Summendes Utopia
Weil sie fleißig Honig herstellt, wird die Biene hoch geschätzt. Verdient hat sie das allemal, schuf sie mit dem Bienenstock doch auch einen idealen "Staat".Bienen bei der Arbeit: streng hierarchisch teilt sich das Volk der emsigen Insekten.
Willenloses Sexspielzeug
Der Schlüssel zur Effizienz ist eine sorgfältig gegliederte Gesellschaft: Elitenbildung sorgt schon im Frühstadium der Staatsformung für eine übersichtliche Hierarchie. An der Spitze des Volkes steht das größte, kraftvollste und fruchtbarste Exemplar der Art: die Bienenkönigin.
Ihr allein ist es vorbehalten, aus dem Heer der Drohnen - den männlichen Bienen - einen geeigneten Fortpflanzungspartner zu erwählen. Ist der Akt vollzogen, benötigt der Idealstaat seine nutzlos gewordenen Samenspender nicht mehr: wenn sie nicht auf der Hochzeitsreise versterben, werden sie von den Arbeiterinnen aus dem Stock gestochen.
Wer arbeitet, bleibt!
Dass das weibliche Bienenproletariat die überflüssig gewordenen Esser aus seiner Gemeinschaft vertreibt, ist nur verständlich: Zuzusehen, wie es sich so eine Drohne in der sozialen Hängematte gemütlich macht, ganze Waben mit der beleibten Präsenz blockiert, muss bei der arbeitsamen Imme einfach Anstoß erregen. Die beiden Grundpfeiler ihrer Existenz nämlich sind: Flexibilität und Mobilität.
Wabenpflege und Pollensuche
Ist die Biene am 21. Tag nach ihrer Zeugung geschlüpft, beginnt ihr arbeitsreicher Alltag auch schon: Zunächst muss sie zwei Wochen lang die Bienenbrut versorgen. Nach kurzer Zeit sondert die Jungbiene dann Wachs aus Drüsen an ihren Hinterbeinen ab und beginnt, Waben zu bauen.
Der Bienenstock freilich macht sich auch nicht von allein sauber - die Wabenpflege gehört in dieser Zeit ebenso zu ihren Aufgaben wie das Wachestehen vor dem Stock. Nach der dritten Lebenswoche schließlich fliegt sie zum Sammeln aus: ganze achttausend Kilometer legt sie in dieser Zeit zurück. Um nur ein Pfund Honig zu sammeln, müsste sie - rein rechnerisch - bis zu dreieinhalb Mal um die Erde fliegen.
Rechtzeitig ins Jenseits
Damit sie der restlichen Bienengesellschaft im Alter nicht mit Versorgungsansprüchen zur Last fällt, ereilt die gemeine Arbeitsbiene nach spätestens fünf Wochen der genetisch programmierte Tod. Die liebreizende Monarchin hingegen darf vier Jahre leben.
Kathleen Niebl (aktualisiert 04.05.2011)
Infobox
Bizarrer Beischlaf
Wer denkt, dass Sex bei Insekten eine unspektakuläre Angelegenheit ist, wird von Erkenntnissen über Praktiken der Tropischen Blattschneidebiene eines Besseren belehrt.
Tausende Male laufen die grotesken Paarungsvorgänge Jahr für Jahr ab. Zunächst sieht alles nach einem romantischen Bienen-Tête-à-tête aus: der sexhungrige Bienenmann macht der Angebeteten ein paar Fliegen zum Geschenk, die diese während der Kopulation verspeisen soll.
Sodann reißt er aber seine feinfühlige Maske vom Angesicht und stürzt sich auf das Weibchen, umklammert es mit seinen Beinen, verbeißt sich in dessen Fühler und zwingt den Hinterleib der Auserwählten dadurch in die Höhe.
Zusätzlich verschließt der hemmungslose Paarungswillige dem Weibchen mit seinen lichtdurchlässigen Vorderbeinen die Augen. Die Bienendame sieht dann ein Muster, das sie betören soll.
Das schamlose Insekt hat mit unserer Honigproduktion zum Glück wenig zu tun: die sittsame europäische Honigbiene wird nur einmal im Leben begattet und widmet sich dann der Eiablage.
Wer denkt, dass Sex bei Insekten eine unspektakuläre Angelegenheit ist, wird von Erkenntnissen über Praktiken der Tropischen Blattschneidebiene eines Besseren belehrt.
Tausende Male laufen die grotesken Paarungsvorgänge Jahr für Jahr ab. Zunächst sieht alles nach einem romantischen Bienen-Tête-à-tête aus: der sexhungrige Bienenmann macht der Angebeteten ein paar Fliegen zum Geschenk, die diese während der Kopulation verspeisen soll.
Sodann reißt er aber seine feinfühlige Maske vom Angesicht und stürzt sich auf das Weibchen, umklammert es mit seinen Beinen, verbeißt sich in dessen Fühler und zwingt den Hinterleib der Auserwählten dadurch in die Höhe.
Zusätzlich verschließt der hemmungslose Paarungswillige dem Weibchen mit seinen lichtdurchlässigen Vorderbeinen die Augen. Die Bienendame sieht dann ein Muster, das sie betören soll.
Das schamlose Insekt hat mit unserer Honigproduktion zum Glück wenig zu tun: die sittsame europäische Honigbiene wird nur einmal im Leben begattet und widmet sich dann der Eiablage.




