sehr langsam Fleisch ansetzen. Und so werden in Europa jährlich mehr als dreihundert Millionen Küken gleich nach dem Schlüpfen getötet. Sie werden entweder vergast, zu Tiermehl verarbeitet und dann verbrannt - oder sie landen im Homogenisator: ein Häckselwerk aus rotierenden Messern, das die Küken in Sekundenbruchteilen zerfetzt.
Infobox
Der Begriff Hackordnung...
ist im Sprachgebrauch ein Synonym für die Hierarchie in einer sozialen Gruppe. Er entstand, als Verhaltensbiologen bei Hühnern die Entstehung von Rangordnungen und die Handlungsweisen der in ihnen eingebundenen Tiere untersuchten: Sie beobachteten, dass ranghöhere Tiere beim Verteidigen ihrer Futterplatzansprüche rangniedere Tiere mit dem Schnabel weghacken.
Meist gibt es auf einem Hühnerhof ein einziges Huhn, das alle anderen Tiere hackt, dabei selbst aber kaum gehackt wird. Und wiederum gibt es ein Tier, das immer von den anderen gehackt wird, selbst aber nie zurückhackt.
Diese Form der sozialen Interaktion ist Ausdruck einer Rangordnung, in der es ein ranghöchstes sowie ein rangniedrigstes Element gibt. Alle anderen Gruppenmitglieder sind zwischen diesen beiden Extremen zu finden.
ist im Sprachgebrauch ein Synonym für die Hierarchie in einer sozialen Gruppe. Er entstand, als Verhaltensbiologen bei Hühnern die Entstehung von Rangordnungen und die Handlungsweisen der in ihnen eingebundenen Tiere untersuchten: Sie beobachteten, dass ranghöhere Tiere beim Verteidigen ihrer Futterplatzansprüche rangniedere Tiere mit dem Schnabel weghacken.
Meist gibt es auf einem Hühnerhof ein einziges Huhn, das alle anderen Tiere hackt, dabei selbst aber kaum gehackt wird. Und wiederum gibt es ein Tier, das immer von den anderen gehackt wird, selbst aber nie zurückhackt.
Diese Form der sozialen Interaktion ist Ausdruck einer Rangordnung, in der es ein ranghöchstes sowie ein rangniedrigstes Element gibt. Alle anderen Gruppenmitglieder sind zwischen diesen beiden Extremen zu finden.




