Ein weiterer Versuch, das Verbot auszuhebeln, ist der Etikettenschwindel um die so genannten Kleinvolièren. Hier handelt es sich um ausgestaltete Käfige, die man umbenannte, um das Negativ-Image der engen Zwinger loszuwerden. Wer denkt bei solch einem harmlosen Begriff, der das Lateinische volare = fliegen beinhaltet, schon an Tierquälerei?
Die "moderne" Form der Haltung schließt zwar Gemeinschaftsnest, Sandbad, Sitzstangen und eine um 200 Quadratzentimeter größere Fläche pro Henne ein - um die Tiere auch nur einigermaßen artgerecht zu halten, reiche aber auch das nicht aus, bemängeln Kritiker.
Fünf Zentimeter mehr
Immer noch gehe es darum, möglichst viele Tiere auf engstem Raum unterzubringen. Die Fläche sei nicht mal groß genug, damit sich das Huhn um die eigene Achse drehen kann, und die Käfige seien mit fünfzig Zentimetern Höhe - gerade mal fünf Zentimeter mehr als bisher - zu niedrig, um erhöhte Schlafplätze einzurichten. Jedoch wären sie niedrig genug, um sie in den Ställen in vier Reihen übereinander zu stapeln.
Dumpingpreise aus dem Ausland
In Deutschland werden ab 2012 auch solche ausgestalteten Käfige verboten sein. Die deutschen Eierproduzenten fürchten dann hohe finanzielle Einbußen. Sie argumentieren nach dem Motto "Wenn wir es nicht tun, machen es die anderen." Womit sie sogar Recht haben könnten: "Moderne" Käfighaltung ist in EU-Ländern auch über 2012 hinaus erlaubt. Wegen der kostengünstigen Haltung der Legehennen in Käfigen können ausländische Anbieter Eier zu Dumpingpreisen in Deutschland anbieten.
Im Umbruch
Dabei zeigt das Käfigverbot hierzulande schon Wirkung - Hühnerhalter investierten hohe Summen in den Umbau der "Unterkünfte", die Eierproduktion ist im Umbruch. Vegetierten vor wenigen Jahren noch drei Viertel der Legehennen in engen Käfigen dahin, waren es 2010 schon weniger als ein Fünftel. Indes hat sich der Anteil der Tiere in Bodenhaltung seit 2005 auf mehr als sechzig Prozent vervierfacht. Freilandhaltung und ökologische Erzeugung machen das restliche Fünftel aus.
Druck auf die Produzenten
Verbraucher dürften das gut finden: Laut einer Umfrage des Allensbacher Instituts für Demoskopie lehnten bereits 1990 knapp 85 Prozent der Deutschen die Käfighaltung von Legehennen ab und waren angeblich auch bereit, höhere Preise für Eier aus artgerechter Haltung zu zahlen. Leider sieht die Realität meist anders aus: Die meisten Verbraucher schauen eher auf den Preis als auf die Herkunft der Eier.
9,6 Millionen Importe
Bleiben die Konsumenten bei ihrem "preisbewussten" Einkaufsverhalten, wird sich für die Tiere wenig ändern. Die Eier stammten dann eben nicht mehr von gequälten Hühnern aus Deutschland, sondern aus andern Ländern. Weniger als zwei Drittel der Nachfrage hierzulande wird aus heimischer Produktion gedeckt; 9,6 Millionen Eier wurden 2009 importiert. Druck auf die Produzenten, endlich auf artgerechte Haltung umzusteigen, kann der Kunde nur ausüben, wenn er die Tierquälerei in Legebatterien nicht am Supermarktregal vergisst - und auch höhere Preise in Kauf nimmt.
Für Kennzeichnungspflicht
Um dem Verbraucher die Entscheidung fürs Ei zu erleichtern, hat die EU 2004 ein einheitliches Kennzeichnungssystem eingeführt: Ein Code aus Buchstaben und Zahlen gibt Auskunft über Herkunft und Erzeugungsart jedes einzelnen Exemplars.
Allerdings hat auch die Sache einen Haken: Nur rund die Hälfte aller Eier gelangt im Rohzustand in den Supermarkt. Ein Sechstel verbrauchen Bäckereien, Großküchen und Gastronomie; ein Drittel wandert in Nudeln, Majonäse oder Fertigsuppen. Die Lebensmittelindustrie muss bisher nicht kennzeichnen, woher die von ihr verwandten Eier stammen. Hier wäre wieder die Politik gefragt - von glücklichen Hühnern steht in Parteiprogrammen und Koalitionsverträgen jedoch nichts.
Ulrike Wolf (akt. 12.04.2011)
Die "moderne" Form der Haltung schließt zwar Gemeinschaftsnest, Sandbad, Sitzstangen und eine um 200 Quadratzentimeter größere Fläche pro Henne ein - um die Tiere auch nur einigermaßen artgerecht zu halten, reiche aber auch das nicht aus, bemängeln Kritiker.
Fünf Zentimeter mehr
Immer noch gehe es darum, möglichst viele Tiere auf engstem Raum unterzubringen. Die Fläche sei nicht mal groß genug, damit sich das Huhn um die eigene Achse drehen kann, und die Käfige seien mit fünfzig Zentimetern Höhe - gerade mal fünf Zentimeter mehr als bisher - zu niedrig, um erhöhte Schlafplätze einzurichten. Jedoch wären sie niedrig genug, um sie in den Ställen in vier Reihen übereinander zu stapeln.
Dumpingpreise aus dem Ausland
In Deutschland werden ab 2012 auch solche ausgestalteten Käfige verboten sein. Die deutschen Eierproduzenten fürchten dann hohe finanzielle Einbußen. Sie argumentieren nach dem Motto "Wenn wir es nicht tun, machen es die anderen." Womit sie sogar Recht haben könnten: "Moderne" Käfighaltung ist in EU-Ländern auch über 2012 hinaus erlaubt. Wegen der kostengünstigen Haltung der Legehennen in Käfigen können ausländische Anbieter Eier zu Dumpingpreisen in Deutschland anbieten.
Billiger im Ausland? Nach dem Käfigverbot für Deutschland fürchten Eierproduzenten die Konkurrenz aus anderen EU-Staaten: dort gibt es die "Hühnerknäste" weiterhin.
Dabei zeigt das Käfigverbot hierzulande schon Wirkung - Hühnerhalter investierten hohe Summen in den Umbau der "Unterkünfte", die Eierproduktion ist im Umbruch. Vegetierten vor wenigen Jahren noch drei Viertel der Legehennen in engen Käfigen dahin, waren es 2010 schon weniger als ein Fünftel. Indes hat sich der Anteil der Tiere in Bodenhaltung seit 2005 auf mehr als sechzig Prozent vervierfacht. Freilandhaltung und ökologische Erzeugung machen das restliche Fünftel aus.
Druck auf die Produzenten
Verbraucher dürften das gut finden: Laut einer Umfrage des Allensbacher Instituts für Demoskopie lehnten bereits 1990 knapp 85 Prozent der Deutschen die Käfighaltung von Legehennen ab und waren angeblich auch bereit, höhere Preise für Eier aus artgerechter Haltung zu zahlen. Leider sieht die Realität meist anders aus: Die meisten Verbraucher schauen eher auf den Preis als auf die Herkunft der Eier.
9,6 Millionen Importe
Bleiben die Konsumenten bei ihrem "preisbewussten" Einkaufsverhalten, wird sich für die Tiere wenig ändern. Die Eier stammten dann eben nicht mehr von gequälten Hühnern aus Deutschland, sondern aus andern Ländern. Weniger als zwei Drittel der Nachfrage hierzulande wird aus heimischer Produktion gedeckt; 9,6 Millionen Eier wurden 2009 importiert. Druck auf die Produzenten, endlich auf artgerechte Haltung umzusteigen, kann der Kunde nur ausüben, wenn er die Tierquälerei in Legebatterien nicht am Supermarktregal vergisst - und auch höhere Preise in Kauf nimmt.
Ein Stempelcode auf jedem Ei informiert über dessen Herkunft und über die Art der Erzeugung - mehr dazu rechts in der Infobox.
Um dem Verbraucher die Entscheidung fürs Ei zu erleichtern, hat die EU 2004 ein einheitliches Kennzeichnungssystem eingeführt: Ein Code aus Buchstaben und Zahlen gibt Auskunft über Herkunft und Erzeugungsart jedes einzelnen Exemplars.
Allerdings hat auch die Sache einen Haken: Nur rund die Hälfte aller Eier gelangt im Rohzustand in den Supermarkt. Ein Sechstel verbrauchen Bäckereien, Großküchen und Gastronomie; ein Drittel wandert in Nudeln, Majonäse oder Fertigsuppen. Die Lebensmittelindustrie muss bisher nicht kennzeichnen, woher die von ihr verwandten Eier stammen. Hier wäre wieder die Politik gefragt - von glücklichen Hühnern steht in Parteiprogrammen und Koalitionsverträgen jedoch nichts.
Ulrike Wolf (akt. 12.04.2011)
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Infobox
2-DE-1400811
Per EG-Verordnung ist die Kennzeichnung von Eiern seit 2004 einheitlich geregelt: Ein Stempelcode auf jedem Ei - unser Beispiel: 2-DE-1400811 - informiert Verbraucher über dessen Herkunft und Erzeugungsart.
Der Code beginnt mit einer Zahl von 0 bis 3, die für die Art der Legehennenhaltung steht: 0 bedeutet ökologische Erzeugung, 1 bedeutet Freilandhaltung, Eier aus Bodenhaltung tragen die 2, solche aus Käfighaltung die 3.
Als nächstes folgt ein Buchstabenpaar - es steht für das Herkunftsland des Eies. Deutschland wird mit DE abgekürzt, Österreich mit AT, Lettland mit LV, Schweden mit SE, ...
Über den letzten Teil des Codes lassen sich der Betrieb und sogar der Stall identifizieren, aus dem das Ei stammt. Für Eier aus Deutschland besteht dieser Teil aus sieben Ziffern: Die ersten beiden Ziffern stehen für das Bundesland (von 01 für Schleswig-Holstein bis 16 für Thüringen), dann folgen vier Ziffern für den Betrieb, die letzte Ziffer identifiziert den Stall.
Unser Beispiel-Ei mit dem Code 2-DE-1400811 stammt also aus der Bodenhaltung, und zwar von einer Henne, die in Deutschland und noch genauer in Sachsen lebt. Per Internet lässt sich sogar der Betrieb herausfinden: Eine einfach zu bedienende Suchmaske gibt es zum Beispiel auf der Website von KAT - Verein für kontrollierte Tierhaltungsformen e. V. Dort erfahren wir: Unser Ei wurde von einer Henne aus Zobes im Vogtland gelegt.
Per EG-Verordnung ist die Kennzeichnung von Eiern seit 2004 einheitlich geregelt: Ein Stempelcode auf jedem Ei - unser Beispiel: 2-DE-1400811 - informiert Verbraucher über dessen Herkunft und Erzeugungsart.
Der Code beginnt mit einer Zahl von 0 bis 3, die für die Art der Legehennenhaltung steht: 0 bedeutet ökologische Erzeugung, 1 bedeutet Freilandhaltung, Eier aus Bodenhaltung tragen die 2, solche aus Käfighaltung die 3.
Als nächstes folgt ein Buchstabenpaar - es steht für das Herkunftsland des Eies. Deutschland wird mit DE abgekürzt, Österreich mit AT, Lettland mit LV, Schweden mit SE, ...
Über den letzten Teil des Codes lassen sich der Betrieb und sogar der Stall identifizieren, aus dem das Ei stammt. Für Eier aus Deutschland besteht dieser Teil aus sieben Ziffern: Die ersten beiden Ziffern stehen für das Bundesland (von 01 für Schleswig-Holstein bis 16 für Thüringen), dann folgen vier Ziffern für den Betrieb, die letzte Ziffer identifiziert den Stall.
Unser Beispiel-Ei mit dem Code 2-DE-1400811 stammt also aus der Bodenhaltung, und zwar von einer Henne, die in Deutschland und noch genauer in Sachsen lebt. Per Internet lässt sich sogar der Betrieb herausfinden: Eine einfach zu bedienende Suchmaske gibt es zum Beispiel auf der Website von KAT - Verein für kontrollierte Tierhaltungsformen e. V. Dort erfahren wir: Unser Ei wurde von einer Henne aus Zobes im Vogtland gelegt.




